Charttechnik lernen 2026: 7 Werkzeuge und Formationen erklärt
Charttechnik lernen heißt, wenige vom Markt beachtete Werkzeuge im Demokonto mit Risikomanagement zu üben, etwa im kostenlosen 7-Tage-Starterkurs.
TLDR:
Charttechnik lernen gelingt am besten mit wenigen, von vielen Tradern beachteten Werkzeugen und festen Regeln im Demokonto, denn Charttechnik ist der Teil der technischen Analyse, der aus Kursverläufen Zonen und Wahrscheinlichkeiten ableitet. Ich erkläre dir 7 Werkzeuge vom Trendkanal bis zur Average Daily Range, mit Einstellung, Zweck und typischem Fehler, dazu einen Überblick über klassische Chartformationen. Für den Start reichen drei davon, Formationen wie Flagge und Dreieck kommen später, und ohne feste Verlustgrenze bleibt jedes Muster nur eine Orientierung.
Was Charttechnik ist und warum ein Chart trotz Vergangenheit hilft
Charttechnik ist die Arbeit mit dem Chart, also der grafischen Darstellung des Preises eines Basiswertes wie einer Aktie oder eines Währungspaares. Trader und Investoren verwenden sie, um ihren Handel mit Wertpapieren oder Derivaten (Finanzprodukten, deren Wert sich von einem Basiswert ableitet) gezielter zu planen.
In Foren liest du entweder, dass Charttechnik Kaffeesatzlesen sei, oder dass Trader sie unbedingt bräuchten. Ich sehe es so, dass dir die Charttechnik nur hilft, falls du wenige vom Markt beachtete Werkzeuge als Zonen und Wahrscheinlichkeiten liest und mit festen Regeln und Risikomanagement übst. Ein Muster ohne Stop-Loss (eine vorher festgelegte Verlustgrenze) und ohne Bestätigung ist nämlich kein Signal.
Indikatoren, Chartmuster, Kerzen
Charttechnik besteht aus einzelnen Indikatoren, aus bestimmten Chartmustern und aus Kerzenformationen. Alle drei sind Hilfsmittel, mit denen ich den Preis im Chart besser lese.
Chart und Orderbuch
Wer Charttechnik lernen will, muss auch verstehen, wie ein Orderbuch aufgebaut ist und abgearbeitet wird. Die Leitfragen lauten: Wie kommt ein Preis zustande und was bedeuten Angebot und Nachfrage? Wikipedia zum Orderbuch zufolge wird ein Orderbuch für jedes gehandelte Wertpapier einzeln geführt und ist die Grundlage für die Kursermittlung.
Im Orderbuch stehen die offenen Aufträge, angezeigt zum jeweiligen Kurslimit. Der Chart zeigt dagegen die ausgeführten Kurse über die Zeit, also das Ergebnis vergangener Kurse.
Warum ein Chart trotz Vergangenheit hilft
Wenn ein Chart nur historische Kurse zeigt, wie soll er mir dann im Trading helfen? An Zonen, die viele Marktteilnehmer erkennen, sammeln sich viele Orders und dort kann es zu einem Rebound kommen, also zu einem Abprall des Kurses von dieser Zone.
Kaufaufträge (Preis, Menge) | Verkaufsaufträge (Preis, Menge) |
|---|---|
99,80 EUR, 300 Stück | 100,10 EUR, 250 Stück |
99,70 EUR, 500 Stück | 100,20 EUR, 400 Stück |
99,50 EUR, 900 Stück | 100,50 EUR, 800 Stück |
Die Tabelle zeigt frei gewählte Beispielwerte, keine echten Marktdaten.
Kein Wundermittel, kein Kaffeesatzlesen
Mach dir klar, dass Charttechnik kein Wundermittel ist, sondern ein Mittel zum Zweck. Es gibt keine Pauschalaussage wie „Charttechnik ist zwingend notwendig“ oder umgekehrt „alles Quatsch“, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Ich zeige dir darum 7 Werkzeuge und Formationen als Bausteine für deine eigenen Regeln, nicht als fertige Strategie.
Den Gesamtüberblick findest du unter Trading lernen.
„Was sofort auf einen seriösen Partner hinweist: Hier wird einem nicht der schnelle Reichtum versprochen, sondern die harte und disziplinierte Arbeit ans Herz gelegt, die später hinter einem Erfolg liegen wird.“ - Marcus B. on Trustpilot
Womit ich als Einsteiger anfangen würde: Top 3
Für den Start würde ich als Einsteiger diese drei der sieben Werkzeuge wählen:
- Trendkanal mit mindestens drei Punkten, weil er dir Richtung und Zone in einem Bild zeigt.
- Unterstützung und Widerstand mit Rollentausch, weil du daran deinen Stop-Loss und dein Kursziel planst.
- Gleitende Durchschnitte wie SMA 50, SMA 200 und EMA 200, weil sie dir den übergeordneten Trend als ruhige Linie zeigen.
Vergleichstabelle: Werkzeuge, Einstellung, Zweck, Fehler
Die Tabelle fasst alle 7 Werkzeuge mit Einstellung, Einsatzzweck und typischem Fehler zusammen. Sie ersetzt die Erklärungen in den einzelnen Abschnitten nicht, sondern dient dir als Spickzettel beim Üben. Wo es einen echten Standard gibt, nenne ich ihn, etwa den Bollinger-Standard 20/2 laut deutscher Wikipedia zu Bollinger-Bändern.
Werkzeug | Was es zeigt | Typische Einstellung | Wofür ich es verwende | Häufiger Fehler |
|---|---|---|---|---|
1. Trendkanal | Richtung und Zone, in der sich der Kurs bewegt | zwei parallele Linien, mindestens drei Punkte | Einstieg und Ausstieg im Trend | gegen den Trend handeln |
2. Unterstützung und Widerstand | Bereiche, an denen der Kurs früher nicht weiterkam | Zone statt exakter Linie, Rollentausch nach Durchbruch | Take-Profit und Stop-Loss planen | die Linie als exakten Preis lesen |
3. Gleitende Durchschnitte | Mittelwert historischer Kurse als Linie | EMA 200 (meine Einschätzung), SMA 50 und SMA 200 | Orientierung, Rebound am Durchschnitt | eine Kreuzung als frühes Signal lesen |
4. Bollinger-Bänder | Abstand zum Mittelwert im Verhältnis zur Schwankung | SMA 20, 2 Standardabweichungen | Orientierung bei überdehnten Bewegungen | ein Band als Kursziel lesen |
5. Fibonacci-Retracements | mögliche Zonen einer Korrektur | 23,6 %, 38,2 %, 50 %, 61,8 % | Einstieg nach einer Korrektur | den perfekten Einstieg suchen |
6. Trading-Kerzen und Hammer | Eröffnung, Hoch, Tief und Schluss | Hammer: unterer Docht mindestens doppelt so lang wie der Körper | Orientierung für eine mögliche Trendwende | eine Kerze allein als Signal werten |
7. Durchschnittliche Tagesspanne (ADR) | Spanne zwischen Hoch und Tief eines Tages im Durchschnitt | Summe der Tagesspannen geteilt durch die Anzahl der Tage | Ausstieg und Planung am Tagesende | die ADR als Einstiegsgrund nehmen |
Quellen der Einstellungen: die deutsche Wikipedia und die MetaTrader-5-Hilfe (Bollinger-Bänder), die Hilfe-Seiten von MetaTrader 5 und TradingView (Fibonacci-Level) und das Lexikon von finanzen.net (Hammer), abgerufen am 20. und 21. Oktober 2026. Die Angaben zu Trendkanal, Zonen, Durchschnitten und ADR sind meine Einordnung und kein externer Standard.
1. Trendkanal: Richtung und Zone erkennen
Ein Trendkanal ist eine Zone zwischen zwei parallelen Linien, in der sich der Kurs eine Zeit lang bewegt. Ein Trend gibt die Richtung vor, in der Mode genauso wie im Trading.
Im Chart ist ein Trend aufwärts, abwärts oder seitwärts gerichtet. Long und Short beschreiben dagegen die Richtung deiner Position, denn ein Aufwärtstrend legt eher eine Long-Position nahe, also eine Spekulation auf steigende Kurse, ein Abwärtstrend eher eine Short-Position auf fallende Kurse. Trader versuchen, einen Trend so früh wie möglich zu erkennen, um sich passend zu positionieren.
So zeichnest du einen Trendkanal ein
Für einen Kanal brauche ich mindestens drei Punkte, zwei oben und einen unten oder umgekehrt. Die beiden Linien müssen parallel zueinander verlaufen, so beschreibt auch die MetaTrader-5-Hilfe zum Äquidistantkanal zwei parallele Trendlinien, die Hoch- und Tiefpunkte verbinden. Der Kurs bewegt sich dann eine Zeit lang in diesem Kanal, aber wie lange er dort bleibt, ist nie klar.

Welche Zeiteinheit zählt?
Im 5-Minuten-Chart kann ein Abwärtstrend laufen, während der 4-Stunden-Chart zur gleichen Zeit einen Aufwärtstrend zeigt. Welcher Trend zählt, hängt von deinem Trading-Stil ab, aber allgemein gilt, dass übergeordnete Zeiteinheiten höherwertig sind. Ich halte es für sinnvoll, nur dann zu handeln, wenn der Trend in der über- und in der untergeordneten Zeiteinheit übereinstimmt.
Einstieg und Ausstieg im Kanal
Ein Trendkanal hilft mir, einen geplanten Einstieg in eine Aktie oder ein Währungspaar genauer zu setzen und für einen laufenden Trade einen guten Ausstieg zu planen. In einem fallenden Kanal könnte ich einen Short an die Kanaloberseite legen und den Ausstieg an der Kanalunterseite platzieren.
Manche Trader positionieren sich gegen den bestehenden Trend, in diesem Beispiel also mit einem Long im Abwärtstrend. Empfehlen kann ich das nicht. Mach dir außerdem klar, dass jeder Trend irgendwann endet und dein Kanal dann nicht mehr gilt.
2. Unterstützung und Widerstand: Zonen, an denen der Kurs reagiert
Unterstützung und Widerstand sind wie der Trendkanal visuelle Hilfen, mit denen ich Zonen im Chart erkenne. Gemeint sind Bereiche, an denen der Kurs in der Vergangenheit nicht so einfach weitergekommen ist. Liegt so ein Bereich über dem aktuellen Kurs, ist er ein Widerstand, liegt er darunter, ist er eine Unterstützung.
Ein Widerstand blockiert eine laufende Aufwärtsbewegung, eine Unterstützung stützt den Kurs in einem Abwärtstrend. Die Annahme dahinter lautet, dass der Kurs seinen Trend an diesen Zonen nicht so einfach fortsetzt.
Rollentausch nach dem Durchbruch
Diese Besonderheit solltest du dir merken: Hat der Kurs einen Widerstand nachhaltig überwunden, dient diese Zone danach als Unterstützung für den intakten Aufwärtstrend. Umgekehrt wird eine nach unten durchbrochene Unterstützung in einem Abwärtstrend zum Widerstand. Im Chart erkennst du das daran, dass dieselbe Zone erst bremst und nach dem Durchbruch stützt.

Take-Profit und Stop-Loss an der Zone
Ich verwende Unterstützungen und Widerstände, um Einstieg und Ausstieg meiner Trades im Forexhandel, also beim Handel mit Währungspaaren, genauer zu planen. Liegt ein Widerstand voraus, lege ich meinen Take-Profit (die Marke, an der ich Gewinne mitnehme) je nach Chance-Risiko-Verhältnis (möglicher Gewinn im Verhältnis zum möglichen Verlust) ein paar Pips vor diese Zone. Ein Pip ist laut moneyland.ch meist die kleinstmögliche Änderung eines Währungskurses.
Stop-Loss an der Zone
Auch meinen Stop-Loss richte ich an diesen Bereichen aus. Der Grundgedanke: Viele Marktteilnehmer erkennen diese Zone und legen dort ihre Orders, dadurch soll es zu einem Rebound kommen. Das passt zum Aufbau eines Orderbuchs, in dem Wikipedia zufolge alle Wertpapierorders nach Preis und Eingangszeitpunkt registriert sind.
3. Gleitende Durchschnitte: EMA und SMA
Ein gleitender Durchschnitt ist ein Mittelwert historischer Kurse, der als gleitende Linie im Chart erscheint. SMA (Simple Moving Average) und EMA (Exponential Moving Average) sind zwei Arten des gleitenden Durchschnitts. Ich halte gleitende Durchschnitte für ähnlich beliebt wie Trends, Unterstützungen und Widerstände, und der EMA gehört für mich zu den beliebtesten von ihnen.
SMA und EMA im Vergleich
Beim SMA zählt jede Kerze gleich: Er ist die Summe der letzten n Schlusskurse geteilt durch n, beim SMA 200 also die Summe der letzten 200 Schlusskurse geteilt durch 200. Der EMA gewichtet die zuletzt gehandelten Kurse dagegen stärker als der SMA. Laut dem Wikipedia-Artikel zum gleitenden Mittelwert gilt: „Der exponentiell geglättete Durchschnitt ordnet den Datenpunkten einer Zeitreihe exponentiell abnehmende Gewichte zu.“
Was die Periode beim EMA bedeutet
Beim EMA 200 bestimmt die Periode 200 die Glättung, und ältere Kurse fließen mit immer kleinerem Gewicht ein. Die Beschreibung als Durchschnitt der letzten 200 Kurse passt genau genommen nur zum SMA. Als Vorteil des EMA nennt dieselbe Quelle eine wesentlich kürzere Verzögerung bei gleicher Glättung.
EMA 200, SMA 50 und SMA 200 in der Praxis
Über verschiedene Einstellungen kann ich mir den Indikator individuell zusammenstellen. In der Chartanalyse bringen dich aber nur Werkzeuge weiter, die vom Markt beachtet werden. Meine Einschätzung, ohne Studie dahinter lautet, dass der EMA 200 unter den Durchschnitten die meiste Beachtung bekommt, und auch SMA 50 und SMA 200 sind weit verbreitet.
Die Einstellung hängt immer an der Zeiteinheit. Der EMA 200 im 5-Minuten-Chart bezieht sich auf die letzten 200 Kerzen à 5 Minuten, im 4-Stunden-Chart auf die letzten 200 Kerzen des 4-Stunden-Charts.
Rebound am Durchschnitt und Standortbestimmung
Der Kurs läuft immer wieder vom EMA 200 weg und kommt auch wieder zurück. Ähnlich wie an Unterstützungen und Widerständen setzen Trader dort auf einen Rebound. Besonders beim ersten Kontakt nach längerer Abwesenheit dient der EMA als Ausstieg für bestehende Trades und als Einstieg für Rebound-Trades.

Auch Investoren mit längerem Zeithorizont verwenden gleitende Durchschnitte zur Standortbestimmung. Die Faustformel lautet: Notiert der Kurs über dem Durchschnitt, liegt ein Aufwärtstrend vor, notiert er darunter, ein Abwärtstrend. Ob du den EMA ins Positionsmanagement einbeziehst oder nur zur Standortbestimmung verwendest, entscheidest du selbst.
Golden Cross und Death Cross
Laut finanzen.net zum Golden Cross steigt bei einem Golden Cross der kürzere gleitende Durchschnitt über den längeren, häufig verwendet werden dafür der 50-Tage- und der 200-Tage-Durchschnitt. Fällt der kürzere unter den längeren, sprechen Trader von einem Death Cross. Ich sage dir ehrlich, wo die Grenze liegt: Beide Linien sind Durchschnitte vergangener Kurse, darum bestätigt die Kreuzung eine Bewegung erst, nachdem sie stattgefunden hat.
4. Bollinger-Bänder: Schwankung um den Mittelwert
Bollinger-Bänder sind eine Kombination aus Simple Moving Average und Standardabweichung, also einem Maß dafür, wie stark Kurse um ihren Mittelwert schwanken. Entwickelt hat das Verfahren laut Wikipedia zu Bollinger-Bändern John Bollinger in den 1980er Jahren. Im Chart siehst du einen gleitenden Durchschnitt als mittleres Band, begleitet von einem oberen und einem unteren Band.
Standardeinstellung 20/2
Die Einstellung der Bänder ist frei wählbar, aber es gibt einen Standard. Die MetaTrader-5-Hilfe zu Bollinger-Bändern empfiehlt einen SMA mit einer Periode von 20 und berechnet die beiden äußeren Bänder im Abstand von zwei Standardabweichungen. Ein SMA 200 mit Faktor 2 ist für mich nur eine individuelle Variante für eine langfristige Betrachtung, kein üblicher Standard.
Was die Bänder zeigen und was nicht
Die Bänder zeigen, wie weit sich der Kurs im Verhältnis zur jüngsten Schwankung vom Mittelwert entfernt hat. Ein Kursziel geben sie nicht vor. Märkte wechseln zwischen volatilen, also stark schwankenden und ruhigen Phasen. In ruhigen Phasen ziehen sich die Bänder zusammen, in volatilen Phasen dehnen sie sich stark aus.
In einem typischen Abwärtstrend entfernt sich der Kurs vom SMA und läuft langsam wieder an ihn heran. Das untere Band kann dabei als Stütze gegen weitere Kursverluste dienen. An so einer Stelle könnte ich einen Short schließen oder einen Long eröffnen.

Testen ohne Überoptimierung
Wenn dich das Werkzeug überzeugt, teste es in mehreren Zeiteinheiten und mit unterschiedlichen Parametern. Lege deine Regeln aber vorher fest und prüfe sie im Demokonto, also einem Übungskonto mit virtuellem Geld, oder per Backtesting an historischen Kursen.
Ich empfehle dir eine feste Stichprobe von mindestens 30 bis 50 Beispielen, das ist meine Faustregel und keine statistische Garantie. Passe die Parameter danach nicht so lange an, bis das Ergebnis gefällt. Genau das heißt Überoptimierung oder Curve Fitting. Die Einstellung passt perfekt auf die Vergangenheit, aber nicht mehr auf neue Kurse.
5. Fibonacci-Retracements: wie weit eine Korrektur laufen kann
Fibonacci-Retracements sind Linien im Chart, mit denen ich abschätze, wie weit eine Korrektur laufen kann. Retracement ist der englische Begriff für einen Rücksetzer, und das Werkzeug dient dazu, einen Rebound im Markt zu antizipieren. Benannt ist es nach dem Mathematiker Fibonacci, der Wikipedia zufolge Leonardo da Pisa hieß und als einer der bedeutendsten Mathematiker des Mittelalters gilt.
Seine Zahlenfolge findet sich auch in der Natur wieder, ein Beweis für eine Wirkung im Trading ist das aber nicht. Wenn die Level überhaupt wirken, dann weil viele Marktteilnehmer sie beachten.
Die Level in Prozent
Für den Einstieg empfehle ich dir die Level 23,6 %, 38,2 %, 50 % und 61,8 %. Die MetaTrader-5-Hilfe nennt 0 %, 23,6 %, 38,2 %, 50 %, 61,8 %, 100 %, 161,8 %, 261,8 % und 423,6 %. Die TradingView-Hilfe führt 23,6 %, 38,2 %, 61,8 % und 100 % als Schlüssel-Level.
Die 50-%-Linie steht also in der Liste von MetaTrader, unter den Schlüssel-Leveln von TradingView dagegen nicht.
So ziehst du das Retracement
Ich wähle einen Chart mit einem relevanten, impulsiven Auf- oder Abwärtstrend, in dem es schon eine kleine Erholung oder Korrektur gegeben hat. Moderne Chartsoftware wie MetaTrader zeichnet die Level automatisch, du verbindest mit dem Werkzeug nur Hoch- und Tiefpunkt. Auch die TradingView-Anleitung beschreibt, dass die Level durch die Verbindung zweier Extrempunkte entstehen.

Was beim Erstkontakt passiert
Mein Ziel ist nicht der perfekte Einstieg, sondern ein guter, denn Perfektionismus wird im Trading schnell bestraft. Beim Erstkontakt mit einem Level kommt es oft zu einem Abpraller. Je nach Setup bietet es sich dort an, Longs zu verkaufen oder Shorts aufzubauen.
6. Trading-Kerzen und der Hammer
Eine Trading-Kerze fasst den Kursverlauf einer Periode in einem Symbol zusammen und Kerzencharts haben gegenüber Liniencharts viele Vorteile. Aus Kerzen lese ich Informationen über Trends und über das Kräfteverhältnis zwischen Käufern und Verkäufern ab, und das hilft mir bei der Entscheidung für oder gegen einen Trade. Über die 7 wichtigsten Kerzenmuster gibt es einen eigenen Beitrag, hier geht es um die meiner Meinung nach interessanteste Kerze, den Hammer.
Was eine Kerze zeigt
Laut Wikipedia zum Candlestick-Chart bilden Kerzencharts vier Preise einer Periode ab: Eröffnung, Hoch, Tief und Schluss (OHLC). Die Spanne zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs ist der Körper und der dünne Strich bis zum Hoch heißt Docht oder oberer Schatten. An der Farbe erkenne ich, ob die Periode positiv oder negativ war.

Damit zeigt dir eine Kerze Hoch- und Tiefpunkt, also die Handelsspanne der Periode, sowie Eröffnungs- und Schlusskurs. Das Handelsvolumen zeigt sie nicht. Volumen liest du über einen eigenen Indikator ab, etwa ein Volumen-Histogramm unter dem Chart.
Der Hammer und sein Gegenstück
Der Hammer hat einen kleinen Körper am oberen Ende, einen langen unteren Docht und kaum einen oberen Docht. Laut dem Lexikon von finanzen.net ist der untere Schatten mindestens doppelt so groß wie der Körper, und der Hammer deutet auf eine Trendwende nach fallenden Kursen hin. Die bärische Version derselben Form heißt laut der TradingView-Hilfe zum Hammer Hanging Man.

Der Hammer zeigt dir, dass ein Abverkauf innerhalb der Periode bis zum Schluss weitgehend zurückgekauft wurde. Die umgekehrte Form mit langem oberem Docht heißt nach einem Anstieg Shooting Star; nach einem Abwärtstrend wird sie Inverted Hammer genannt. Du solltest sie nicht mit dem Hammer verwechseln.

Warum der Hammer Bestätigung braucht
Viele Trader achten zum Ende einer volatilen Abwärtsbewegung auf dieses Muster, um einen Trendwechsel in höheren Zeiteinheiten zu erkennen. Nach einer Abwärtsbewegung ist der Hammer für mich ein möglicher Hinweis auf eine Trendwende, mehr nicht. Ich rate dir, auf eine Bestätigung durch die Folgekerze, eine Unterstützung oder die höhere Zeiteinheit zu warten.

Eine Kerzenformation allein bildet kein Handelssignal mit gutem Chance-Risiko-Verhältnis. Sie ist eine Orientierung und kann einer von mehreren Parametern sein.
7. Average Daily Range: wie viel Bewegung ein Tag hergibt
Die Average Daily Range (ADR) gibt an, wie hoch die durchschnittliche Volatilität in einer bestimmten Periode war, übersetzt ist sie die durchschnittliche Handelsspanne eines Tages. Andere Perioden kann ich ebenfalls wählen. Bei Währungspaaren messe ich die Spanne in Pips und bei den meisten Währungspaaren entspricht ein Pip laut der Pip-Definition von moneyland.ch einer Änderung der vierten Nachkommastelle, also 0,0001, bei Paaren mit dem japanischen Yen der zweiten Nachkommastelle, also 0,01.
ADR berechnen
Die Formel lautet: Summe der Tagesspannen (Hoch minus Tief je Tag) geteilt durch die Anzahl der betrachteten Tage. Ein Rechenbeispiel mit frei gewählten Beispielwerten für fünf Tage: 60, 45, 52, 38 und 55 Pips.
Die Summe beträgt 60 + 45 + 52 + 38 + 55 = 250 Pips. Geteilt durch fünf Tage ergibt das 250 ÷ 5 = 50 Pips ADR. Diese Werte sind ein Beispiel und keine aktuellen Kursdaten.
Wofür ich die ADR verwende
Angenommen, ein Währungspaar wie EUR/USD hätte eine durchschnittliche Tagesspanne von 40 Pips, und diese Zahl ist hier ein reines Rechenbeispiel. Dann kann ich diese Information in mein Trading-Setup einbeziehen. Bin ich als Daytrader aktiv und will meine Position zum Ende des Handelstages schließen, schätze ich über die ADR ein, ob an diesem Tag noch eine große Bewegung kommt.
Bin ich noch nicht positioniert und will gegen Ende einer Trading-Session noch einen Trade machen, prüfe ich mit der ADR, ob die durchschnittliche Spanne schon erreicht ist. Kommt dann kein volatiles Ereignis mehr, pendelt der Kurs tendenziell seitwärts.
Grenzen der ADR
Aber Achtung: Die ADR ist kein Indikator zur Begründung eines Einstiegs. Sie zeigt mir nur, wie wahrscheinlich in der betrachteten Periode noch eine Bewegung zu meinen Gunsten kommt. Auch nach Erreichen der ADR kann noch eine große Bewegung kommen, denn den Ausschlag geben das Marktsentiment und damit die Lage im Orderbuch.
Dazu kommt, dass es Tage mit geringer und Tage mit hoher Volatilität gibt. Mit einem Blick in den Wirtschaftskalender plane ich volatile Phasen ein, zum Beispiel Leitzinsentscheide.
Klassische Chartformationen im Überblick
Chartformationen sind wiederkehrende Kursbilder, die viele Trader kennen und ich lese sie nur zusammen mit einer Bestätigung und einem Stop-Loss. Wissenschaftlich sind sie schwer zu prüfen, denn laut einer Studie der TU Kaiserslautern lassen sich Chartmuster kaum mit einem Algorithmus erfassen, und es gibt nur wenige Studien dazu. Trefferquoten nenne ich hier aus diesem Grund bewusst nicht.
Kopf-Schulter-Formation
Die Kopf-Schulter-Formation besteht aus drei Hochs, von denen das mittlere am höchsten liegt und einer Nackenlinie unter den Tiefs dazwischen. Ich lese sie als möglichen Hinweis auf eine Trendwende nach einem Aufwärtstrend. Das gilt aber erst, wenn der Kurs die Nackenlinie tatsächlich durchbricht.
Die deutsche Wikipedia zur technischen Analyse führt die Kopf-Schulter-Formation (dort Schulter-Kopf-Schulter) sowie Doppeltop und Doppelboden (dort Doppelhoch und Doppeltief) als Muster, die eine Trendumkehr signalisieren sollen.
Doppelboden und Doppeltop
Ein Doppelboden ähnelt einer W-Formation mit zwei Tiefs, von denen das zweite etwas höher liegt und das Doppeltop ist sein Gegenstück mit zwei Hochs. Beide deuten einen möglichen Trendwechsel an, und auch hier rate ich dir, auf einen Durchbruch zu warten, ehe du die Formation ernst nimmst.
Dreieck und Flagge
Beim symmetrischen Dreieck fällt die Widerstandslinie, während die Unterstützungslinie steigt, und der Kurs springt zwischen beiden Linien hin und her. Bei der Flagge verlaufen die Verbindungslinien der Hochs und Tiefs eine Zeit lang parallel, bevor Wikipedia zu Flagge und Wimpel zufolge ein starker Kursdurchbruch nach oben oder unten erfolgen kann.
Beide Formationen interessieren mich vor allem wegen des möglichen Ausbruchs. Wie du Ausbrüche planst, erklärt der Beitrag über Breakout-Formationen.
Funktioniert Charttechnik überhaupt?
Charttechnik funktioniert für mich als Werkzeug für Zonen und Wahrscheinlichkeiten, nicht als Gewissheit. Die Forschung zeigt ein gemischtes Bild, auf beiden Seiten gibt es ehrliche Argumente, und typische Fälle, in denen sie scheitert, findest du im Beitrag darüber, wann Chartanalyse nicht funktioniert.
„Die Erkenntnis, dass letzten Endes der ‚Markt‘ entscheidet und wir nur ‚Wahrscheinlichkeiten‘ handeln, war für mich in psychologischer Hinsicht ein Game-Changer.“ - Nguyen H. on Trustpilot
Was dafür spricht
Wenn viele Marktteilnehmer dieselben Zonen beachten, legen sie dort ihre Orders, und der Kurs kann genau an diesen Stellen reagieren. Das ist meine Einordnung aus der Praxis und kein Forschungsergebnis. Dazu kommt ein praktischer Nutzen, den ich bei jeder Planung brauche. Dies sind Zonen, welche mir eine klare Orientierung geben, wo ich meinen Stop-Loss und mein Kursziel setze.
Was dagegen spricht
Nach der Effizienzmarkthypothese spiegeln Marktpreise alle verfügbaren Informationen wider. Die deutsche Wikipedia zur Effizienzmarkthypothese formuliert es so: „Die schwache Form der EMH nimmt an, dass alle historischen Preisverläufe eingepreist sind.“ Gilt das, dürfte Charttechnik keinen Informationsvorsprung bringen.
Hinzu kommt der Rückschaufehler. Nach einem Ereignis neigen Menschen dazu, seine Vorhersehbarkeit zu überschätzen. Nachrichten können außerdem jedes Muster brechen, da am Ende Marktsentiment und Orderbuch den Ausschlag geben.
Was die Forschung sagt
Christian Hornbach und André Hellenkamp haben 2011 an der TU Kaiserslautern in einer Studie zu technischen Indikatoren den Forschungsstand zusammengefasst. Frühe Studien fanden mit technischen Instrumenten überwiegend keine wirtschaftlichen Gewinne. Neuere Studien zu Dow Jones und S&P 500 fanden mit klassischen Indikatoren dagegen deutliche Gewinne, die allerdings mit der Zeit kleiner wurden und spätestens seit den 1990er Jahren verschwunden sind.
Die Schwächen vieler Studien
Als Schwäche früher Studien nennen die Autoren die oft willkürliche Auswahl von Indikator und Einstellungen. Wird dieselbe Datenmenge so lange nach einer profitablen Regel durchsucht, bis eine passt, heißt das Data Snooping. Die Arbeit stammt aus dem Jahr 2011, deshalb lese ich sie als Einordnung und nicht als Urteil über heutige Märkte.
Charttechnik für Trader und für Investoren
Für kurzfristige Trades gibt mir Charttechnik Zonen für Einstieg und Ausstieg. Investoren mit längerem Zeithorizont verwenden gleitende Durchschnitte eher zur Standortbestimmung und die Auswahl einer Aktie folgt dort meist der Fundamentalanalyse. Je nach Asset, Trading-Stil und Risikomanagement musst du den Stellenwert der Charttechnik herauf- oder herabsetzen.
Bei uns liegt der Schwerpunkt übrigens auf Newstrading auf Basis fundamentaler Analyse, und wir machen beides: Investment und Trading. Charttechnik ist dabei ein Baustein, keine Anlageberatung und keine Empfehlung für ein bestimmtes Wertpapier.
5 Missverständnisse über Charttechnik
Bei der Chartanalyse gibt es große Missverständnisse, und diese fünf stelle ich dir hier vor. Zu jedem bekommst du meine Einordnung, um die typischen Denkfehler beim Üben gar nicht erst zu übernehmen.
1. Linien sagen die Zukunft voraus
Eine Linie zeigt dir, wo der Kurs früher reagiert hat, über die Zukunft sagt sie nichts Sicheres aus. Ich weiß nie, wohin sich ein Kurs bewegt, und ich handle immer nur Wahrscheinlichkeiten. Genau deshalb plane ich jeden Trade so, dass auch ein falsches Szenario verkraftbar bleibt.
2. Mehr Indikatoren bedeuten mehr Sicherheit
Viele Linien auf einem Chart machen ihn für mich unübersichtlicher und nicht sicherer, denn wirklich weiter bringen dich nur Werkzeuge, auf die auch viele andere Marktteilnehmer schauen. Darum rate ich dir, mit zwei oder drei Werkzeugen zu starten, die du wirklich verstehst.
3. Ein einzelnes Muster ist ein Handelssignal
Ein Hammer oder eine erreichte ADR gibt mir eine Orientierung, aber keinen Grund für einen Einstieg. Für mich ist so ein Muster nur einer von mehreren Parametern. Bevor du handelst, rate ich dir zu mehreren Parametern, die in dieselbe Richtung zeigen, und zu einem festen Stop-Loss.
4. Charttechnik ersetzt Risikomanagement
Dein Trading-Setup sollte sich nicht nur auf Charttechnik stützen. Ohne Stop-Loss und passende Positionsgröße bleibt auch die sauberste Zone ein Risiko, das du nicht kontrollierst. Für mich gehören Zone und Risikoplan immer zusammen.
5. Einstellungen so lange ändern, bis es passt
Wenn du Parameter so lange verstellst, bis die Vergangenheit perfekt aussieht, betreibst du Überoptimierung. Die Studie aus Kaiserslautern nennt das vielfache Auswerten derselben Daten nach einer profitablen Regel ausdrücklich als Schwäche früherer Untersuchungen, deshalb rate ich dir, deine Regeln vorher festzulegen und sie erst danach an einer festen Stichprobe zu prüfen.
Charttechnik und Risikomanagement gehören zusammen
Charttechnik zeigt mir, wo ich einsteige, wo mein Stop-Loss liegt und wo ich Gewinne mitnehme. Erst Risikomanagement macht aus einer Zone einen Plan. Ich lege den Take-Profit ein paar Pips vor den nächsten Widerstand, den Stop-Loss unter die Unterstützung und rate dir, pro Trade nur einen festen Teil deines Kontos zu riskieren.
Ein Rechenbeispiel mit Unterstützung und Widerstand
Alle Werte sind frei gewählte Beispielwerte für eine Aktie. Der Einstieg liegt an der Unterstützung bei 50 EUR, der Stop-Loss unter der Zone bei 48 EUR und der Take-Profit vor dem nächsten Widerstand bei 54 EUR. Das Risiko beträgt 50 minus 48 = 2 EUR pro Aktie, die Chance 54 minus 50 = 4 EUR, das Chance-Risiko-Verhältnis also 4 ÷ 2 = 2:1.
Positionsgröße bei 1 % Kontorisiko
Bei einem Konto von 10.000 EUR und 1 % Kontorisiko darf ein Verlust 10.000 × 0,01 = 100 EUR betragen. Die Positionsgröße, also die Anzahl der gekauften Aktien, ist dann 100 ÷ 2 = 50 Aktien. Das 1-%-Beispiel ist eine Rechenhilfe und keine Empfehlung für jede Situation.
Wert | Beispielwert |
|---|---|
Einstieg an der Unterstützung | 50 EUR |
Stop-Loss unter der Zone | 48 EUR |
Take-Profit vor dem Widerstand | 54 EUR |
Risiko pro Aktie (50 minus 48) | 2 EUR |
Chance pro Aktie (54 minus 50) | 4 EUR |
Chance-Risiko-Verhältnis (4 ÷ 2) | 2:1 |
Kontogröße | 10.000 EUR |
Kontorisiko 1 % (10.000 × 0,01) | 100 EUR |
Positionsgröße (100 ÷ 2) | 50 Aktien |
Historische Renditen sind keine Garantie für die Zukunft. Beachte auch unseren Risikohinweis.
CFDs sind komplexe Instrumente und bergen aufgrund der Hebelwirkung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren. Die große Mehrheit der Konten von Kleinanlegern verliert beim Handel mit CFDs Geld.
Was das Beispiel nicht verspricht
Auch mit sauberer Planung endet ein Teil der Trades im Stop-Loss, und Verluste gehören zum Trading dazu. Gewinne sind grundsätzlich möglich, aber nie garantiert, auch nicht mit einem sauberen Chance-Risiko-Verhältnis.
„Außerdem wird hier sehr auf ein sauberes Risiko Management geachtet, um nicht sein Konto in sekundenschnelle zu ‚zerstören‘ und eventuelle Verluste zu minimieren.“ - Marcel W. on Trustpilot
Charttechnik lernen: mein Plan in 5 Schritten
Die 7 Werkzeuge und Formationen kannst du weiterverfolgen, wenn du Charttechnik lernen willst. Ich rate dir, sie Schritt für Schritt neben dem Job zu üben, mit 20 bis 30 Minuten am Tag und erst live zu handeln, falls deine Regeln im Demokonto halten.
1. Mit einem Werkzeug und einem Markt beginnen
Starte mit einem der drei Einstiegswerkzeuge, also Trendkanal, Unterstützung und Widerstand oder gleitenden Durchschnitten. Bleib dabei bei einem einzigen Markt, etwa dem DAX oder EUR/USD, damit du seine typischen Bewegungen kennenlernst.
2. Täglich 20 bis 30 Minuten Charts markieren
Zeichne zwei Wochen lang Trendkanal, Unterstützungen und Widerstände in denselben Markt ein. Notiere dir jeden Tag, wo der Kurs an deinen Zonen reagiert hat und wo nicht.
Software zum Üben
Für die Übung brauchst du nur eine Chartsoftware, mit der du Linien, Kanäle und Fibonacci-Level einzeichnen kannst. MetaTrader ist die Handelsplattform, die wir in unserer Ausbildung lehren und sie zeichnet zum Beispiel Fibonacci-Level automatisch.
Das ist keine Empfehlung für eine bestimmte Software, sondern die Erklärung ihrer Rolle beim Üben.
3. Jede Beobachtung im Chart-Tagebuch festhalten
Mach von jeder markierten Zone einen Screenshot und schreib eine kurze Notiz dazu, warum du sie eingezeichnet hast. So siehst du nach einigen Wochen schwarz auf weiß, welche Werkzeuge dir bei deinem Markt wirklich helfen.
4. Regeln im Demokonto und per Backtesting prüfen
Teste die Werkzeuge, indem du im Demokonto risikolos Ein- und Ausstiege an den einzelnen Punkten platzierst. Auch Papertrading und Backtesting helfen dir dabei weiter.
„Um das Gelernte umzusetzen, wird ein Einstieg ins Trading über Paper Trading empfohlen.“ - Sabine on Trustpilot
5. Erst dann mit kleinem Risiko live handeln
Wechsle erst ins Live-Konto, wenn deine Regeln im Demokonto über eine feste Stichprobe stabil waren. Starte dann mit kleinem Risiko pro Trade und erwarte keine schnellen Gewinne, sondern einen sauberen Prozess.
Häufige Fragen zur Charttechnik
Wie hilft mir ein Chart beim Trading, wenn er nur vergangene Kurse zeigt?
Ein Chart zeigt ausgeführte Kurse, also das Ergebnis vergangener Kurse, und genau darin liegt für mich sein Nutzen beim Trading. An Zonen, die viele Marktteilnehmer erkennen, sammeln sich Orders und dort kann ein Rebound entstehen. Ich lese daraus keine sichere Prognose, sondern Wahrscheinlichkeiten, und verwende die Zonen als Orientierung für Einstieg, Ausstieg und Stop-Loss.
Welcher Trend zählt, wenn der 5-Minuten-Chart und der 4-Stunden-Chart unterschiedliche Richtungen zeigen?
Welcher Trend zählt, hängt von deinem Trading-Stil ab, aber allgemein gilt, dass übergeordnete Zeiteinheiten höherwertig sind, auch wenn im 5-Minuten-Chart gerade ein Abwärtstrend läuft. Ich halte es für sinnvoll, nur dann zu handeln, wenn der Trend in der über- und der untergeordneten Zeiteinheit übereinstimmt. Trades gegen den übergeordneten Trend empfehle ich dir als Einsteiger nicht.
Was bringt mir das Erkennen eines Trendkanals?
Ein Trendkanal zeigt mir, wo ich einen Einstieg planen und wo ich einen laufenden Trade wieder schließen kann. In einem fallenden Kanal könnte ich einen Short an der Oberseite eröffnen und an der Unterseite wieder schließen. Wie lange der Kurs im Kanal bleibt, ist allerdings nie klar, und jeder Trend endet irgendwann, deshalb rate ich dir auch hier zu einem Stop-Loss.
Funktioniert Charttechnik überhaupt oder ist das Kaffeesatzlesen?
Charttechnik ist für mich weder Kaffeesatzlesen noch eine sichere Methode, sondern ein Werkzeug, um Zonen und Wahrscheinlichkeiten einzuschätzen. Studien zeigen ein gemischtes Bild, und die Effizienzmarkthypothese sowie der Rückschaufehler sprechen gegen zu viel Vertrauen in einzelne Muster. Mit festen Regeln, Bestätigung und Risikomanagement wird Charttechnik zum brauchbaren Baustein deiner Strategie.
Wie und wo lerne ich Charttechnik als Anfänger am besten?
Ich rate dir, mit einem Werkzeug und einem Markt zu beginnen und neben dem Job täglich 20 bis 30 Minuten Charts zu markieren. Halte jede Beobachtung mit Screenshot und Notiz in einem Chart-Tagebuch fest und prüfe deine Regeln im Demokonto oder per Backtesting. Erst wenn die Regeln über eine feste Stichprobe halten, wechselst du mit kleinem Risiko ins Live-Konto.
Was ist der Unterschied zwischen EMA und SMA?
Der SMA gewichtet jeden Schlusskurs der gewählten Periode gleich und ist damit ein einfacher Mittelwert, etwa über die letzten 200 Kerzen. Der EMA gibt den zuletzt gehandelten Kursen mehr Gewicht, ältere Kurse fließen mit exponentiell abnehmendem Gewicht ein, und er reagiert dadurch mit kürzerer Verzögerung. Ich verwende beide vor allem zur Standortbestimmung und als Zone für einen möglichen Rebound.
Welche Software brauche ich, um Chartanalyse zu üben?
Für den Anfang reicht dir eine Chartsoftware, mit der du Linien, Kanäle und Fibonacci-Level einzeichnen kannst. Ohne echtes Geld übst du im Demokonto, also einem Übungskonto mit virtuellem Geld, und testest dort deine Regeln. MetaTrader ist die Handelsplattform, die wir in unserer Ausbildung lehren, und das ist keine Empfehlung für eine bestimmte Software.
Wichtige Begriffe der Charttechnik
Trendkanal
Ein Trendkanal ist eine Zone zwischen zwei parallelen Linien, in der sich der Kurs eine Zeit lang bewegt. Ich brauche mindestens drei Punkte, um ihn einzuzeichnen.
Rebound
Ein Rebound ist ein Abprall des Kurses von einer Zone, etwa von einer Unterstützung oder einem gleitenden Durchschnitt. Er entsteht, weil viele Marktteilnehmer an dieser Zone ihre Orders legen.
EMA
Der EMA (Exponential Moving Average) ist ein gleitender Durchschnitt, der jüngere Kurse stärker gewichtet. Ältere Kurse fließen mit exponentiell abnehmendem Gewicht ein.
SMA
Der SMA (Simple Moving Average) ist der einfache gleitende Durchschnitt, also die Folge der arithmetischen Mittelwerte aufeinanderfolgender Schlusskurse. Jeder Kurs zählt dabei gleich.
Standardabweichung
Die Standardabweichung ist ein Maß dafür, wie stark Kurse um ihren Mittelwert schwanken. Bei den Bollinger-Bändern bestimmt sie den Abstand der Außenbänder.
Retracement
Retracement ist der englische Begriff für einen Rücksetzer gegen den laufenden Trend. Mit Fibonacci-Retracements schätze ich ab, wie weit so eine Korrektur laufen kann.
Docht
Der Docht ist der dünne Strich über oder unter dem Körper einer Kerze. Er zeigt, wie weit der Kurs in der Periode über oder unter Eröffnung und Schluss gelaufen ist.
Pip
Ein Pip ist meist die kleinstmögliche Änderung eines Währungskurses, bei den meisten Paaren an der vierten Nachkommastelle. Beim japanischen Yen liegt er an der zweiten Nachkommastelle.
Volatilität
Volatilität beschreibt, wie stark ein Kurs in einer Periode schwankt. In volatilen Phasen dehnen sich die Bollinger-Bänder aus, in ruhigen Phasen ziehen sie sich zusammen.
Chance-Risiko-Verhältnis
Das Chance-Risiko-Verhältnis setzt den möglichen Gewinn eines Trades ins Verhältnis zum möglichen Verlust. Bei 4 EUR Chance und 2 EUR Risiko liegt es bei 2:1.
Hast du noch keine regelbasierte Strategie mit klaren Ein- und Ausstiegen, dann starte mit unserem kostenlosen 7-Tage-Starterkurs, in dem wir dir zeigen, wie du aus diesen Werkzeugen feste Regeln machst. An Tag 4 geht es um Marktstrukturen und die Grundlagen der technischen Analyse, an Tag 5 um Risikomanagement und an Tag 6 um eine Checkliste für klare Ein- und Ausstiege.
Tim






