Wie erkennst du gute Trading-Chancen und wann bleibst du besser an der Seitenlinie? Tim zeigt anhand konkreter Chartanalysen, wie er seinen Handelstag strukturiert.
Viele Trader konzentrieren sich vor allem auf die Frage, wann sie in den Markt einsteigen sollten. Doch mindestens genauso wichtig ist die Entscheidung, wann sie besser nicht handeln.
Im Daytrading geht es nicht darum, möglichst viele Trades zu eröffnen. Entscheidend ist, geeignete Marktphasen zu erkennen, einen klaren Plan zu entwickeln und diesen konsequent umzusetzen. Dazu gehört auch, einen Trade auszulassen, wenn sich der Markt nicht wie erwartet entwickelt.
Ich zeige dir anhand eines konkreten Handelstags, wie ich im DAX nach möglichen Wendepunkten suche, meine Einstiege plane und später US-Aktien auf interessante Chancen untersuche. Außerdem erfährst du, wie du solche Ansätze auch dann nutzen kannst, wenn du neben dem Trading beruflich eingespannt bist.
Genau diese Fragen schauen wir uns im aktuellen YouTube-Video anhand konkreter Chartanalysen an. 👀
🎥 Das passende YouTube-Video zum Blogartikel findest du hier:
1. Die große Perspektive zuerst: Wo steht der Markt gerade? 👀
Bevor ich einen Trade plane, verschaffe ich mir zunächst einen Überblick über die aktuelle Marktsituation. Dafür schaue ich mir den DAX auf verschiedenen Zeitebenen an. Der Fünf-Minuten-Chart hilft mir dabei, kurzfristige Bewegungen zu erkennen. Im Tageschart prüfe ich dagegen, in welchem übergeordneten Trend sich der Markt befindet. 💻
Für meine Chartanalysen nutze ich TradingView. Dort kann ich Kursverläufe auf unterschiedlichen Zeitebenen betrachten, wichtige Unterstützungs- und Widerstandsbereiche markieren und mögliche Wendepunkte identifizieren.
Gerade im Daytrading ist dieser Blick auf das große Ganze wichtig. Befindet sich der Markt in einem übergeordneten Abwärtstrend, muss ich beispielsweise genauer prüfen, ob eine kurzfristige Aufwärtsbewegung tatsächlich eine Trendwende einleitet oder lediglich eine Gegenbewegung darstellt.
Ich suche deshalb nicht einfach nach einem Einstiegssignal, sondern versuche zunächst zu verstehen, wo sich der Markt gerade befindet und welche Kursbereiche für meine weitere Planung relevant sein könnten.
Historische Wendepunkte als Orientierung
Ich suche im Tageschart nach Bereichen, an denen der Kurs in der Vergangenheit wiederholt Schwierigkeiten hatte, weiterzukommen. Dazu gehören beispielsweise lokale Hochs und Tiefs oder Zonen, an denen frühere Bewegungen gedreht haben.
Solche Bereiche können Hinweise darauf geben, wo sich der Markt erneut anders entwickeln könnte.
Zusätzlich lassen sich Unterstützungs- und Widerstandszonen sowie Liquiditätsbereiche in die Analyse einbeziehen. Auch der Abstand zum gleitenden Durchschnitt kann interessant sein. Im gezeigten Beispiel nutze ich dafür unter anderem den 200er-Durchschnitt im Tageschart.
Wichtig ist mir dabei, nicht nur einen einzelnen Indikator zu betrachten. Ich möchte mehrere Anhaltspunkte finden, die für dieselbe Marktrichtung sprechen.
2. Mehrere Signale kombinieren, statt blind einzusteigen
Ein einzelnes Signal reicht mir nicht aus, um eine Trading-Entscheidung zu treffen. Interessanter wird eine Situation dann, wenn verschiedene Analyseansätze auf denselben Kursbereich hindeuten.
Im DAX habe ich dafür drei Bausteine miteinander kombiniert:
- Historische Wendepunkte und Unterstützungszonen: Sie zeigen mir, an welchen Kursbereichen eine Reaktion möglich ist.
- Der 200er-Durchschnitt im Tageschart: Eine größere Abweichung vom Durchschnitt kann ein zusätzlicher Anhaltspunkt für eine mögliche Gegenbewegung sein.
- Fibonacci-Retracements: Nach einer ausgeprägten Aufwärtsbewegung können bestimmte Rücklaufbereiche wie das 38,2-%- oder das 50-%-Level für eine mögliche Reaktion interessant sein.
Im konkreten Beispiel lagen mehrere dieser Hinweise in einem ähnlichen Kursbereich. Dadurch entstand für mich eine Zone, die ich genauer beobachten wollte.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der Kurs dort zwangsläufig drehen muss. Auch wenn mehrere Signale zusammenkommen, bleibt der Ausgang eines Trades ungewiss.
Mein Ziel ist nicht, den Markt vorherzusagen. Ich möchte Situationen finden, in denen ich einen nachvollziehbaren Handelsplan mit einem klar definierten Risiko umsetzen kann.
3. Den Einstieg planen und nicht jedem Kurs hinterherlaufen
Nachdem ich meinen interessanten Kursbereich im Tageschart identifiziert habe, wechsle ich zurück in den Fünf-Minuten-Chart. Hier geht es darum, den möglichen Einstieg genauer zu planen.
Im Beispiel lag meine beobachtete Zone im Bereich von rund 24.800 DAX-Punkten.
Statt sofort einzusteigen, wollte ich zunächst einen weiteren Rücksetzer abwarten. Dafür hätte ich beispielsweise eine Limit-Order im entsprechenden Kursbereich platzieren können. Alternativ hätte ich einen Alarm setzen können, um benachrichtigt zu werden, sobald sich der Kurs der Zone nähert.
Gerade die Kombination aus einer vorbereiteten Analyse und einem konkreten Alarm kann den Trading-Alltag erleichtern. Ich muss nicht ununterbrochen auf den Bildschirm schauen, sondern kann mich anderen Aufgaben widmen und werde erst dann wieder aufmerksam, wenn sich eine interessante Situation entwickelt.
Was passiert, wenn der Kurs vorher dreht?
Genau das ist im gezeigten Beispiel passiert: Der DAX drehte, bevor mein geplantes Kauflimit erreicht wurde. Der Kurs stieg bereits rund 30 Punkte vor meinem Einstieg.
Meine Marktidee hatte sich damit in die erwartete Richtung entwickelt. Einen Einstieg hatte ich allerdings nicht bekommen.
Für mich ist das kein Grund, dem Kurs hinterherzuspringen. Ich lösche die Order und warte auf die nächste Gelegenheit.
Wer aus Angst, eine Bewegung zu verpassen, spontan einsteigt, verlässt schnell seinen ursprünglichen Plan. Der Einstieg liegt dann möglicherweise an einer ganz anderen Stelle als vorgesehen und das Verhältnis zwischen möglichem Gewinn und Risiko verändert sich.
Ein verpasster Trade ist kein Fehler. Ein ungeplanter Einstieg aus Angst, etwas zu verpassen, kann dagegen ein vermeidbares Risiko sein.
4. Scalping, Daytrading oder Swingtrading: Wie weit soll der Trade laufen?
Sobald ich eine mögliche Handelsgelegenheit gefunden habe, muss ich mir überlegen, welches Ziel ich mit dem Trade verfolge. Dabei spielt auch mein Tradingstil eine wichtige Rolle.
Nicht jeder Trader möchte eine Position gleich lange halten. Während beim Scalping häufig kleinere Kursbewegungen im Mittelpunkt stehen, zielt ein Swingtrader eher auf größere Bewegungen über mehrere Tage oder Wochen ab.
Im Video verdeutliche ich diese Unterschiede anhand einer möglichen Bewegung im DAX.
- Scalping: Hier können bereits kleinere Bewegungen von beispielsweise 100 bis 160 Punkten interessant sein.
- Daytrading: Ein Ziel von etwa 200 bis 300 Punkten kann je nach Marktsituation und Handelsplan in Betracht kommen.
- Swingtrading: Hier kann der Blick auf größere Kursbereiche mit mehreren Hundert Punkten gerichtet sein, die sich möglicherweise erst über Tage oder Wochen entwickeln.
Diese Größenordnungen sind Beispiele aus der gezeigten Analyse und keine allgemeingültigen Gewinnziele. Welche Bewegung realistisch ist, hängt unter anderem vom Markt, der Volatilität und der konkreten Handelssituation ab.
Mit dem ATR die Volatilität besser einschätzen
Ein Hilfsmittel für diese Einschätzung ist der ATR, die Average True Range. Er misst die durchschnittliche Handelsspanne eines Marktes über einen festgelegten Zeitraum und hilft dabei, dessen typische Schwankungsbreite einzuschätzen.
Im Video lag der angezeigte ATR des DAX auf Basis der letzten 14 Stundenkerzen bei ungefähr 77 Punkten.
Das bedeutet nicht, dass sich der DAX in jeder Stunde exakt um 77 Punkte bewegt. Der Wert dient vielmehr als Orientierung dafür, wie stark der Markt im betrachteten Zeitraum durchschnittlich geschwankt hat.
Für mich ist diese Information hilfreich, wenn ich einschätzen möchte, wie viel Bewegung für meinen geplanten Trade infrage kommt und ob mein Kursziel zur aktuellen Marktsituation passt.
Wer seine Position noch am selben Tag schließen möchte, muss außerdem berücksichtigen, wie viel Zeit bis zum geplanten Handelsende bleibt.
5. US-Aktien handeln: Momentum und Nachrichten nutzen
Nachdem sich die geplante DAX-Gelegenheit nicht ergeben hatte, richtete ich meinen Blick später auf den US-Markt.
Zum US-Börsenstart um 15:30 Uhr standen mir die vorbereiteten Watchlists unseres Analystenteams zur Verfügung. Darin finden sich Aktien, die für den jeweiligen Handelstag interessant sein könnten.
Ich suche dabei häufig nach Momentum. Besonders spannend können Aktien sein, bei denen Nachrichten eine deutliche Kursbewegung ausgelöst haben.
Im gezeigten Beispiel untersuchte ich einen Short-Kandidaten. Nach negativen Nachrichten war die Aktie bereits deutlich gefallen. Gleichzeitig hatte sich vor dem US-Börsenstart ein markantes Tief herausgebildet, das zunächst gehalten hatte.
Entscheidend war für meine Analyse, dass dieses Tief nach Handelsbeginn unterschritten wurde. Damit entstand eine mögliche Fortsetzung des Abwärtstrends.
Anschließend prüfte ich weitere Informationen im Chart, darunter den VWAP (Volume Weighted Average Price), mögliche Zielzonen und die übergeordneten Kursbereiche. Im Wochenchart zeigte sich, dass die Aktie ein Allzeittief erreicht hatte.
Dadurch gab es unterhalb des aktuellen Kurses weniger historische Unterstützungsbereiche, an denen die Bewegung möglicherweise hätte stoppen können.
Auch hier gilt: Das ist kein Garant für weiter fallende Kurse. Es ist ein zusätzlicher Aspekt, den ich bei meiner Planung berücksichtige.
6. Gewinne laufen lassen und das Risiko kontrolliert reduzieren
Ein Trade entwickelt sich nicht immer geradlinig. Selbst wenn sich der Kurs zunächst in die gewünschte Richtung bewegt, kann es jederzeit zu Gegenbewegungen kommen.
Deshalb überlege ich mir bereits vor beziehungsweise während des Trades, wann ich mein Risiko reduzieren möchte und unter welchen Bedingungen ich einen Teil der Position schließe.
Im gezeigten US-Aktien-Trade ließ ich die Position zunächst weiterlaufen. Als sich der Kurs wie erwartet entwickelte, zog ich den Stop-Loss nach und reduzierte damit das ursprüngliche Risiko.
Dabei wollte ich den Stop nicht zu eng setzen. Ein kurzfristiger Rücklauf sollte nicht automatisch dazu führen, dass ich aus einer Position ausgestoppt werde, obwohl die ursprüngliche Handelsidee weiterhin intakt ist.
Gleichzeitig darf ein Stop-Loss nicht willkürlich verschoben werden. Er muss zum Handelsplan und zum akzeptierten Risiko passen.
Teilverkäufe können Flexibilität schaffen
Später entschied ich mich, 50 % meiner Position zu verkaufen. Da ich anschließend nach Hause zu meiner Familie fahren wollte, war es mir wichtig, einen Teil des bis dahin erzielten Ergebnisses zu sichern.
Den verbleibenden Teil ließ ich weiterlaufen und sicherte ihn mit einem angepassten Stop-Loss ab.
So musste ich mich nicht zwischen zwei Extremen entscheiden: entweder die gesamte Position sofort schließen oder alles unverändert offen lassen.
Ein Teilverkauf kann dabei helfen, Gewinne zu realisieren und gleichzeitig an einer möglichen weiteren Kursbewegung beteiligt zu bleiben. Ob das sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Strategie und den eigenen Regeln ab.
Für mich gehört diese Entscheidung genauso zum Trading wie die Suche nach einem geeigneten Einstieg.
7. Wie Berufstätige Trading effizienter in ihren Alltag integrieren können
Wer neben dem Beruf tradet, hat nicht die Möglichkeit, den gesamten Tag vor dem Chart zu verbringen. Umso wichtiger sind eine gute Vorbereitung und klare Regeln.
Ich arbeite deshalb mit vorbereiteten Watchlists, Kursalarmen und konkreten Szenarien. So kann ich mich auf die Situationen konzentrieren, die für meine Strategie tatsächlich relevant sind.
Die Watchlists unseres Analystenteams werden im Top Trader Programm täglich gegen 15:00 Uhr bereitgestellt. Sie sollen dabei helfen, interessante Aktien schneller zu identifizieren und sich gezielter mit möglichen Trades zu beschäftigen.
Für Berufstätige kann das eine praktische Unterstützung sein, weil ein Teil der Vorbereitung bereits erledigt ist.
Aus meiner Sicht sind vor allem diese Punkte wichtig:
- Vorbereitung statt spontane Entscheidungen: Lege fest, welche Märkte und Aktien du beobachten möchtest.
- Klare Kurszonen: Definiere vorab, wo ein Einstieg interessant werden könnte und welche Bedingungen dafür erfüllt sein müssen.
- Alarme und Limit-Orders: Nutze verfügbare Orderfunktionen, um nicht ständig auf den Bildschirm schauen zu müssen. Beachte dabei, dass eine Limit-Order nicht garantiert ausgeführt wird.
- Risikomanagement: Plane Stop-Loss, Positionsgröße und mögliche Teilverkäufe, bevor du in einer dynamischen Situation spontan reagieren musst.
- Geduld: Wenn sich keine geeignete Gelegenheit ergibt, musst du keinen Trade erzwingen.
Das Ziel ist nicht, möglichst viel Zeit mit Trading zu verbringen. Entscheidend ist, die verfügbare Zeit strukturiert und passend zur eigenen Strategie einzusetzen. 🚀
Fazit: Gute Trader müssen nicht jede Bewegung mitnehmen
Der gezeigte Handelstag verdeutlicht, wie viele Entscheidungen hinter einem einzelnen Trade stecken. Zunächst geht es darum, die übergeordnete Marktsituation zu verstehen. Anschließend werden interessante Kursbereiche identifiziert, mögliche Einstiege geplant und passende Kursziele festgelegt.
Doch genauso wichtig ist der Umgang mit Situationen, in denen ein Trade nicht zustande kommt oder sich eine Position anders entwickelt als erwartet.
Im DAX habe ich meinen geplanten Einstieg nicht bekommen und bin dem Kurs bewusst nicht hinterhergelaufen. Bei der späteren US-Aktie konnte ich dagegen eine Handelsgelegenheit nach meinem Plan umsetzen und das Risiko im weiteren Verlauf reduzieren.
Genau diese Unterscheidung macht für mich einen strukturierten Handelsansatz aus: Nicht jede Bewegung muss gehandelt werden. Es geht darum, auf geeignete Situationen zu warten, nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen und das eigene Risiko jederzeit im Blick zu behalten.
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Wenn du verstehen möchtest, wie du solche Trading-Ansätze selbst anwenden und auch als Berufstätiger in deinen Alltag integrieren kannst, dann schau dir unser kostenloses Trading-Webinar an.
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Happy Trading und Investment!
Tim und dein TradingFreaks Team






