Weniger Bildschirmzeit, mehr Struktur: So bereite ich meine Trades vor, finde interessante Marktbereiche und plane meine Einstiege, ohne den ganzen Tag vor dem Chart zu sitzen.
Viele Menschen interessieren sich für Trading, fragen sich aber, wie sie das überhaupt mit ihrem Beruf und ihrem Alltag vereinbaren sollen.
Muss ich dafür jeden Tag stundenlang vor dem Bildschirm sitzen? Muss ich ständig die Kurse beobachten, um gute Trading-Chancen nicht zu verpassen?
Meine Antwort lautet: Nein.
Entscheidend ist nicht, wie lange du vor dem Chart sitzt, sondern wie gut du dich auf den Handel vorbereitest. Wenn du weißt, welche Märkte du beobachten möchtest, welche Nachrichten wichtig sind und worauf du bei einem möglichen Trade achtest, kannst du deine Zeit deutlich gezielter nutzen.
Wie ich dabei vorgehe und wie du diesen Ablauf auch mit einem normalen Berufsalltag vereinbaren kannst, zeige ich dir in unserem aktuellen YouTube-Video.
🎥 Das vollständige Video:
Mein Handelstag beginnt mit einem Blick auf den Wirtschaftskalender 📅
Bevor ich mir einzelne Charts ansehe, prüfe ich, welche wichtigen Wirtschaftsdaten und Termine anstehen.
Dafür nutze ich beispielsweise den kostenlosen Wirtschaftskalender von Investing.com.
Warum ist das so wichtig?
Weil nicht jede Kursbewegung aus der Charttechnik heraus entsteht. Wichtige Wirtschaftsdaten können innerhalb weniger Minuten für starke Bewegungen sorgen und die Ausgangslage eines Trades grundlegend verändern.
Besonders relevant sind für mich unter anderem:
- Zinsentscheidungen: Sie können erhebliche Auswirkungen auf Währungen und Aktienmärkte haben.
- Arbeitsmarktdaten: Gerade die US-Arbeitsmarktdaten können für deutliche Bewegungen an den Finanzmärkten sorgen.
- Inflationsdaten: Insbesondere der US-Verbraucherpreisindex, kurz CPI, kann die Erwartungen an die Geldpolitik verändern.
Dabei schaue ich nicht ausschließlich auf die Sternebewertungen eines Wirtschaftskalenders. Entscheidend ist, welche Daten veröffentlicht werden, welche Erwartungen bereits im Markt stecken und welche Märkte davon betroffen sein können.
Ein wichtiger Punkt: Nicht jede Veröffentlichung führt automatisch zu einer starken Bewegung. Häufig kommt es darauf an, wie die tatsächlichen Daten im Verhältnis zu den Erwartungen ausfallen.
Was bedeutet das für meinen Handelstag?
Steht beispielsweise eine wichtige US-Inflationsveröffentlichung an, überlege ich mir vorher, welche meiner Strategien davon betroffen sein könnten.
Kurz vor einem solchen Termin möchte ich nicht unvorbereitet in einen technischen Trade einsteigen. Die Veröffentlichung kann den Markt so stark beeinflussen, dass bisherige charttechnische Überlegungen kurzfristig in den Hintergrund geraten.
Deshalb gehört der Wirtschaftskalender für mich zur Vorbereitung einfach dazu.
Welche Trading-Session eignet sich für dich?
Nicht jeder Markt bietet zu jeder Tageszeit dieselben Bedingungen. Deshalb solltest du wissen, wann du handelst und welche Märkte zu deinem verfügbaren Zeitfenster passen.
Grundsätzlich unterscheide ich drei wichtige Handelsphasen.
Die Asien-Session
Die asiatische Handelsphase findet überwiegend während der europäischen Nacht statt. Wie stark sich die Märkte bewegen, hängt unter anderem vom jeweiligen Währungspaar, den aktuellen Nachrichten und besonderen Ereignissen ab.
Die London-Session
Mit dem Start des europäischen Handels kommt häufig mehr Bewegung in den Forex-Markt und in wichtige Indexmärkte wie den DAX.
Für Trader, die vormittags Zeit haben, kann diese Phase interessant sein. Hier lassen sich beispielsweise Währungspaare und Index-Futures analysieren.
Die New-York-Session
Mit dem US-Handelsstart rücken insbesondere amerikanische Aktien und Indizes in den Fokus. Rund um die Überschneidung der europäischen und amerikanischen Handelszeiten ist häufig besonders viel Liquidität im Markt.
Welche Session für dich am besten geeignet ist, hängt deshalb nicht nur von den Marktbedingungen ab, sondern auch von deinem Alltag.
Wenn du vormittags arbeitest und erst am Nachmittag Zeit hast, kannst du deine Vorbereitung entsprechend verschieben. Wenn du dagegen morgens Zeit hast, können Forex-Setups oder geplante Trades auf Basis technischer Kursbereiche interessant sein.
Entscheidend ist, dass du eine Strategie auswählst, die zu deinem Zeitfenster passt.
Erst der Marktüberblick, dann der konkrete Trade
Nachdem ich den Wirtschaftskalender geprüft habe, verschaffe ich mir einen Überblick über die großen Indizes.
Dazu gehören beispielsweise:
- DAX
- Dow Jones
- S&P 500
- Nasdaq
Ich beginne dabei mit einer höheren Zeiteinheit, beispielsweise dem Tageschart oder dem Vier-Stunden-Chart.
Warum?
Weil ich zunächst verstehen möchte, wo sich der Markt gerade befindet. Bewegt er sich in einem Aufwärtstrend? Befindet er sich in einer Korrektur? Oder nähert sich der Kurs einem Bereich, an dem es in der Vergangenheit bereits stärkere Reaktionen gab?
Für mich sind dabei sogenannte Liquiditätszonen sowie wichtige Unterstützungs- und Widerstandsbereiche interessant.
Das sind Kursbereiche, an denen der Markt in der Vergangenheit beispielsweise gedreht hat oder an denen sich eine Reaktion ergeben könnte.
Dabei geht es mir nicht darum, das nächste Jahreshoch oder das nächste Jahrestief vorherzusagen.
Ich suche nach einer konkreten Situation, in der sich ein Trade mit klaren Regeln planen lässt.
So entwickle ich aus einem Kursbereich eine Trade-Idee 📈
Schauen wir uns den Ablauf anhand des Beispiels aus dem Video an.
Ich analysiere zunächst den DAX im Vier-Stunden-Chart. Dabei fällt mir ein Bereich auf, in dem der Markt bereits früher reagiert hat.
Jetzt könnte ich einfach auf fallende Kurse spekulieren und sofort eine Short-Position eröffnen.
Genau das mache ich aber nicht.
Stattdessen gehe ich schrittweise vor:
Interessante Kursbereiche identifizieren
Ich markiere die Zonen, an denen eine Reaktion des Marktes denkbar wäre. Dabei berücksichtige ich auch frühere Hochs und Tiefs sowie bestehende Unterstützungs- und Widerstandsbereiche.
Die Analyse verfeinern
Anschließend wechsle ich bei Bedarf in eine kleinere Zeiteinheit. So kann ich besser erkennen, wie sich der Kurs innerhalb des zuvor markierten Bereichs verhält.
Eine Trendlinie oder ein möglicher Fehlausbruch kann dabei zusätzliche Hinweise liefern. Keines dieser Signale garantiert allerdings, dass der Markt tatsächlich dreht.
Einstieg und Ausstieg planen
Erst wenn sich aus meiner Analyse eine konkrete Handelsidee ergibt, plane ich den möglichen Einstieg, den Stop-Loss und das Kursziel.
Im Video zeige ich beispielsweise ein mögliches Short-Szenario für den DAX. Dabei geht es nicht darum, eine möglichst große Abwärtsbewegung vollständig mitzunehmen. Vielmehr plane ich eine überschaubare Bewegung innerhalb eines zuvor analysierten Kursbereichs.
Wichtig ist: Eine solche Analyse ist zunächst nur ein Szenario. Ob daraus tatsächlich ein Trade wird, hängt davon ab, ob die festgelegten Bedingungen erfüllt werden.
Und genau das ist der Unterschied zwischen einem Plan und spontanem Trading.
Ich muss nicht auf jede Kursbewegung reagieren. Ich weiß bereits vorher, welche Situation für mich interessant wäre und unter welchen Bedingungen ich handeln möchte.
Wie mir der ATR-Indikator bei der Planung hilft
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage, wie lange ein Trade voraussichtlich laufen könnte.
Denn ein Kursziel von 150 Punkten im DAX ist etwas anderes als eine Bewegung von 30 Punkten. Und nicht jeder Trading-Stil eignet sich für dieselbe Haltedauer.
Hier kann mir der Average True Range, kurz ATR, helfen.
Der ATR ist ein technischer Indikator, der die durchschnittliche Schwankungsbreite eines Marktes über einen festgelegten Zeitraum misst. Er zeigt allerdings nicht an, in welche Richtung sich der Kurs bewegen wird.
Im Video betrachten wir den DAX im Vier-Stunden-Chart. Der ATR liegt dort im gezeigten Beispiel bei ungefähr 114 Punkten, bezogen auf die vergangenen 14 Kerzen.
Was bringt mir diese Information?
Sie hilft mir einzuschätzen, welche Kursbewegungen unter den bisherigen Marktbedingungen üblich waren. Wenn mein geplantes Kursziel deutlich über der durchschnittlichen Schwankungsbreite liegt, muss ich möglicherweise mit einer längeren Haltedauer rechnen.
Dabei gilt: Der ATR ist keine zuverlässige Vorhersage für die zukünftige Bewegung. Nachrichten, neue Marktbedingungen und veränderte Volatilität können dazu führen, dass ein Kursziel schneller oder langsamer erreicht wird als erwartet.
Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht, die Dauer eines Trades exakt vorherzusagen. Es geht darum, realistische Erwartungen zu entwickeln und die Planung an den eigenen Trading-Stil anzupassen.
Wenn du beispielsweise abends keine offenen Positionen halten möchtest, solltest du das bereits bei deiner Planung berücksichtigen. Dazu gehören passende Kursziele, ein durchdachter Stop-Loss und klare Regeln für den Ausstieg.
Trading, ohne ständig am Bildschirm zu sitzen
Jetzt kommen wir zu einem Punkt, der gerade für Berufstätige besonders interessant ist.
Wenn ich eine Trade-Idee entwickelt habe, muss ich nicht zwangsläufig vor dem Bildschirm warten, bis der Kurs meinen Einstiegsbereich erreicht.
Stattdessen kann ich mit Kursalarmen arbeiten oder eine passende Limit-Order vorbereiten.
Im Video zeige ich das anhand einer möglichen Short-Idee im DAX.
Ich definiere zunächst meinen gewünschten Einstiegsbereich. Anschließend kann ich einen Alarm einrichten, der mich informiert, sobald sich der Kurs diesem Bereich nähert.
Alternativ kann ich, sofern meine Handelsplattform und mein Broker dies unterstützen, eine Sell-Limit-Order platzieren und sie mit einem Stop-Loss sowie einem Kursziel versehen.
So kann die Order auch dann ausgelöst werden, wenn ich gerade nicht am Bildschirm sitze.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der Trade damit risikofrei wäre oder garantiert wie geplant ausgeführt wird. Je nach Marktbedingungen können beispielsweise Kurslücken, Slippage oder eine abweichende Ausführung auftreten. Auch eine Limit-Order wird nicht zwangsläufig ausgeführt.
Deshalb gehören die regelmäßige Kontrolle und ein klares Regelwerk weiterhin dazu.
Für mich ist dieser Ansatz besonders hilfreich, weil ich dadurch nicht jeder einzelnen Kerze hinterherschauen muss.
Während ich arbeite, einkaufen gehe oder Zeit mit meiner Familie verbringe, kann der Markt seinen Weg nehmen. Ich habe meinen Plan bereits vorbereitet und weiß, unter welchen Bedingungen ich aktiv werden möchte.
Geduld ist im Trading keine verlorene Zeit. Sie ist ein wichtiger Teil der Strategie.
Warum ich offene Positionen nicht einfach über Nacht halte
Ein weiterer Bestandteil meiner Planung ist die Frage, ob ich eine Position über Nacht halten möchte.
Persönlich bevorzuge ich es bei vielen meiner Daytrading-Setups, am Ende des Tages keine offenen Positionen mehr zu haben.
Dafür gibt es praktische Gründe.
Je nach Markt und Broker können sich die Handelsbedingungen außerhalb der regulären Handelszeiten verändern. Beispielsweise können Spreads größer werden oder wichtige Nachrichten zu stärkeren Kursbewegungen führen.
Dadurch kann sich das Risiko einer Position verändern.
Deshalb überlege ich bereits vor dem Einstieg, wie lange ein Trade voraussichtlich laufen soll und wann ich ihn spätestens schließen möchte.
Wenn eine geplante Order im Laufe des Tages nicht ausgelöst wird und die ursprüngliche Handelsidee für diesen Tag nicht mehr relevant ist, prüfe ich, ob ich die Order wieder lösche.
Das ist kein allgemeingültiges Gesetz für jeden Trading-Stil. Swingtrader planen beispielsweise bewusst längere Haltedauern ein. Entscheidend ist, dass deine Handelsregeln zu deiner Strategie passen und du mögliche Risiken kennst.
Ein zusätzlicher Blick auf den Volatilitätsindex
Für etwas fortgeschrittenere Trader kann außerdem der Volatilitätsindex VIX interessant sein.
Der VIX wird häufig als Angstbarometer des US-Aktienmarktes bezeichnet. Er leitet aus Optionspreisen Erwartungen über die kurzfristige Volatilität des S&P 500 ab.
Vereinfacht gesagt: Steigt der VIX deutlich an, deutet das häufig auf eine höhere erwartete Schwankungsintensität hin.
Das kann ein zusätzlicher Hinweis für die eigene Marktanalyse sein.
Ein niedriger VIX bedeutet dagegen nicht automatisch, dass die Märkte ruhig bleiben müssen. Ebenso führt ein steigender VIX nicht zwangsläufig zu fallenden Aktienkursen.
Im Video erkläre ich, wie ich solche Informationen ergänzend zu meiner Chartanalyse betrachten kann.
Wichtig bleibt dabei: Kein einzelner Indikator liefert eine sichere Prognose. Der VIX ist deshalb für mich ein zusätzlicher Baustein und kein eigenständiges Ein- oder Ausstiegssignal.
Fazit: Erfolgreiches Trading beginnt mit einem klaren Ablauf ✅
Du musst nicht den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen, um Trading strukturiert anzugehen.
Was du brauchst, ist ein nachvollziehbarer Ablauf, der zu deinem Alltag und deiner Strategie passt.
Für mich sieht dieser folgendermaßen aus:
- Wirtschaftskalender prüfen: Welche relevanten Daten und Ereignisse stehen an?
- Marktüberblick verschaffen: Wo befinden sich die wichtigen Indizes und Währungspaare?
- Interessante Kursbereiche identifizieren: Wo könnten sich konkrete Handelsmöglichkeiten ergeben?
- Trade planen: Einstieg, Stop-Loss, Kursziel und mögliche Haltedauer festlegen.
- Alarme oder Orders vorbereiten: Den Markt nicht ständig beobachten müssen, aber den eigenen Plan konsequent kontrollieren.
Das Wichtigste dabei ist, nicht aus Langeweile oder aus Angst, eine Chance zu verpassen, einen Trade zu eröffnen.
Manchmal entsteht aus deiner Analyse eine gute Handelsmöglichkeit. Manchmal bleibt der Markt außerhalb deiner geplanten Bereiche.
Beides gehört zum Trading dazu.
Gerade wenn du berufstätig bist, solltest du deshalb nicht versuchen, jede Marktbewegung mitzunehmen. Suche dir stattdessen eine Strategie, die zu deinem verfügbaren Zeitfenster passt, und lerne, sie diszipliniert umzusetzen.
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Happy Trading und Investment!
Tim und dein TradingFreaks Team






