In diesem Artikel widmen wir uns Messinstrumenten von Angst und Gier (Fear and Greed) im Trading und wie du diese Informationen erfolgreich verwerten kannst.

“Be Fearful When Others Are Greedy and Greedy When Others Are Fearful” – Warren Buffett

“Sei ängstlich, wenn andere gierig sind und sei gierig, wenn andere ängstlich sind”

Diese wahren Worte von Warren Buffett, dem „Orakel aus Omaha“, haben mir vor allem zu Beginn, als ich noch Neuling in der Welt der Investoren und Trader war, sehr geholfen.

Ohne dieses Zitat im Hinterkopf wäre ich wohl so einigen Trends hinterhergerannt und wäre bei einer inzwischen dann viel zu hohen Bewertung eingestiegen, nur um schnell ein paar Euro zu verdienen.

Die Folgen wären in den meisten Fällen Verluste auf Grund von fallenden Kursen gewesen, nachdem der Hype um den Sektor oder das Unternehmen abgenommen hat und die Kursfantasie nicht mehr gegeben war.

Wie misst man an der Börse Gier und Angst?

Um mir einen Überblick über die emotionale Situation an der Börse zu verschaffen, nehme ich gerne den Fear & Greed Indikator von CNN Money als Unterstützung.

Dieser Indikator gibt, wie der Name schon sagt, mit einem Wert zwischen 0 und 100 an ob die Anleger im Moment eher ängstlich oder gierig sind.

Werte nahe null signalisieren Furcht und Angst.

Und Werte nahe 100 extreme Gier.

Aber wie genau lässt sich nun die Gefühllage am Markt erforschen und darstellen?

Hierzu nimmt man Indikatoren zur Hilfe, die alleine schon für ein kleines Segment am Markt die aktuelle Kaufs- und Verkaufssituation und damit die Zukunftserwartungen darstellen.

Kombiniert man diese einzelnen Indikatoren miteinander so erhält man einen einzelnen Index, welcher durch die Zusammenfassung einzelner Marktsegmente den kompletten Markt abdeckt.

Die Kombination von Angst und Gier

Der Fear & Greed Index setzt sich dabei aus den folgenden sieben einzelnen Indikatoren zusammen:

1. Market Momentum – Das Aktienmarkt-Momentum

Mit folgender Formel lässt sich das Aktienmarkt-Momentum berechnen:

Der S&P 500 steht aktuell bei 2.378 Punkten und der gleitende Durchschnitt der letzten 125 Tage bei 2.241 Punkten.

Also erhalten ich für das Aktienmarkt-Momentum einen Wert von 137 (2378-2241).

Wird der Abstand zwischen dem Index und seinem 125-Tage-Durchschnitt größer, bedeutet dies, dass die aktuelle Nachfrage über der der vergangenen 125 Tage liegt und die Anleger bereit sind mit der Anlage in Aktien ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen.

Markt Momentum SP500
Quelle: CNN Money

2. Junk Bond Demant – Nachfrage nach Hochzinsanleihen

Gemessen wird hierbei der Abstand der durchschnittlichen Renditen zwischen Anleihen mit Investment Grade (Ratings von AAA bis BBB-) und den Junk-Bonds.

Wenn die Anleger an den Märkten gierig nach Rendite schon zu den Junk-Bonds greifen, weil Ihnen der Zins bei den Investment Grade Anleihen nicht mehr reicht, und dadurch bereit sind höhere Risiken einzugehen, steigen die Kurse der Junk-Bonds und die Differenz nimmt ab.

Junk Bonds Investment
Quelle: CNN Money

3. Market Volatility – Aktienmarkt-Volatilität

Die Volatilität des Aktienmarkts wird mit Hilfe des VIX gemessen.

Was dieser Index genau ist, wie er sich berechnet und wie du ihn auch so für dein Trading nutzen kannst, erfährst du hier.

Wenn die Anleger ängstlich sind nimmt die Volatilität an den Märkten zu und der VIX schlägt aus.
In dem unteren Bild kann man dies schön anhand der Beispiele Brexit (23.06.2016) und der Wahl des Präsidenten in den USA (08.11.2016) sehen.

VIX Volatility
Quelle: CNN Money

4. Stock Price Strength – Die Aktienmarkt-Stärke

Um die Aktienmarkt-Stärke zu berechnen, subtrahiert man die Anzahl der an der NYSE gelisteten Aktien mit einem neuen 52-Wochen-Tief von denen mit einem neuen 52-Wochen-Hoch.

Wenn die Anzahl der Aktien die ein neues 52-Wochen-Hoch markieren überwiegt, ist der Wert dementsprechend Positiv.

Aktienmarkt Stärke messen
Quelle: CNN Money

5. Safe Haven Demand – Nachfrage nach sicheren Anlagen

Dieser Wert wird berechnet, indem die Rendite am Anleihemarkt von der Rendite am Aktienmarkt der jeweils letzten 20 Tage subtrahiert wird.

Save Heaven Börse
Quelle: CNN Money

6. CBOE Put-Call-Ratio

Dieser Indikator gibt das Verhältnis von gehandelten Put-Optionen zu gehandelten Call-Optionen in den letzten 5 Tagen an der CBOE (Chicago Board Options Exchange) an.

Ist dieser Wert >1 so werden mehr Put- als Call-Optionen gehandelt und es deutet auf ein eher negatives Sentiment hin.

Ist der Wert <1 so überwiegt die Anzahl der Call-Optionen und die Anleger sehen der Zukunft optimistischer entgegen und gehen von steigenden Kursen an den Märkten aus.

In Deutschland ist es möglich, z.B. auf der Seite der Frankfurter Börse (http://www.boerse-frankfurt.de/zertifikate) das Put-Call-Sentiment einzusehen.

Put Call Ratio
Quelle: CNN Money

7.Stock Price Breadth – Aktienmarkt Breite

Zuletzt wird noch der Wert der Aktienmarkt Breite benötigt. Diese wird anhand des McClellan Summation Index berechnet.

Dieser Index wurde schon 1969 von dem gleichnamigen Marian McClellan vorgestellt und bemisst auf einen längeren Zeitraum das Volumen der Aktien mit steigenden Kursen minus das Volumen der Aktien deren Kurse fallen.

Sind die Anleger bereit mehr Risiken einzugehen, nimmt die Zahl der Käufer am Aktienmarkt zu wodurch sich die Nachfrage erhöht und die Kurse steigen. Durch die erhöhte Nachfrage und den steigenden Kursen, nimmt damit automatisch das Volumen der steigenden Aktien zu.

Auch hier im Bild schön an den Tagen nach dem Brexit und den Präsidentschaftswahlen zu sehen. In diesen Tagen realisierten die meisten Anleger, dass die Welt trotz der Wahlausgänge doch nicht untergeht und griffen wieder an den Aktienmärkten zu.

Aktienmarkt Breite
Quelle: CNN Money

Sieben in eins -> Der Fear & Greed Index

Fast man die Werte der einzelnen Indikatoren in einen Wert zusammen so erhält man den Fear & Greed Index.

Dieser Index wird täglich von CNN Money auf http://money.cnn.com/data/fear-and-greed/ veröffentlicht.

Dort wird er einmal in einer Tagesaktuellen Version und einmal als Langzeitvariante über die letzten 3 Jahre zur Verfügung gestellt.

Fear and Greed Index Trading
Quelle: CNN Money. Täglich aktualisierte Version.


Quelle: CNN Money. Langzeitvariante

Natürlich hat dieser Index, egal bei welchem Wert er steht, auch keine Trefferquote von 100%.

Wer z.B. Mitte Dezember 2016 bei einem Fear & Greed Indexstand von knapp 90 Punkten verkauft hat, hätte eine Performance im S&P 500 von ca. 9% bis heute verpasst ohne dass es einen Rücksetzer im Index gab.

Jedoch lässt sich auch festhalten, dass die Tiefststände zu Beginn des Jahres 2016, Mitte des Jahres nach dem Brexit und nach der US-Wahl sehr gut Einstiegsmöglichkeiten waren.

So hat der S&P 500, nachdem der Fear & Greed Index zu Beginn des Jahres einen Wert von unter 20 Punkten erreicht hat, bis zu seinem ersten Hoch bei 80 Punkten kurz vor dem Brexit eine Rendite von ca. 17,5% erzielt.

Meine Nutzungsweise und mein Fazit

Ich persönlich nehme diesen Angst und Gier -Index gerne, um mich schnell und einfach über das aktuelle Sentiment anhand der Subindikatoren zu informieren.

Hier habe ich sieben Indikatoren in einem einzigen zusammengefasst und muss mir nicht jeden einzelnen anschauen um mich über das jeweilige Segment zu informieren, sondern habe mit einem Blick eine komplette Übersicht über die Situation.

Ich mache jedoch keine Kauf- oder Verkaufsentscheidung von diesem Index abhängig.
Ich habe für mich also kein System, bei dem ich festgelegt habe das bei einem Wert < X gekauft und bei einem Wert > X verkauft wird, um möglicherweise bevorstehende Auf- oder Abwärtsbewegungen zu antizipieren.

Jedoch behalte ich bei größeren Ausschlägen oder Extremwerten die Märkte noch genauer im Auge und achte noch mehr auf Nachrichten und Aussagen, die das herrschende Sentiment bestätigen oder widerlegen.

Der Satz „Gier frisst Hirn“ passt wie ich finde gut zu diesem Index, Wenn die Märkte nur noch eine Richtung kennen und von Rekordhoch zu Rekordhoch klettern, blendet so mancher Anleger und Trader auf Grund der Dollarzeichen in seinen Augen die Gefahren und sein Money- und Risikomanagement komplett aus.

Wenn die Euphorie an den Märkten zu groß ist, wenn die Anleger glauben der Markt kann nur steigen, wenn der Anleger mit der Sucht nach Rendite „All-In“ geht und sich nicht mehr absichert, genau dann kommt es meist zum großen Knall und es gibt ein böses Erwachen.

Habt ihr schon Erfahrungen mit diesem oder anderen Indikatoren in der Richtung gemacht und falls ja, wie oft nutzt ihr diese und richtet ihr auch eure Entscheidungen über Kauf und Verkauf danach aus?

Benutzt doch einfach die Kommentarfunktion unter dem Beitrag zum Austausch von Indikatoren, Erfahrungen und Nutzungsweisen.

Grüße
Andi

[ABTM id=4920]

 

Weißt du, welche 7 kritischen Fehler dein Tradingkonto gefährden?





2 KOMMENTARE

  1. Interessanter Artikel und anschauliche Erklärung, wie sich die einzelnen Faktoren errechnen. Vielen Dank dafür.

    Übrigens: Am Morgen des 24.3. steht der Zeiger im roten Bereich (30% = Fear), was vermutlich vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass Trump in der Nacht zuvor die Abstimmung zu Obamacare zurückgezogen hat und die US-Anleger nun einen rapiden Kursverfall befürchten.

    Klar, man sollte sich nicht alleine auf derartige Instrumente verlassen, aber das Ding scheint zu funktionieren…;o)

    • Hallo Chris,
      vielen Dank und du hast es genau richtig erkannt. Es herrschte große Unsicherheit ob die Republikaner genug Stimmen für deren Vorschlag generieren können.
      Seit gestern Abend wissen wir, es wurde nicht geschafft.
      Vor der Entscheidung haben Investoren dann in sicherere Anlagen umgeschichtet und das Risiko versucht rauszunehmen. Auch zu erkennen an den nur geringen Schwankungen in den Indizes am Donnerstag und Freitag. Dadurch ist dementsprechend auch der Fear&Greed Index gefallen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

5 + zwölf =