Am Dienstag 06.11.18 finden in den USA die Midterm Elections (Zwischenwahlen) statt.
Worum geht es dort und worauf müssen Trader sowie Investoren achten?

Die US Zwischenwahlen gibt es immer zur Mitte der Amtszeit des Präsidenten weshalb sie auch „Halbzeitwahlen“ genannt werden.

Die Wahlen finden immer am ersten Dienstag im November statt. Gewählt wird dabei das Repräsentantenhaus und 1/3 des Senates (33 Sitze).

Aktuell besitzen die Republikaner, also die Partei von Donald Trump,  in beiden Kammern eine Mehrheit. Laut Umfragen könnte es mit dieser doppelten Mehrheit aber nach den Wahlen vorbei sein.

Man geht davon aus, dass die Mehrheit im Senat nicht gefährdet sein wird (Wahrscheinlichkeit, dass die Demokraten diesen für sich gewinnen bei etwa 15%).

Die Verteilung im Repräsentantenhaus ist da schon um einiges interessanter.
Im Repräsentantenhaus gibt es insgesamt 435 Sitze.

Wer also 218 Sitze bekommt wird die Mehrheit im Haus bekommen. Umfragen von ABC und NBC sehen aktuell die Demokraten vorne.

Seit Juli ist der Vorsprung jedoch mit jedem Monat gesunken. Umgekehrt sind in diesem Zeitraum die Sympathiewerte für Trump mit jedem Monat gestiegen.

Laut CBS News gibt es drei Szenarien auf die man sich konzentrieren sollte.

 

Szenario 1 – US Zwischenwahlen:

Dem nachfolgenden Szenario wird aktuell die höchste Wahrscheinlichkeit beigemessen.

Szenario 1 US ZwischenwahlenQuelle: https://www.cbsnews.com

Die Demokraten werden 225 Sitze erhalten. Die Republikaner 210 Sitze. Das „Problem“ hier ist die hohe Fehlerspanne (Margin of error) von +- 13 Sitzen.

Aktuell unterstützen laut Umfragen etwa 6% der Trump-Wähler einen Kandidaten der Demokraten für das Repräsentantenhaus. Der Grund hierfür ist primär das „Gender Pay Gap“.

Umgekehrt sind nur knapp unter 3% der Clinton-Wähler für einen Kandidaten der Republikaner.

 

US Zwischenwahlen – Szenario 2:

US Zwischenwahlen Verteilung Sitze

Quelle: https://www.cbsnews.com

Die Demokraten werden 215 Sitze erhalten. Die Republikaner 220 Sitze. Ergo bleibt das Haus knapp unter der Kontrolle der Republikaner.

Dieses Ergebnis würde erreicht werden, wenn die Republikaner es schaffen von den 6% Abweichlern aus Szenario 1 die Hälfte für sich zurückzugewinnen.

Aktuell sind in den Distrikten „NJ-7“, „TX-7“, „TX-32“ und „CA-48“ angeschlagene Amtsinhaber der Republikaner. Sollten es die Republikaner also schaffen in diesen Distrikten zu gewinnen sieht es für die Republikaner gut aus.

In diesen Distrikten liegt die Anzahl der „Überläufer“ unter den ehemaligen Trump-Wählern bei 5%.

Von den Clinton-Wählern können sich jedoch nur knapp 1% der Wähler vorstellen für den Kandidaten der Republikaner zu stimmen.

 

US Zwischenwahlen – Szenario 3:

US Zwiscnenwahlen Ablauf

Die Demokraten werden 232 Sitze erhalten. Die Republikaner weit abgeschlagen nur 203 Sitze.
Für dieses Szenario müssten die Demokraten die große Mehrheit der unentschlossenen Wähler für
sich gewinnen.
Hierfür müssten sie die Distrikte „KS-2“, „ME-2“, „PA10“ und/oder die Distrikte „FL-15“, „NC-9“ und
„NC-13“ gewinnen. (Buchstaben Abkürzung der Staaten, unten die betroffenen Staaten fett markiert)

Wie ist der Ablauf? Wann schließen wo die Wahllokale?

Wie auch schon bei der Präsidentenwahl in 2016 schließen die Wahlbezirke unterschiedlich, was der Größe des Landes und den damit verbundenen Zeitverschiebungen geschuldet ist. In den Klammern wird die deutsche Uhrzeit angegeben.

18:00 Uhr EST (00:00 Uhr): Indiana, Kentucky

19:00 Uhr EST (01:00 Uhr): Alabama, Florida, Georgia, New Hampshire, South Carolina,
Vermont, Virginia

19:30 Uhr EST (01:30 Uhr): North Carolina, Ohio, West Virginia

20:00 Uhr EST (02:00 Uhr): Connecti cut, Delaware, Illinois, Kansas, Maine, Maryland,
Massachusetts, Michigan, Mississippi, Missouri, New Jersey, North Dakota, Oklahoma,
Pennsylvania, Rhode Island, Tennessee, Texas

20:30 Uhr EST (02:30 Uhr): Arkansas

21:00 Uhr EST (03:00 Uhr): Arizona, Colorado, Louisiana, Minnesota, Nebraska, New
Mexiko, New York, South Dakota, Wisconsin, Wyoming

22:00 Uhr EST (04:00 Uhr): Idaho, Iowa, Montana, Nevada, Utah

23:00 Uhr EST (05:00 Uhr): California, Hawaii, Oregon, Washington

24:00 Uhr EST (06:00 Uhr): Alaska

 

Ausgezählt wird sofort nach Schließung der Wahllokale. Es wird also in der Nacht schon erste vorläufige Ergebnisse geben. Das endgültige Ergebnis erwartet man dann am Mittwochvormittag unserer Zeit.

 

Was passiert je nach Wahlausgang?

Aktuell werde die folgenden Szenarien als realistisch erachtet.

Szenario 1&3  (Demokraten gewinnen Haus, Republikaner behalten Senat):

Trump und die Republikaner können nicht mehr so einfach wie bisher regieren, es wird ständig Diskussionen bzgl. dem Budget und der Immigration geben. Wird die Handelsgesetze wohl per Exekutivgewalt handeln und die Bestimmungen per Dekret durchsetzen.

Auswirkungen auf den Markt:

Wahrscheinlichkeit/Möglichkeit für weiteren fiskalischen Stimulus nimmt ab (Trump wollte 1,5 Billionen in die Infrastruktur investieren und das Gesundheitssystem abändern).

Es wird wohl einen leichten Ausverkauf bei Risiko-Assets und dem US-Dollar geben.

Wachstum sollte sich bei „moderat“ einpendeln, da die politische Unterstützung für dieses zukünftig fehlt.

Szenario 2 (Republikaner gewinnen Haus und behalten den Senat):

Dieses Szenario wäre ein großer Sieg für die Republikaner und Trump würde seine weitere Politik mit der Zustimmung an der bisherigen Vorgehensweise begründen.

Die „Amerika-First“ Politik wird bestehen bleiben und könnte noch stärkere Ausmaße annehmen. Es wird wohl zu weiteren Steuersenkungen und Deregulierungen kommen.
Auch wird die harte Linie bei den Themen Immigration und Außenhandels weiter bestehen bleiben.

Dies sollte die Aktienmärkte (vorerst) wieder nach oben treiben. Steuersenkungen und Deregulierung hört man dort erst einmal gerne. Über die möglichen Folgen macht man sich dann halt später Gedanken…

Die FED wiederum könnte auf diese Politik mit weiter steigenden Zinsen reagieren und damit auf Kollisionskurs mit einem streitfreudigen Präsidenten gehen.

Durch die FED Politik werden dann auch die Renditen für langjährige Anleihen und der US-Dollar weiter steigen.

Es wird spannend wie der Markt kurz- und langfristig die Kombination aus „Steuersenkungen + Deregulierung“ auf der einen Seite und „steigende Zinsen + aggressive FED Politik“ auf der anderen Seite interpretieren und verarbeiten wird.

Der US-Dollar sollte vorerst weiter steigen, könnte in den kommenden Monaten jedoch bei einem Anzeichen von einem möglichen Abschwung und Kombination mit den hohen Schulden schnell abverkauft werden. Wenn die Wirtschaft jedoch bis 2020 nicht einbricht und keine Anzeichen von Schwäche zeigt, sieht es gut aus für eine zweite Trump-Präsidentschaft.

 

Szenario 4 (Demokraten Sweep – Aktuell sehr unwahrscheinlich):

Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, schauen wir noch schnell auf die Folgen von einem
Doppelsieg der Demokraten (Nach Brexit und Trump-Wahl sollte man Umfragen nicht mehr so viel Glauben schenken).

Die Demokraten werden alles von republikanischer Seite blockieren und sich voll auf ein
Impeachment-Verfahren gegen Trump konzentrieren. Zeitungen haben in diesem Fall von einem „AllOut War in D.C.“ geschrieben.

Die Gefahr eines Government-Shutdown steigt stark an und die Präsidentschaftswahl 2020 ist aus Sicht der Republikaner auch stark gefährdet und fast aussichtlos.

An den Märkten sollte die Volatilität stark zunehmen und der US-Dollar sollte in einer ersten Reaktion fallen.

Die Wirtschaftsaktivitäten werden auf Grund der Unsicherheit stark abnehmen. Dies zieht die Märkte wiederum nach unten. Und wir wissen, wenn es der Wall Street nicht läuft, sieht es an den internationalen Märkten auch nicht gut aus.

Nach 2016 wissen wir, genau wie ein großer japanischer Autobauer:

„Nichts ist unmöglich…“

Bis in Kürze,

Andreas

Andreas Stark

 

 

 

 

Quellen:
https://www.cbsnews.com/news/house-democrats-in-position-to-gain-but-still-face-hurdles-cbsnews-poll/
https://www.washingtonpost.com/page/2010-2019/WashingtonPost/2018/11/04/NationalPolitics/Polling/release_535.xml?tid=a_inl_manual
https://www.bloomberg.com/news/articles/2018-11-04/surging-turnout-begs-question-of-whobenefits-election-wrap

 

 

 

 

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