Trading Kerzen: Die 7 wichtigsten Kerzenmuster

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Trading Kerze Chart

Daytrader und Swingtrader nutzen Kerzenformationen im Trading für Einstiege und Ausstiege. Lerne die 7 wichtigsten Candelstick Muster kennen.

 

Es gibt viele Kerzenformationen, aber nur wenige dieser Trading Kerzen sind wirklich beachtenswert. Hier sind 7 Trading Kerzen, auf die es sich lohnt im Rahmen der Charttechnik bzw. der Trading Indikatoren zu achten.

Vorab ein kurzer Blick auf die Entstehung der Kerzencharts.

Ein japanischer Reishändler namens Munehisa Homma entwickelte die Kerzenformationen aufgrund seiner Aufzeichnungen der Preise an der japanischen Reisbörse über mehrere Jahre.

Ihm viel auf, dass er mit Hilfe dieser Visualisierung ziemlich genaue Prognosen über die zukünftige Preisentwicklung erstellen konnte.

Diese Verfahrensweise hat sich seit den 1980er auch in der Börsenwelt manifestiert.

Das schöne an der Kerzendarstellung ist, dass ich anhand der Kerzenformation die Preisentwicklung in der betrachteten Zeiteinheit ablesen kann. Darüberhinaus erfahre ich auch einiges über die Volatilität und den vorliegenden Trend.

Wie das funktioniert schauen wir uns jetzt an.

 

Was sagt mir der vorliegende Kerzenkörper über den Kursverlauf?

Wir wollen uns nun anschauen, was mir eine abgeschlossene Kerze über den Kursverlauf preisgibt.

Zuvor aber noch der Hinweis, dass ich mir eine Kerze in jeder beliebigen Zeiteinheit (abhängig von der Chartsoftware) anzeigen lassen kann.

Die Kerze repräsentiert dann genau diese ausgewählte Periode.
Trading Kerzen
Jede Chartsoftware wird die Kerzen in zwei verschiedenen Farben abbilden. Hier habe ich grün und rot gewählt, privat nutze ich auch manchmal blau und weiß oder schwarz und weiß.

Die unterschiedlichen Farben zeigen mir, ob der Kurs des Basiswertes in der betrachteten Periode gestiegen oder gefallen ist, bzw. ob er positiv oder negativ geschlossen hat.

Schauen wir uns zunächst einmal die linke, also die rote Kerze an.

Die Kerze eröffnet im Punkt 1. Hier wird der erste Kurs der neuen Periode festgestellt. Der Kurs findet dann seinen Hochpunkt in dieser Periode (Punkt 2) und fällt danach aber zurück bis zum Punkt 4, wo er seinen Tiefpunkt in dieser Periode findet.

Davon kann er sich ein stückweit erholen und schließt letztendlich am Punkt 3. Die Kerze ist negativ, was bedeutet, dass der Schlusskurs der Periode unter dem Eröffnungskurs liegt.

Nun schauen wir uns die rechte, also die grüne Kerze an.

Du siehst, dass hier die Spannweite und die Hoch- und Tiefstände zur linken Kerze identisch sind. Der Unterschied liegt im Eröffnungs- und Schlusskurs.

Die Kerze hier schließt positiv, sodass der Schlusskurs über dem Eröffnungskurs liegen muss. Diesen Unterschied zur vorherigen Kerze verrät uns nur die unterschiedliche Farbe.

 

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Wie kann ich auf Basis der Trading Kerzen traden?

Um auf Basis der Kerzenformationen traden zu können, musst du im ersten Schritt deine Chartsoftware entsprechend einstellen. Der Chart eines Basiswertes wird nämlich standardmäßig als Linie dargestellt und damit können wir nicht viel anfangen.

Denke daran, dass diese Muster nur nützlich sind, wenn du verstehst, was in jedem Muster geschieht.

Die Kerzen kann ich mir in verschiedenen Zeiteinheiten abbilden lassen. Wenn ich mir eine 4h Kerze anschaue, kann ich zwar Eröffnungskurs, Schlusskurs, Hoch- und Tiefpunkt anschauen, weiß aber nicht viel über den Verlauf innerhalb der 4 Stunden.

Gerade Daytrader und Scalptrader nutzen deshalb niedrigere Zeiteinheiten wie den 5-Minuten- oder den 15-Minutenchart.

Das nachfolgende Bild verdeutlicht den Zusammenhang.

Zeiteinheit 4h-Chart

Hier sieht man, dass der obere 10-Minutenchart uns einen Abwärtstrend zeigt, den wir im 4h-Chart des identischen Basiswertes nicht direkt erkennen.

Nachdem wir nun ein Grundverständnis für Trading Kerzen und Zeiteinheiten entwickelt haben, schauen wir uns einzelne Kerzenformationen an.

Doch warum machen wir das eigentlich?

Ganz einfach. Wie der oben erwähnte japanische Reishändler haben auch wir Trader den Wunsch, den zukünftigen Kursverlauf eines Wertpapiers oder Derivats antizipieren zu können.

Anders ausgedrückt:

Wenn wir wüssten, wo der Kurs eines Basiswertes in einer Minute, einer Stunde, einer Woche usw. stehen wird, dann hätten wir morgen ausgesorgt… Tja, der gute alte Konjunktiv.

Da niemand von uns weiß, wo sich die Kurse in der Zukunft hinbewegen werden, wollen wir anhand der Kerzen zumindest die ungefähre Richtung erahnen und somit unser Chance-Risiko-Verhältnis für einen Trade verbessern.

Mache dir also klar, dass eine der nachfolgenden Kerzenformationen niemals die alleinige Begründung für einen Trade sein sollte.

Um die Wahrscheinlichkeit für einen Gewinntrade zu erhöhen, musst du die Interpretation der Trading Kerze mit anderen Formen der Charttechnik wie Unterstützung und Widerständen oder Fibonacci Retracements kombinieren.

Ebenso macht es Sinn die einzelnen Zeiteinheiten abzugleichen.
Hier gilt die Faustformel:

Die höhere Zeiteinheit (z.B. Stundenchart) ist höherwertiger als die niedrigere Zeiteinheit (z.B. Minutenchart).

Im Minutenchart kommt es also öfter zu Fakes als im Stundenchart. Deshalb gleiche ich vor jedem Trade aus dem 15-Minutenchart den aktuell vorliegenden Trend im 1h-Chart ab. Nur wenn beide in die selbe Richtung (long oder Short) zeigen, gehe ich den Trade ein.

 

Welche Kerzenmuster gibt es im Trading?

Die folgenden Kerzenformationen sind in zwei Teile unterteilt: Bullische Trading Kerzen und Bärische Trading Kerzen.

Ihre jeweilige Gestalt soll uns Anhaltspunkte geben, ob der Kurs in Kürze eher steigt oder fällt.

Wir starten mit der ersten bullischen Kerzenformation.

Bullish Engulfing

Dieses Muster besteht aus zwei Kerzen. Die erste Kerze sagt uns noch nichts über das Muster, außer das der Abwärtstrend noch intakt ist. Die zweite Kerze „verschlingt“ dann aber praktische die vorherige Kerze. Die Käufer haben die Verkäufer überwältigt (Nachfrage ist größer als Angebot) und wollen nun einen Aufwärtstrend einleiten.

Bullish Engulfing Trading Kerze

Hier sehen wir also eine potenzielle Trendumkehr, von short auf long. Trader, die auf Basis des Musters traden wollen, positionieren sich also nach Vollendung der zweiten Kerze (also mit der dritten oder vierten Kerze) long.

Bearish Engulfing

Das Bearish Engulfing bildet den exakten Gegenpart zum Bullish Engulfing. Es markiert das potenzielle Ende eines Aufwärtstrends und leitet einen Abwärtstrend ein.

Bearish Engulfing Trading Kerze

Die zweite Kerze öffnet mit einem Gap up, umschließt wieder die erste Kerze und endet dann aber im negativem Bereich.

Hammer

Auch der Hammer soll uns eine bevorstehende Trendumkehr signalisieren. Der Hammer taucht zum Ende eines Abwärtstrends auf. Idealerweise hat diese Kerze ein hohes Momentum und einen langen Docht. Das bedeutet, dass die Volatilität in dieser Periode hoch war und am Tiefpunkt viele Käufer hinzukamen, die den Kurs wieder nach oben geschoben haben.

Hammer Trading Kerze

Hinweis: Es reicht ein Hammer aus, um dieses Signal zu liefern. Im Bild habe ich einen zweiten Hammer mit dazu genommen, um zu zeigen, dass sowohl positiver Schlusskurs als auch negativer Schlusskurs (rot) als Hammer gelten.

Hammer können zum Beispiel an bedeutenden Unterstützungszonen auftreten. Dort werden dann diverse Stop Loss ausgelöst, die die Big Boys auf Grund der gesunden Liquidität für einen Longeinstieg nutzen. In diesem Beitrag hier kannst du das Thema Stop Loss Fishing begutachten.

Inverted Hammer

Der Inverted Hammer hat die gleichen Voraussetzungen wie der „normale“ Hammer. Allerdings ist die Trendrichtung genau umgekehrt. Der Inverted Hammer tritt am Ende eines Aufwärtstrends auf und signalisiert eine mögliche Umkehr zu einem Abwärtstrend.

Inverted Hammer Trading Kerze

Auch hier reicht wieder eine Hammer-Kerze aus, um das Signal zu liefern, aber beide abgebildeten Kerzentypen (rot oder grün) können vorkommen.

Hanging Man

Vorsicht: Verwechslungsgefahr! Der Hanging Man sieht genauso aus wie Hammer und Inverted Hammer, aber der Trendverlauf ist ein anderer.

Das nachfolgende Bild verdeutlicht den Unterschied zwischen Hanging Man und Hammer Kerze. Der Hanging Man markiert das Ende eines Aufwärtstrends wobei der Hammer den Anfang eines Aufwärtstrends markiert. Das ganze gilt dann umgekehrt auch für den Inverted Hammer.

Hanging Man Trading Kerze

Doji

Der (oder das?) Doji ist ebenfalls eine Trendwendeformation. Das Doji ist vermutlich das populärste Kerzenmuster im Börsenhandel.

Der Basiswert hat in der betrachteten Periode nicht wirklich Lust, sich zu bewegen und schließt direkt am oder in der Nähe des Eröffnungskurses. Es stellt Unentschlossenheit der Marktteilnehmer und ggf. ein niedriges Handelsvolumen dar. Bei manch einem Trader kommen Zweifel hinsichtlich der Fortsetzung des aktuellen Trends auf, was bei großer Mehrheit dann zu einem Trendwechsel führt.

Doji Trading Kerze

Die abgebildete Formation ist auch als Morning Doji Star bekannt und symbolisiert eine potenzielle Trendwende.

Kicker

Ein „Kicker“ wird manchmal als das stärkste Kerzenmuster von allen bezeichnet. Du kannst in der obigen Grafik sehen, warum dieses Muster so explosiv ist. Wie die meisten Kerzenmuster gibt es eine bullische und eine bärische Version.

In der bullischen Version bewegt sich der Basiswert nach unten und die letzte rote Kerze schließt am unteren Rand des Bereichs. Dann, beginnt die nächste Periode  mit einem deutlichen Gap up und schließt über der letzten Kerze.

;Kicker Kerzenformation Börse

Dieses „Schockereignis“ zwingt kleine Verkäufer zu Hedges oder Verkäufen und bringt neue Händler auf die Long-Seite. Oft sind marktbewegende Nachrichten, die nach Börsenschluss veröffentlicht werden, ausschlaggebend für dieses Kerzenmuster. Dies ist in der bärischen Version rückgängig genau entgegengesetzt.

 


 

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Wann ist der beste Zeitpunkt für den Einstieg in den Trade?

Nachdem du nun einige Trading Kerzen kennengelernt hast und nun voller Euphorie die Charts von DAX, Dow und Co „screenen“ wirst, möchte ich gerne noch einmal auf die Bedeutung der Kerzenformationen eingehen.

Oft sehen wir auf Basis dieser Muster einen Trendwechsel. Natürlich wollen wir als Trader möglichst früh dabei sein und den Trendwechsel mit antizipieren.

Einen Fehler, den ich zu Beginn sehr häufig gemacht habe, ist das Traden einer „möglichen“ Kerzenformation. Das bedeutet, dass ich nicht den Schlusskurs abgewartet habe und viel zu früh in den Markt gegangen bin (oft auch ohne Abgleich der Zeiteinheiten).

So habe ich einmal im 1-Stundenchart um 14:20 Uhr einen Hammer am Ende eines Abwärtstrends erkannt, der um 14:59 Uhr allerdings eine sehr lange rote Kerze geworden ist. Bärischer ging es kaum.

Sinnvoll ist es also, den Ausgang der Periode abzuwarten und gegebenenfalls auch die Folgekerze. Die Gefahr darin besteht natürlich, dass der Kurs dir dann schon weggelaufen ist.

Es gilt also, möglichst geduldig zu sein und trotzdem nicht die Hälfte der bevorstehenden Bewegung zu verpassen.

Ebenso kann ich die Kerzenformationen auch als Ausstiegsignal nutzen. Wenn ich einen Abwärtstrend gehandelt habe und nach einiger Zeit taucht nun ein Doji auf, dann bietet es sich eventuell an, einen (Teil-)Verkauf zu tätigen. Auch der Stop Loss kann auf Basis der Trading Kerzen nachgezogen werden.

Denke noch einmal daran, dass du die Kerzenformationen nicht alleine als Tradebegründung nehmen solltest. Je nach Basiswert kannst du die Fundamentaldaten und das Sentiment oder auch Indikatoren aus der Charttechnik mit den Kerzenmustern kombinieren.

Dabei wünsche ich dir viel Erfolg!

Hier bekommst du 56 geniale Trading Tipps um dein Trading zu verbessern [Fortgeschrittene]  
 


 

 

Tim Grueger

Tim ist sowohl Gründer von tradingfreaks.com als auch Trader.Er ist Bachelor of Science (Finance) und hat bereits für mehrere Banken gearbeitet.Tim handelt mit CFDs, FX sowie ETFs und betreut ebenso Depots privater Investoren.

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