In diesem zweiten Artikel lernst du die Grundlagen der Fundamentalanalyse für das Newstrading kennen, damit du wichtige Marktzusammenhänge verstehst und saubere Trades platzieren kannst.

Solltest du den ersten Teil 1/3 verpasst haben, kannst du ihn hier aufrufen.

Wenn Du ein Trading Einsteiger bist oder mit deinen bisherigen Setups wenig Erfolg hattest, solltest du dich dem Newstrading widmen, denn damit bekommst du die Möglichkeit, von einem erprobten Trading-Konzept zu profitieren.

Zum Newstrading gehört unbedingt das Verständnis der Fundamentalanalyse, besonders im Forex Trading.

Dieser Artikel wird dir helfen zu verstehen, wie und warum fundamentale Parameter Auswirkungen auf die Kurse von Forex, Aktien und Co haben.

Ein Missverständnis entsteht meist dadurch, dass die Fundamentalanalyse von den meisten privaten Tradern (sog. Retail Trader) als kompliziert oder sogar unnötig empfunden wird.

Ich werde dir zeigen, wie mächtig der Handel mit den Fundamentaldaten sein kann.

 

Warum die Fundamentaldaten ignoriert werden

Die meisten Trading Coaches und Autoren in Deutschland, Österreich, Schweiz unterrichten Trading Strategien, die sich ausschließlich auf technische Analysen stützen. Sie behaupten sogar lautstark, dass die Fundamentalanalyse Zeitverschwendung sei.

Der häufigste Grund dafür ist die Tatsache, dass technische Strategien und Handelsroboter sehr einfach zu verstehen und zu verkaufen sind. Und leider will der Mensch es nunmal einfach und schnell…

Ein Beispiel:

Nehmen wir an, du hast die Wahl zwischen einem einfachen Trading Roboter, der alles für dich erledigt oder einem diskretionären Ansatz. Letzterer bedeutet, dass du selbst tätig werden musst (Fachwissen aufbauen, Analysieren, selbst Entscheidungen treffen und traden).

Der Roboter verspricht dir, Geld mit einem einfachen System zu verdienen, das die meiste Arbeit für dich erledigt. Man muss nur warten, bis der Indikator blau wird um zu kaufen, oder rot, um zu verkaufen.

Noch besser, per Algorithmus macht der Roboter sogar die Trades für dich! Du musst nur da sitzen und dich auf die großen Gewinne freuen!

Die zweite Möglichkeit ist, die ganze Arbeit selbst zu machen.

Dazu gehört auch, jeden Tag früh aufzustehen, um die neuesten Nachrichten zu studieren und herauszufinden, wie die Stimmung auf dem Markt ist.

Es würde bedeuten, Analystenberichte zu lesen und die Preise von Währungspaaren zu studieren, um daraus dann gute Trading Setups zu identifizieren. Und das alles neben Job und Familie.

Offensichtlich würde so ziemlich jeder die erste Option wählen.

Weil es einfach zu verkaufen ist, gibt es viel Geld zu verdienen. Damit ist sichergestellt, dass diese technisch basierten Systeme, Strategien und Roboter auch weiterhin im Internet im Überfluss vorhanden sind.

Leider bedeutet das nicht, dass sie langfristig funktionieren. Langfristig bedeutet mindestens 9-12 Monate, also in verschiedenen Marktphasen. Ich kenne um ehrlich zu sein niemanden außerhalb der Hedgefond-Welt, der damit nachhaltig Erfolg hat.

 

Große Fonds handeln auf Basis von Fundamentalanalyse

Die überwältigende Mehrheit der professionellen Händler und Investoren nutzt die Fundamentalanalyse als Kern ihrer Trading Strategien. Besonders im Forexhandel!

Sie nutzen fast alle die großen Nachrichten-Terminals wie Bloomberg, Reuters, Dow Jones, MNI und andere.

Diese Terminals sind ausschließlich dazu gedacht, diese Händler schnell mit Neuigkeiten und Informationen zu versorgen. Sie kosten auch Tausende von Dollar pro Monat für jede einzelne Lizenz.

Dies wiederum bedeutet, dass große Unternehmen und Banken jeden Monat Hunderttausende von Dollar für den Zugriff auf diese Informationen ausgeben.

Würden diese Institutionen das tun, wenn es auf der anderen Seite dadurch kein Geld einbringen würde? Ok, rhetorische Frage…

Preisdiagramme und technische Indikatoren sind dagegen in der Regel kostenlos.

Es gibt einige kleinere Fonds oder Manager, die ausschließlich technische Analysen verwenden, aber du wirst Schwierigkeiten haben, glaubwürdige Beispiele für mehr als eine Handvoll zu finden.

So handeln fast alle professionellen Fondsmanager mit fundamentalen Analysen und Informationen. Nahezu alle Retail Trader versuchen hingegen, mit Chartanalyse Gewinne zu erzielen. Die Ergebnisse sind bekannt. Nahezu 90% aller Retail Trader verlieren dauerhaft Geld.

Die erste Überlegung ist also folgende:

Wenn die überwältigende Mehrheit der großen Händler und Investoren mit Fundamentalanalyse handelt, wie kann dies auf der Ebene der privaten Trader als „irrelevant“ abgetan werden?

Als nächstes ist die Art und Weise zu betrachten, wie die Preise von Währungen getrieben werden, wenn fundamentale Ereignisse eintreten.

 

Wirken sich Fundamentaldaten auf die Kurse aus?

Besonders Trader mit sehr kurzfristigem Horizont verlieren schnell den Blick dafür, wer eigentlich die Kurse bewegt und mit welcher Intention.

Big Boys wie Pensionsfunds bewegen Kapital über mehrere Wochen hinweg in eine Richtung. Das machen Sie bestimmt nicht auf Basis des 1-Minutencharts.

Als das Vereinigte Königreich beispielsweise 2016 für „Brexit“ stimmte, verlor das Britische Pfund gegenüber dem US-Dollar sofort rund 20 % an Wert. Dies war eine direkte Reaktion des Marktes auf das Ergebnis.

Warum? Weil die Big Boys einen Großteil aus der Unsicherheit ziehen müssen und Spekulanten wie Hedgefonds diesen Move antizipieren und mitmachen.

2018 fliehen massenweise Investoren aus der Türkei. Warum? Schau dir die Politik von Erdogan an. Einfachere Shorts auf die TRY gab es kaum.

Die Märkte bewegen sich in Erwartung und Reaktion auf wichtige Risikoereignisse regelmäßig. Du musst kein erfahrener Trader sein, um zu sehen, dass sich die Märkte auf diese Weise bewegen.

Als Newstrader können wir auch von weniger großen Risikoevents profitieren.

Viele Wirtschaftsdaten wie z.B: Inflationsdatenveröffentlichungen oder Änderungen der Geldpolitik einer Zentralbank sorgen regelmäßig für Volatilität in einer Währung. Davon profitieren wir mehrmals wöchentlich.

Die zweite Überlegung ist also folgende:

Die letzte Überlegung bei der Erforschung der fundamentalen Analyse ist der Einfluss, den sie auf deine Psyche hat.

Wenn du völlig neu im Handel bist, dann kann es durch die schiere Menge an Informationen und „Strategien“ schwierig werden, den Überblick zu behalten.

Als erfahrener Trader fühlst du dich wahrscheinlich frustriert über den Wechselzyklus, in dem du dich höchstwahrscheinlich befindest, denn deine bisherigen Trading Strategien stellen dich nicht zufrieden und du verlierst nach 3-5 Fehltrades regelmäßig die Geduld.

Die Falle des Strategie-Wechselns

Der Wechsel einer Trading Strategie sieht ungefähr so aus:

Du findest ein System, das deiner Meinung nach gut aussieht. Du führst einen Backtest durch und die Ergebnisse sind atemberaubend.

Du startest dieses Trading System und bist nach wenigen Wochen bitter enttäuscht.

Du suchst sofort online nach einer „besseren“ Strategie, die du in der folgenden Woche testen und handeln kannst.

Dieser Zyklus geht weiter und weiter, während du ständig nach dem nächstbesten System suchst, was dich viel Geld kostet.

Achtung, aufpassen:

Genau hier wird eine solide Anwendung der Fundamentalanalyse deine gesamte Handelsperspektive für immer verändern!

Diese Konzepte zu verstehen ist so ziemlich wie eine Augenbinde zu entfernen. Man sieht die Trading-Welt plötzlich mit ganz anderen Augen und erlebt einen „Ahaaa“-Effekt!

Zum ersten Mal in deiner Trader-Karriere wirst du verstehen, was vor sich geht und warum sich die Währungskurse so bewegen, wie sie es tun.

Das war die größte Offenbarung für mich, als ich es vor einiger Zeit von einem britischen Hedgefondmanager lernte.

 

Fundamentalanalyse und das Verständnis für Marktzusammenhänge geben Selbstvertrauen

Während die Chartanalyse und die Price Action wenig über die Verfassung des Marktes aussagen, gibt eine saubere Fundamentalanalyse dir das nötige Selbstvertrauen, dass du im Trading unbedingt brauchen wirst!

Deine ganze Einstellung ändert sich, wenn du die Gründe verstehst, warum sich der Kurs in eine Richtung bewegt und du deinen Trade platzierst.

Bei fast jedem Trade wirst du verstehen, was richtig oder falsch gelaufen ist und wie du deine Ergebnisse verbessern kannst.

Das menschliche Gehirn braucht Erklärungen und Gründe. Die Anwendung der Fundamentalanalyse gibt uns diese Erklärungen in unserem Handel.

 

Erste Schritte mit der Fundamentalanalyse

Wie fängt man an, um die Grundlagen zu verstehen?

Im Grunde genommen achten wir bei der Fundamentalanalyse auf zwei große Themenbereiche:

– Geopolitik
– Geldpolitik (Zentralbanken)

Wenn du Nachrichten aus diesen Kategorien siehst, die für die Märkte relevant sind, dann solltest du genauer hinsehen.

Für den Anfang werde ich mit einigen sehr einfachen Schritten beginnen, die es dir ermöglichen, Basiswissen aufzubauen.

Dies wird dir helfen, selbst zu sehen, wie mächtig die Grundlagen sein können.

Schritt 1 – Sammle täglich Information aus den richtigen Quellen

Ich verwende hochrangige Nachrichtenquellen (Newsfeeds), um schnell die Informationen zu liefern, die ich benötige. Zu diesen Quellen gehört ein kostenpflichtiger Echtzeit-Nachrichtendienst von Ransquawk.

Wichtig: Du brauchst KEIN kostenpflichtiges Newsfeed für das Newstrading und die Fundamentalanalyse.

Ich habe die besten kostenlosen Quellen für Nachrichten und Analysen aufgelistet, mit denen du als Anfänger arbeiten kannst.

Ich empfehle dringend, sie mit einem Lesezeichen zu versehen und regelmäßig zu überprüfen. Überwachen Sie, wie sich Währungspaare in Bezug auf die von Ihnen recherchierten Nachrichten und Ereignisse bewegen.

1. forexfactory.com gilt als einer der besten kostenlosen Wirtschaftskalender im Internet.
2. de.tradingeconomics.com gibt dir eine Menge an Wirtschaftsdaten für fast alle Länder dieser Erde.
3. Fxstreet.com verbindet Chartanalyse mit Fundamentaldaten. Es gibt auch eine deutsche Version.
4. Investing.com bietet einige wichtige News für Forex- und Aktientrader. Auch hier gibt es eine deutsche Version. Ich finde die englische Variante aber besser/detaillierter.
5. Reuters und Bloomberg teilen viele Informationen auf ihren Webseiten zum Marktgeschehen. Besonders der Markets Wrap ist super.

Schritt 2 – Lerne, die News zu filtern

Das Verstehen, wie die Nachrichten zu interpretieren und anzuwenden sind, ist eine Schlüsselkomponente für einen erfolgreichen Handel. Um dies zu vereinfachen, solltest du in jedem Artikel auf zwei Elemente achten.

Das erste Element eines jeden Artikels sollte die Währung (oder das Land) sein, auf die sich der Artikel bezieht.

Ein zweites Element ist der Bezug auf einen ranghohen Politiker (Trump, May, Juncker, Erdogan,..) oder eine Zentralbank.

Es muss einen grundlegenden Katalysator geben, den es in dem Artikel zu diskutieren gilt. Anhand der Überschriften kann man schon erahnen, ob es hier eine wichtige Information gibt, die wir für einen Trade gebrauchen könnten.

Dazu eine kleine Übung:

Wir scannen die Nachrichtenlage via Reuters und sehen drei wichtige Überschriften, die mir bereits wichtige Auskünfte geben:

Reuters News TradingQuelle: reuters.de

1. Es geht um EUR / Europa
2. Es betrifft sowohl Politik (Trump/Italien) als auch Geldpolitik (Inflation)
3. Alles ist negativ für den EUR

Werfen wir nun einen Blick auf den EUR, so sehen wir dass dieser im bisherigen Tagesverlauf abwärts verläuft. Dieses Sentiment hätte man sehr gut für einen Short im EURUSD auf Tagesbasis verwenden können.

EURUSD Chart

Natürlich könnte man auch einfach sagen:
„Klar, der Abwärtstrend ist doch eh intakt.“ Leider ist das zu kurz gedacht, denn anhand des Charts erkennt man nicht, in welchem Zustand sich die beiden Währungen befinden. Nur wenn ich weiß, wie die Stimmungslage (Sentiment) der beiden Währungen ist, kann ich die weitere Bewegung vernünftig antizipieren. Das wiederum sorgt für das oben angesprochene, notwendige Selbstvertrauen in einen Trade.

So finden wir auf Basis der Fundamentalanalyse jede Woche viele gute Setups, die wir sowohl als Scalper, Daytrader und Swingtrader in saubere Trades verwandeln können.

Weitere Beispiele dazu in Kürze im dritten und letzten Teil unserer Artikelserie „Newstrading für Einsteiger“.

 

Bis dahin gute Trades!

Tim

 

 

 

 

 

 

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