Wie lange hat der Forexmarkt geöffnet und warum? (Grundlagen)

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In diesem Beitrag lernst du einige wichtige Grundlagen zum Forexmarkt kennen und warum der Devisenhandel sich grundlegend von anderen Märkten unterscheidet, nicht nur bei den Öffnungszeiten.

Der Devisenmarkt ist, noch vor den Anleihe- und Aktienmärkten, der größte Finanzmarkt der Welt.

In diesem Markt werden Tag für Tag um die 1,5 Billionen Dollar umgesetzt. Der Handel im Forexmarkt erfolgt jedoch nicht an einem einzelnen zentralen Ort wie einer Börse.

Der Markt hat 24 Stunden am Tag geöffnet. Der Handel am Forexmarkt beginnt am Sonntag um 23:00 Uhr unserer Zeit. Anschließend hat der Markt bis zum Freitag 23:00 Uhr geöffnet.

Die internationale Reichweite des Devisenhandels und der Fakt, dass der Markt nur am Wochenende schließt hat zur Folge, dass es immer wieder Händler auf der ganzen Welt gibt, die rund um die Uhr eine bestimmte Währung anbieten und nachfragen.

 

Besonderheit im Forexmarkt

Das Besondere am Forexmarkt ist, dass hier, anders normalerweise auf den anderen Märkten, alle Teilnehmer aufeinander treffen.

Wir haben private Trader, Zentralbanken und auch Unternehmen die für verschiedene Zwecke Devisen benötigen.

Besonders seit dem Wegfall des Goldstandards in den 1970ern sind die Zentralbanken speziell auf die Devisenmärkte angewiesen.

Zuvor gab es feste Währungen bzw. Wechselkurse wodurch die Kurse sich nicht „frei“ bewegen konnten.

Seit dem Wegfall sind die meisten internationalen Währungen nicht mehr an bestimmte Rohstoffe, Edelmetalle oder festgelegte Wechselmarken gebunden, sondern bewegen sich frei. Die Bewegungen werden nur noch rein durch Angebot und Nachfrage der verschiedenen Teilnehmer bestimmt.

Wirtschaftliche und politische Instabilität bzw. Schwankungen, die Politik der Zentralbanken und andere ständige Veränderungen auf der Welt, wirken sich auch auf die Devisenmärkte aus.

Die Zentralbanken haben das Ziel, die Währung ihres jeweiligen Landes zu stabilisieren.

Dies versuchen sie, indem sie auf dem freien Markt handeln und die eigene oder ausländische Währungen anbieten bzw. nachfragen.

 

Unternehmensabsicherung dank Devisenmarkt

Unternehmen, die in mehreren Ländern tätig sind, versuchen durch Geschäfte auf dem Forexmarkt, die Risiken von den eigenen Geschäften auf ausländischen Märkten zu minimieren und Währungsrisiken abzusichern.

Beispielweise können deutsche Unternehmen die einen Großteil der Geschäfte in den USA abwickeln, sich über das Währungspaar EUR/USD absichern.

Deutsche Unternehmen nehmen in den USA für ihre Geschäfte oder Dienstleistungen US Dollar ein. Sollte sich der US Dollar im Vergleich zum Euro nun erheblich schwächer entwickeln und stark abgeben, hätten die Unternehmen am Jahresende ein Problem. Sie müssen die eingenommen US Dollar in Euro wechseln. Sollte der Euro im Vergleich zum US Dollar in dem Jahr stark entwickelt haben, bekommen sie für ihre eingenommenen US Dollar am Jahresende weniger Euro, als möglicherweise zu Beginn des Jahres einkalkuliert wurden.

Die Unternehmen könnten also zu Beginn des Jahres eine Position im EUR/USD einnehmen um von einem möglicherweise starken Euro zu profitieren. Am Ende des Jahres bekommen sie für das im Geschäftsjahr eingenommene Geld zwar weniger getauscht, diese „Verluste“ können jedoch durch die Gewinne der EUR/USD Position ausgeglichen bzw. minimiert werden.

Ein gutes Beispiel hierfür war das Geschäftsjahr 2017.

Zu Beginn des Jahres notierte der EUR/USD Wechselkurs bei ca. 1,05. Bis zum Ende des Jahres stieg der Kurs dann bis auf ca. 1,18.

Angenommen ein Unternehmen hat Einnahmen in den USA von 1 Mio. Dollar.

Zu Beginn des Jahres hätte es dafür noch 1.000.000/1,05 = ~ 952.380€ bekommen.

Am Ende des Jahres durch die starke Dollar Aufwertung aber nur noch

1.000.000/1,18 = ~ 847.457 Euro.

Die Entwicklung des Wechselkurses hat dafür gesorgt, dass aus den anfangs kalkulierten 952.380€ an Einnahmen, am Ende des Jahres über 100.000€ weniger wurden.

Umgekehrt: Sollte der USD im Jahresverlauf dazugewinnen, habe ich mit meiner Absicherung durch die EUR/USD Position zwar einen Verlust erwirtschaftet, habe jedoch für meine eingenommenen Dollar einen besseren Wechselkurs und kann die Verluste dadurch ausgleichen, dass ich nun mehr Euro gewechselt bekomme.

 

Warum hat der Forexmarkt als einziger Markt diese Öffnungszeiten?

Ein Grund warum die Devisenmärkte 24 Stunden am Tag geöffnet haben, liegt in den verschiedenen, internationalen Zeitzonen.

Wie zu Beginn beschrieben, gibt es im Forexmarkt mehrere verschiedene Mitspieler.

Wenn die Wall Street um 22:00 Uhr schließt, mag der Handel in den USA vielleicht größtenteils beendet sein, in Asien/Australien beginnt er wenige Stunden später aber erst. Da die dortigen Notenbanken wie die Bank of Japan oder die RBA in Australien auch Devisen benötigen ist es nicht möglich die Märkte zu schließen. Eine temporäre Schließung der Märkte hätte zur Folge, dass entweder die asiatischen Teilnehmer gezwungen wären in unserer Zeitzone zu handeln oder umgekehrt wir in Europa irgendwann mitten in der Nacht aufstehen müssten, sobald die asiatischen Märkte öffnen.

Basiswerte wie inländische Aktien, Anleihen und Rohstoffe sind auf der internationalen Bühne nicht so relevant oder notwendig und müssen daher nicht über den üblichen Handelstag im Heimatland des Emittenten hinaus gehandelt werden. Die Nachfrage in diesen Märkten ist nicht hoch genug, um eine Öffnung rund um die Uhr zu rechtfertigen.

Der Fokus in diesen Märkten liegt auf dem inländischen Markt, so dass es wahrscheinlich ist, dass nur wenige bis keine Aktien in Deutschland um 03:00 Uhr morgens gehandelt werden.

 

Zeitzonen der Devisenmärkte – Geografische Aufteilung

Der Devisenmarkt kann in drei Hauptregionen unterteilt werden: Asien, Europa und Nordamerika.

Auf jedem dieser Kontinente besteht ein Finanzzentrum. In Europa liegt dieses beispielsweise in London.

Jeder Tag des Devisenhandels beginnt mit der Eröffnung der Region Australien/Asien (Tokyo Session ca. 02:00 Uhr – 08:00 Uhr).

Nach dem Ende der Tokyo Session folgt auch schon Europa (London Session ca. 09:00 Uhr – 18:00 Uhr) und letztendlich Nordamerika (ca. New York Session 14:00 Uhr – 22:00 Uhr).

Sobald sich die Märkte einer Region schließen, öffnet sich eine andere oder hat sich bereits geöffnet und handelt weiterhin auf dem Devisenmarkt. Diese Märkte überschneiden sich oft für einige Stunden und stellen eine der aktivsten Perioden des Devisenhandels dar. Wenn zum Beispiel ein Devisenhändler in Australien mitten in der Nacht aufwacht und Devisen handeln will, kann er dies nicht über Devisenhändler in „Australasien“ tun, aber er kann durch die Zeitverschiebung und dauerhafte Öffnung der Märkte über europäische oder nordamerikanische Händler so viele Geschäfte tätigen, wie er will.

 

Gefahr bei dauerhafter Öffnung der Märkte?

Bei all den Vorteilen, gibt es jedoch einen Nachteil. Es kommt immer mal wieder zu sogenannten Flash-Crashs. Ausgelöst durch eine Kombination aus geringem Angebot/Nachfrage und Algo-Tradern.

Angenommen wir befinden uns in der Tokyo Session, also mitten in der Nacht unserer Zeit.

In dieser Session ist die Nachfrage nach beispielsweise europäischen Währungen nicht so hoch wie in der London Session. Nun kann schon ein Tippfehler eines asiatischen Devisenhändlers oder eine falsch interpretierte Nachricht eines Algos ein zu hohes Angebot auslösen und dafür sorgen, dass die Währung einbricht, da sich die Nachfrage begrenzt hält.

Beispielsweise gab es 2016 einen solchen Crash im Währungspaar GBP/USD.

Innerhalb weniger Minuten ist das Währungspaar um knapp 8 Cent abgestürzt nur um sich kurz darauf wieder zu erholen. 8 Cent sind in diesem Währungspaar eine riesige Bewegung und dürfe am nächsten Morgen den ein oder anderen europäischen Trader überrascht haben. War ich nun beispielsweise in diesem Paar Long positioniert und habe die Position über Nacht offengehalten, könnte dies für böse Verluste gesorgt haben. Selbst mit einem Stop Loss ist bei solch einem Absturz nicht garantiert, dass ich auch zu dem von mir gewählten Kurs ausgestoppt werde. In solchen Szenarien ist es sehr gut möglich, dass der Kurs zu dem ich abgerechnet werde sehr viel weiter unten liegt, da die Broker nicht mit den Kursen hinterherkommen.

Mit diesem Artikel konntest du wieder etwas Neues über den Forexmarkt lernen. Du kennst die Teilnehmer im Markt, deren Absichten, die Zeiten und bist dir auch der Gefahr offener Positionen in der Nacht bewusst.

Auf eine gute Handelswoche,

Andreas

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