Wie entsteht die DAX Gewichtung und was genau bewegt Dax, Dow oder Nikkei eigentlich täglich? Und was ist der Unterschied zwischen Performanceindex und Kursindex im DAX?

Jeden Tag lesen wir in der Zeitung oder hören in den Nachrichten, dass der DAX sich um eine bestimmte Punktzahl oder einen bestimmten Prozentwert verändert hat.

Doch wie genau kommt es zu solchen Veränderungen und wie kann es uns beim Trading dieser Indizes helfen zu wissen, was diese genau bewegt?

Antworten auf diese Fragen wirst du im folgenden Beitrag finden.

Zuerst müssen wir klären, welche Arten von Indizes es eigentlich gibt und welcher Index nach welchem Prinzip funktioniert.

DAX Kursindex und Performanceindex

Da gibt es zunächst einmal die Unterscheidung zwischen einem Kurs- und einem Performanceindex.

Von einem Kursindex ist die Rede, wenn die Dividenden der darin enthaltenen Aktien nicht in diese reinvestiert, sondern vom Wert der Aktie jeweils abgezogen werden. So werden nach einer Dividendenausschüttung diese Dividenden aus dem Kursindex herausgerechnet und der Index verliert nach solch einer Ausschüttung an Wert.

Bekannte Indizes die als Kursindex angegeben werden sind z.B. der Dow Jones, Nikkei 225, FTSE 100 oder der CAC 40.

Von einem Performanceindex spricht man wenn die ausgeschütteten Dividenden wieder thesauriert (reinvestiert) werden. Durch diese Reinvestition der ausgeschütteten Gelder verliert der Performanceindex nach einer Dividendenzahlung nicht an Wert.

Der bekannteste Index welcher in den Medien meist als Performanceindex angegeben ist, ist der DAX-30.

Von dem DAX-30 gibt es jedoch auch einen in den Medien weniger beachteten DAX Kursindex. Um zu verdeutlichen welche Auswirkungen sich durch das kontinuierliche reinvestieren der Dividende ergeben, habe ich einmal den Performanceindex zusammen mit dem Kursindex abgebildet.

DAX Gewichtung

Quelle: Finanzen.net

Die rote Linie zeigt den DAX Performanceindex, die blaue Linie den DAX Kursindex.

Nun kommen wir zu unserer Ausgangsfrage zurück.

Was bewegt nun diese Indizes und wie sieht die DAX Gewichtung aus?

Kann ich sagen, in einem Index z.B. dem DAX welcher 30 Unternehmen abbildet, wenn dort 15 Werte um 1% steigen und die anderen 15 um 1% fallen, dass der DAX sich am Ende des Handelstages nicht verändert hat?

Nein. Leider ist es nicht so leicht, nur durch addieren und subtrahieren der einzelnen Prozentwerte das Ergebnis zu berechnen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten nach denen ein Index gewichtet werden kann.

Um bei unserem Beispiel dem DAX zu bleiben, starten wir mit kapitalisierungsgewichteten Indizes zu denen der DAX auch zählt.

Das benötigte Kapitalisierungsgewicht berechnet man, indem die im Free Float verfügbaren Aktien mit dem aktuellen Aktienkurs multipliziert werden.

Zum Free Float gehören alle Aktien die nicht im Besitz von jemandem mit 5% oder mehr Anteilen am Unternehmen gehalten werden.

Durch diese Art der Gewichtung kann es jedoch dazu kommen, dass ein paar wenige Unternehmen in dem Index für einen Großteil der Kursgewinne bzw. Kursverluste verantwortlich sind.

Im DAX sind die am sechststärksten gewichteten Unternehmen für etwa 50% der Punkte verantwortlich. Dem gegenüber stehen dann die restlichen 24 Unternehmen, welche die anderen 50% ausmachen.

Unternehmen im DAX mit einer hohen Indexgewichtung sind u.a. Bayer, Siemens, Allianz oder auch SAP (Zusammen ca. 35% Indexgewichtung)

Auch im amerikanischen S&P 500 kommt es zu solchen Ungleichgewichten. Dort sind die ersten 11 Unternehmen mit einem Anteil von knapp 20% gewichtet.

Dort sind u.a. Amazon, Microsoft, Apple und Exxon Mobil für einen hohen Anteil der Bewegungen im Index verantwortlich (Nur diese vier Unternehmen alleine kommen zusammen auf ca. 10% Indexgewichtung)

So kann es schnell dazu kommen, dass an einem Handelstag für einen Großteil der Unternehmen Verluste beim Aktienkurs anfallen, wenn wenige hochgewichtete Unternehmen jedoch Kursgewinne verzeichnen wird der Index über den Tag hinweg trotz Verlusten bei der Mehrheit ansteigen.

Die Gewichtung der Aktien in den einzelnen Indizes erfolgt zu festen Terminen im Jahr.

Die maximale Indexgewichtung eines Unternehmens im DAX darf höchstens bei 10% liegen.

Als nächstes kommen wir zu den preisgewichteten Indizes.

Was ist ein preisgewichteter Aktienindex?

Preisgewichtete Indizes sind z.B. der Dow Jones und Nikkei 225.

Hierbei wird der Kurs einer Aktie von jedem im Index enthaltenen Unternehmen addiert.

Anschließend wird geschaut wie groß der prozentuale Anteil einer Aktie an dem berechneten Gesamtanteil ist. Der prozentuale Anteil einer Aktie ist dann gleichzeitig die Gewichtung des Unternehmens im Index.

Beispiel: Kurs Anteil am Index/Gewichtung

Aktie A 45€ 22,5%

Aktie B 25€ 12,5%

Aktie C 60€ 30%

Aktie D 60€ 30%

Aktie E 10€ 5%

Index 200€ 100%

Auch hier kann man also schön ablesen, dass es auch bei der preisgewichteten Methode passieren kann, dass wenige Unternehmen für Große Kurssprünge in den Indizes verantwortlich sein können.

Auf Grund ihres Aktienkurses sind u.a. folgende Unternehmen im Dow Jones hochgewichtet:

Goldman Sachs, IBM, 3M, Boeing und Disney (Zusammen ca. 30% Indexgewichtung).

Im Nikkei 225 sind allein die vier Konzerne Fast Retailing, Fanuc, Softbank und KDDI mit ca. 20% Gewichtet.

Zu guter Letzt gibt es noch die weniger verbreiteten gleichgewichteten Indizes.

Wie funktionieren gleichgewichtete Aktienindizes?

Beispiele hierfür sind der Öko Dax und der NYSE Arca Biotech.

Bei diesen Indizes wird die Indexgewichtung festgelegt indem jedes Unternehmen wie der Name auch schon sagt gleichgewichtet wird.

Im NYSE Arca Biotech befinden sich 20 Werte. Dadurch wird jeder Wert mit 5% gewichtet.

Durch Kursveränderungen kommt es jedoch auch hierbei zu einzelnen Verschiebungen bei der Gewichtung während der Laufzeit. Um dem entgegenzuwirken findet ein regelmäßiges Rebalancing statt.

Beim NYSE Arca Biotech werden alle drei Monate die darin enthaltenen 20 Werte wieder auf eine Gewichtung von 5% zurückgesetzt.

Daran das es schon seit Jahrzehnte diese verschiedenen Verfahren gibt, lässt sich schön erkennen, dass man das „perfekte“ Verfahren einen Index zu gewichten noch nicht gefunden hat.

Vorteile und Nachteile der einzelnen Indexgewichtungen

Der Vorteil von marktkapitalisierten Indizes liegt darin, dass kleine im Index enthaltene Unternehmen, welche auch in der Gesamtwirtschaft eine nicht ganz so wichtige Rolle spielen, nicht für große Bewegungen in dem Index, welcher oftmals als Barometer für die Wirtschaft eines Landes herangezogen wird, sorgen können.

Darin liegt aber gleichzeitig auch ein großer Nachteil. So kann es mit fortschreitender Entwicklung dazu kommen, dass ein paar wenige Unternehmen den Großteil dieses Barometers abbilden (s. DAX)

Der Vorteil bei preisgewichteten Indizes liegt darin, dass Unternehmen mit einer guten Entwicklung und einem ansteigenden Aktienkurs bei der nächsten Gewichtung mit einem höheren Anteil gewichtet werden. Dadurch wird versucht dem Verlauf der einzelnen Unternehmen in der Wirtschaft gerecht zu werden.

So erhalten Aktien, welche sich gut entwickeln und in Wirtschaft und Gesellschaft eine größere Rolle spielen eine höhere Verantwortung und Aktien die sich auf dem eher absteigenden Ast befinden und eine nicht mehr so hohe Beachtung auf der Käuferseite finden heruntergestuft

Der Nachteil bei preisgewichteten Indizes liegt darin, dass sich durch den Aktienkurs der Anteil am Index ergibt und deshalb manche Aktien für den Index nicht berücksichtig werden können, da der aktuelle Kurs zu hoch ist und das dahinterstehende System aushebeln würde.

So könnte z.B. eine Berkshire Hathaway A Aktie, aktueller Kurs ca. 240.000 USD, niemals in den Dow Jones kommen, da der aktuelle Aktienkurs einen viel zu hohen Anteil am addierten Kurs aller Unternehmen hätte.

Auch besteht die Gefahr wie bei der marktkapitalisierten Gewichtung, dass es zu hohen Gewichtungen für einige wenige Unternehmen kommt.

Der Vorteil bei den gleichgewichteten Indizes ist, dass es zu keinem „Klumpenrisiko“ wie bei den anderen Methoden kommen kann.

Dadurch, dass ein regelmäßiges Rebalancing stattfindet und alle Werte wieder die gleiche Gewichtung erhalten, kann es nicht zu hohen Verwerfungen in den Indizes kommen, nur weil ein paar wenige Werte hohe Kursschwankungen aufweisen.

Nachteilig ist jedoch bei diesen Indizes, dass aktuelle Entwicklungen der einzelnen Unternehmen nicht berücksichtigt werden.

Dies führt dazu, dass Unternehmen mit einer soliden Entwicklung in den letzten Jahren die gleiche Gewichtung erhalten wie Unternehmen für die es in der letzten Zeit nicht so gut lief.

Hieran lässt sich noch einmal schön ablesen, dass die Stärken des einen die Schwächen des anderen sind und es schwer ist eine „gerechte“ Gewichtung für jedes Unternehmen zu schaffen.

Du siehst also, beim Trading von Indizes sollte man immer im Hinterkopf haben welche Art von Index man handelt und wie die grobe Gewichtung der einzelnen Unternehmen in diesem Aussieht.

Wie muss ich die Index- oder DAX Gewichtung im Trading berücksichtigen?

Mit diesem Wissen im Hinterkopf lässt sich leichter abschätzen, wie einzelne Meldungen (Quartalszahlen, Ad-Hoc-News, Ausblicke etc.) und damit möglicherweise verbundene Schwankungen beim Aktienkurs sich auf den Index auswirken.

Ich kann also sofort abschätzen wie groß die Auswirkungen von stark steigenden oder fallenden Aktien auf den Index ist. Und von diesen Tagen hatten wir in der Vergangenheit mehr als genug (z.B. VW, Deutsche Bank, Commerzbank)

Da deutsche Derivate-Trader (CFD, Knockouts, etc) zu ca. 70% den DAX handeln, sollte dieses Thema der DAX Gewichtung zwingend berücksichtigt werden. Besonders im Swingtrading.

Die aktuellen und historischen Gewichtungen der einzelnen Aktienindizes findet ihr auf den jeweiligen Seiten der verantwortlichen Börse oder hier auf finanzen.net.
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Auf was achtet Ihr beim Traden von Indizes besonders und wie schätzt Ihr die Bewegung ein, wenn einzelne Werte mal aus- bzw. einbrechen?

Benutzt doch einfach die Kommentarfunktion. Ich glaube mit einem Austausch von verschiedenen Ansätzen und Ansichten kann jeder etwas mitnehmen und lernen.

Grüße

Andi

[ABTM id=4920]

 

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