Wie du mit tiefroten Trading Positionen umgehst

Egal ob Stop Loss oder Hedging. Jeder Trader wird Trading Positionen haben, die sich temporär im Verlust befinden. Wichtig ist, die richtige Strategie anzuwenden, um diese Positionen zu managen.



In meiner Startphase als Trader habe ich mit meinem CFD Depot so ziemlich alles gehandelt was der Broker hergab und hatte teilweise sehr viele Trading Positionen offen.

Wenn ich in einer Assetklasse ein paar Verluste hintereinander produziert hatte, dann sagte ich mir insgeheim: „Ok, der Wert liegt dir halt nicht, probiere einen anderen aus.“

So kam ich dann von Indizes zu Forexpaaren und anschließend zu Rohstoffen und Einzelaktien.

Ohne einen wirklichen Tradingplan, ohne adäquates Risikomanagement und erst Recht ohne fundamentale Begründung platzierte ich einen Trade nach dem anderen.

Wenn der Chart auch nur ansatzweise ein „mögliches“ Muster erkennen lies, drückte ich ich die Maustaste und der Trade lief.

Da ich zuvor ein paar Mal durch einen platzierten Stop Loss ausgestoppt wurde, wollte ich nun auch keinen SL mehr nutzen.

Die Folge? Den SL einfach weglassen. Wird schon gut gehen…

 

Mein wahrscheinlich schlimmster Trade:

 

Ich erinnere mich an einen Abend, an dem ich kurz vor Marktschluss eine Position im Nikkei (long) getätigt habe (ohne Absicherung aber mit Take Profit +100 Punkte).

Ich hoffte einfach darauf, dass ich am nächsten Morgen aufwachte und der Take Profit ausgeführt worden wäre und ich 100 Dollar mehr auf dem Tradingkonto hätte.

Ach ja der gute alte Konjunktiv… Am nächsten Morgen schnappte ich mir mein Iphone und öffnete die Trading App. Mein Puls stieg voller Vorfreude an. Und siehe da, Der Nikkei stand ….. 76 Punkte tiefer.

Na gut dachte ich mir, das sind ja gerade mal -0,4% im Nikkei. Das kriegt der schon schnell aufgeholt wenn die Börsen in Europa gleich positiv starten.

In der Theorie hörte sich das alles sehr plausibel an. Nur leider starteten auch die europäischen märkte sehr verhalten und produzierten im Laufe des Tages ein ansehnliches Minus. Als Konsequenz daraus hatte auch der Nikkei neue Tiefstände erreicht.

Am nächsten Abend kamen mir erste Zweifel, ob dem Nikkei vielleicht gar keine Rally, sondern doch ein (längerer) Abwärtstrend bevorstand?

Etwas nervös ging ich ins Bett und hoffte einfach auf den Turnaround in der Nacht. Der Vorteil der Nacht ist, das man für gewöhnlich schläft und nicht die ganze Zeit vor dem Trading Desk sitzt und zittern muss.

Leider war diese Nacht anders. Um 3.20 Uhr Nachts wachte ich plötzlich schweißgebadet auf. Im Halbschlaf erinnerte ich mich an die offene Trading Position im Nikkei und zückte mein Handy, um den Stand zu kontrollieren.

Irgendwie realisierte ich, dass die Position noch weiter ins Minus gerutscht war und ich aktuell -203 Dollar Buchverlust ausgesetzt war.

Um 5:20 Uhr wachte ich erneut auf und wieder zückte ich mit einem wachen Auge mein Handy und checkte die Position. Nun waren es -250 Dollar. Eine Größe, die für mein damaliges Konto viel zu hoch war.

Ohne einen Blick auf den Chart oder weitere Indikatoren zu werfen, schloss ich den Trade im Halbschlaf via Trading App. Der Verlust war eingebucht. Klasse. Aber irgendwie ging es mir besser und ich konnte noch 2 Stunden beruhigt schlafen, bis der Wecker klingeln würde.

 

Dieser Trade und die damit verbundene innerliche Unruhe waren mir eine Lehre. Nie wieder wollte ich mich selbst einem so dummen und damit verbundenem hohen Stresslevel aussetzen.

Mal abgesehen davon, dass weitere Trades dieser Art mein Konto zum Margin Call geführt hätten.

 

Nun gibt es aber auch Trading Positionen, die (anders als in meinem Beispiel) sauber geplant und ausgeführt wurden, aber dennoch nach kurzer Zeit tiefrot sind.

Merke dir zuerst, dass Verluste zum Trading dazu gehören. Sowohl Buchverluste als auch realisierte Verluste.

 

Vier Möglichkeiten, wie du mit tiefroten Trading Positionen umgehst:

 
Die gängigen Verfahrensweisen in einer solchen Situation werden wir nun betrachten.

Welche Möglichkeiten stehen dir zur Verfügung?


  • Stop Loss anpassen
  • Trading Positionen hedgen
  • Trading Positionen mit Verlust verkaufen
  • Trading Positionen nachkaufen/aufstocken

 

Stop Loss anpassen:

Erst einmal ist der Stop Loss ein wichtiges Hilfsmittel, um speziell Tradinganfängern die nötige Sicherheit zu geben. Aber auch Trading Profis die als Retail Trader oder bei Hedgefunds und Investmentbanken handeln, traden mit Stop Loss.

Ob du mit Stop loss arbeitest, kommt auf deine Strategie an. In gefühlten 80% der möglichen Trading Strategien ist er aber sinnvoll. Beim Pyramidisieren zum Beispiel nicht.

Der Stop Loss hilft nicht, wenn der Trader ihn andauernd versetzt, weil der Kurs der Stop Loss Zone immer näher kommt.

Mit der Anpassung ist vielmehr gemeint, dass der SL dort platziert wird, wo er zu deiner Kontogröße passt und du weiterhin ruhig bleibst, wenn er kurz vor der Ausführung steht und du dann einen potenziellen Verlust realisierst.

 

Trading Positionen hedgen:

Anstelle des Stop Loss kannst du natürlich auch die Gegenposition aufnehmen. Damit ist dein Trade „gehedged“. Es geht also weder nach oben noch nach unten.

Wichtig ist auch hier, dass der Hedge als Absicherung dient und nicht als Gewinnerzielung verwendet wird.

Lass dir aber gesagt sein, dass Hedging nicht einfach ist, da man erkennen muss, wann ein Trend (wirklich) beendet ist und der Hedge aufgelöst werden kann.

 

Trading Positionen mit Verlust verkaufen:

Es ist natürlich die schmerzhafteste der vorgestellten Möglichkeiten, aber glaube mir, eine Verlustposition einfach mal aufzulösen kann sehr befreiend sein. Nicht nur für dein Depot sondern auch für den Kopf.

Man muss sich hin und wieder eingestehen, dass eine Entscheidung falsch war und daraus die Konsequenzen ziehen.

 

Trading Positionen nachkaufen/aufstocken:

Diese Variante ist vielleicht die gefährlichste Variante. Vielleicht aber auch die Lukrativste. Denn wenn du deine Position durch Zukauf verbilligst, bist du schneller im Gewinn, sofern der Kurs den Rebound vollzieht.

Um dieses Verfahren durchzuführen, muss der Trader eine sehr starke Marktmeinung haben und damit eine große Portion Selbstsicherheit und Vertrauen für diesen Trade. Rein technisch begründete Trades können das in der Regel nicht rechtfertigen.

Trotz Nachkauf sollte das Risk-Management weiterhin stimmen und nicht mehr als 1-2% des Depotwerts riskiert werden.

In meinem oben skizzierten Beispiel des Nikkei Trades wäre das gehörig daneben gegangen.

Das angesprochene Selbstvertrauen wollen wir nun noch einmal verstärkt betrachten.

 

Wie hole ich mir Selbstvertrauen für eine offene Trading Position?

 
Selbstvertrauen für einen Trade ist wichtig. Es hilft ungemein, einen Trade vom Entry bis zum Take Profit konsequent durchzuziehen.

Wer eine hohe Portion Selbstvertrauen für einen bestimmten Trade mitbringt, der lässt sich auch von dem Übergang des gehandelten Trends in eine Korrektur nicht ablenken, denn er weiß, dass der Kurs nach Ende der Korrektur wieder in Trendrichtung gehandelt wird.

Nun ist es aber genauso wichtig, die Zeichen für einen nachhaltigen Trendbruch zu erkennen und nicht ewig an einem Trade festzuhalten.

Diese gesunde Balance findet man durch eine präzise Trade-Vorbereitung und konsequentes Risikomanagement.

 

So kannst du dabei vorgehen:

Du siehst, dass die Commerzbank-Aktie im 4h-Chart nach langfristigem Abwärtstrend und kurzem Rebound (long) nun kurz vor einem wunderschönen 38er Fibonnacci Retracement steht. Dazu liegt im selben Bereich auch noch eine markante Widerstandslinie.

Nun gehst du nicht blind in den Markt, sondern gleichst das technische Setup mit den Fundamentaldaten ab. Dabei stellst du dir folgende Fragen:
 

  • Wie ist das aktuelle Marktumfeld? Wollen DAX und S&P500 weiter rauf?
  • Wie ist die aktuelle Zinslage und die Notenbankpolitik?
  • Wie macht sich die Bankenbranche? Ist das Sentiment überwiegend positiv oder negativ?
  • Wie steht es aktuell um die Commerzbank?

 

Wenn die Antworten auf diese Frage ebenfalls ein bärisches Sentiment für die nächsten Tage oder Wochen konstatieren, dann hast du einen echten Tradingkandidaten gefunden.

Dieses mikro- und makroökonomische Umfeld gibt dir den ersten Schub an Selbstvertrauen für diesen Trade.

Nun betrachten wir deine persönliche Ebene und holen den zweiten Schub.

Stelle dir die folgenden Fragen:
 

  1. Wie viel Geld kannst du guten Gewissens mit dieser einen Trading Position verlieren? Es macht keinen Sinn, mehr als 2% deines Tradingkapitals zu riskieren.
  2. Würdest du zu diesem aktuellen Level zwingend kaufen müssen oder gibt es bessere Preiszonen? Wo ist der Stop sinnvoll gewählt?
  3. Warum musst du zwingend diesen Wert handeln? Gibt es aktuell vielleicht liquidere Werte oder attraktivere Chance-Risiko-Verhältnisse?

 

 

Wenn du diese Vorgehensweise konstant praktizierst und dir die nötige Zeit vor jedem Trade nimmst, dann kommst du seltener oder eben gar nicht mehr in die Situationen, in denen dich deine tiefroten Verlustpositionen in der Nacht aus dem Schlaf reißen.

Hier bekommst du 56 geniale Trading Tipps um dein Trading zu verbessern [Fortgeschrittene]  
 

Fazit:

Nun hast du sowohl einen Fahrplan für den Umgang mit bestehenden tiefroten Trading Positionen als auch eine Trade Anleitung für zukünftige Trades, die dir das nötige Selbstvertrauen geben.

Trading sollte nervenschonend und idealerweise eine profitable Erfahrung sein. Ist das nicht der Fall, ist es auch kein Weltuntergang, oder?

Eine professionelle Distanz zu diesem Beruf kann so manche Türen öffnen…

 
 

Tim Grueger

Tim ist sowohl Gruender von tradingfreaks.com als auch Trader. Er ist Bachelor of Science (Finance) und hat bereits fuer mehrere Banken gearbeitet. Tim handelt mit CFDs, FX sowie ETFs und betreut ebenso Depots privater Investoren.

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