Wie du die Kontrolle im Trading zurückgewinnst

Schnell verlieren wir die Kontrolle im Trading und machen heftige Fehler. Wie du das lösen kannst erfährst du hier.

 
Machen wir uns nichts vor. Nicht du bist derjenige, der den Chart kontrolliert, sondern der Chart hat die Kontrolle über dich.

 

Gedankengänge:

Wow, schicke Kerzenformation! Trend ist auch intakt.. Strong Long! Gekauft, Stop Loss gesetzt, Trade läuft.

6 Punkte vorne, passt fürs Erste, kurz aufs Klo.

Wieder da, Blick auf den Chart .. Wasss?? -20 Punkte, noch 5 Punkte bis zum Stop Loss.. Verärgert.

Kurz das heutige Ergebnis in Erinnerung rufen. Ok, bisher +50 Punkte.

Das Zittern geht weiter, der Puls geht hoch. Noch 3,2,1.. Und Zack, ausgestoppt!

-25 Punkte! Fuck, mit einem Trade die halbe Tagesperformance zerschossen!

Ich kapiere es nicht, Formation sah doch gut aus?!

Na wartet ab Freunde der Sonne, das hole ich mir ganz schnell wieder!

Blick in einen anderen Index. Sieht nach Short aus. Ok, rein da! Trade läuft!

Achso, SL muss ja noch platziert werden.

War das ein sauberer Tradeeinstieg? Was Handel ich da eigentlich? Ach egal.. Will ja nur schnell ein paar Punkte wiederholen.


 
Egal, wie die Geschichte hier weitergeht, ob der Trade positiv verläuft oder nicht, es ist auf lange Sicht der Anfang vom Ende des Traders.

Jeder von uns hatte bestimmt schon einmal das Gefühl, einen Verlusttrade schnell wieder gutmachen zu wollen. Das Problem an der ganzen Sache ist, dass viele Trader nicht die nötige Geduld aufbringen, bis ein neues, schönes Setup auftaucht.

Man fängt an, jedem Tick auf dem Chart hinterherzujagen und verliert sich in wirren Prophezeiungen. „Hier könnte es drehen, hier besteht die Chance auf einen Durchbruch, ..“. Du merkst in diesem Moment nicht, dass du dich vom Chart einfangen und in Trance setzen lässt.

Mir ist damals aufgefallen, dass ich wie oben beschrieben, irgendetwas gehandelt habe, hauptsache ich war wieder im Markt und hatte die Chance auf Kursgewinne.

Nach ein paar Punkten im Plus bei diesem Sinnlos-Trade habe ich dann den Gewinn mitgenommen. Da ich den vorherigen Verlust noch nicht ausgeglichen hatte und wieder meine magische 50-Punkte-Pro-Tag Marke erreichen wollte, habe ich einen nächsten willkürlichen Trade gewagt.

Ich fieberte jeder neuen Bewegung mit Argusaugen entgegen. Was vor 2 Minuten noch positiv endete, ging jetzt nach hinten los. Ich ließ den Verlust viel zu weit laufen und hatte nun mein Tagesplus auf 0 Punkte zurückgefahren.

Der Frust wuchs minütlich in ungeahnte Höhen und ich ließ mich nun immer wieder zu irgendwelchen sinnlose Käufen und Verkäufen hinreißen.
 
Ich war wie in Trance und überhaupt nicht mehr Herr meiner Sinne.
Irgendwann, nach Stunden der Harakiri-Kriegsführung gegen sämtliche Märkte und -115 Punkte Tagesergebnis, muss ich irgendwie wieder zu mir gekommen sein.

Der Markt hatte mich und meine Psyche aufs Schärfste misshandelt und ich war psychisch und physisch am Ende.

Nach ein paar Stunden der Ruhe und Ablenkung resümierte ich die vorangegangenen Trades und war fassunglos. Erstens entsprach nicht ein Trade meinem Handelsplan bzw meinem Setup und zweitens konnte ich mich an kaum einen Trade erinnern.

Was war da passiert?

Es brauchte noch ein paar Erlebnisse dieser Art, bis ich bemerkte, dass ich ganz bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legte und diese zwingend ändern usste, um die Kontrolle wiederzugewinnen.

Zunächst einmal machte ich den Fehler, dass ich mir ein tägliches SOLL an Punkten vorschrieb, welches es zu erreichen galt.

Ich wollte mindestens 50 Punkte pro Tag einsammeln, was in der Woche 250 Punkte ausmachte  und im Monat ca 1000 Punkte.

Doch was machst du, wenn du um 18:30 Uhr „erst“ bei +35 Punkten stehst? Richtig, du willst auf Teufel-komm-raus noch die restlichen 15 Punkte ertraden, die dir zu deinem Tagessoll noch fehlen.

Wenn dann der Trade auch noch im Minus endet, wird es natürlich immer schwieriger, dieses Ziel zu erreichen.

Seitdem ich diese Erkenntnis habe, verzichte ich bewusst auf das Festlegen eines Tages- oder Wochenziels. Ich bin einfach dankbar, wenn ich einen Tag im Plus beende und am nächsten Tag neue Chancen bekomme.
 
Die eigene Körperhaltung vor dem Trading-Desk schonmal reflektiert?
Neben der Erkenntnis der fehlerhaften Zielsetzung ist mir noch eine weitere, etwas kuriosere Sache aufgefallen.

Mit jeder Minute, die ich in diesem oben beschriebenen Zustand verbrachte, wurde meine eigene Körperhaltung vor dem Bildschirm immer ungesunder. Ich bemerkte irgendwann, dass ich mit weit aufgerissenen Augen immer näher an den Screen rückte. Meine Nasenspitze verharrte irgendwann über die Tastatur hinaus, nur Zentimeter entfernt vor dem Chart. Ziemlich bescheuert, wenn ich es jetzt im vollen Bewusstsein nocheinmal nachmache..

Das ganze ähnelte einer Fliege, die an einem warmen Sommerabend auf der Terasse eines freistehenden Hauses in die berühmte Stromlampe brettert.

Glücklicherweise lebe ich aber noch und mein Depot hat es auch geschafft.
 
 

Fazit

 

Ich gebe dir hiermit also die Tipps, kein festgelegtes Tagesziel mit allen Mitteln erreichen zu wollen und ebenso auf deine Körperhaltung und dein Mindset zu achten.
Achte darauf, immer wieder Pausen zu machen, den Kopf zu bewegen, aufzustehen und an die frische Luft zu gehen. Ebenso wichtig ist es, auf die tägliche Ernährung zu achten und genug Wasser zu trinken.

Kleine Hilfsmittel wie Post-it´s am Bildschirm mit Hinweisen zu deinem Setup und deinem Ziel, helfen dir ebenfalls, dich nicht aus dem Takt bringen zu lassen.

Damit hast du die Möglichkeit, die Kontrolle im Trading zurückzugewinnen.

Viel Erfolg bei deinen Trades und immer genug Demut vor dem Markt!

Tim Grueger

Tim ist sowohl Gruender von tradingfreaks.com als auch Trader. Er ist Bachelor of Science (Finance) und hat bereits fuer mehrere Banken gearbeitet. Tim handelt mit CFDs, FX sowie ETFs und betreut ebenso Depots privater Investoren.

2 thoughts on “Wie du die Kontrolle im Trading zurückgewinnst”

  • Hört sich zwar etwas blöd an, aber gut zu wissen, dass es nicht nur mir so geht..:)
    Habe manchmal das Gefühl dass da noch eine Person in mir ist, die willkürlich in der Kaufmaske hin und her jagt.. Die Tipps sind gut! Danke

  • Ich habe irgendwann auch angefangen, mir maximal Jahresziele zu setzen, was die Performance wirklich verbessert hat. Kann Tim in dem Artikel nur zustimmen.

    Gruß
    Kriss

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