Wie du COT Daten im Trading nutzt

Die wöchentlichen COT Daten (Commitment of Traders) der CFTC geben wichtige Informationen für Trader. Wie du den COT Report analysierst und handeln kannst, erfährst du hier.

 

Hättest du gerne kostenlose Informationen darüber, wie die Big Player (Hedgefonds, Banken und Unternehmen aus der Industrie) am Markt platziert sind und wohin das „Smart-Money“ („intelligentes Geld“) wöchentlich fließt?

Dann wird dir der CoT-Report, welcher jeden Freitag um 21:30 Uhr (MEZ) erscheint, definitiv weiterhelfen.

So ist es auch jedem Privatanleger möglich den „Großen“ am Markt zu folgen und die Platzierungen am Markt von diesen mit in seine eigenen Überlegungen zu einem Basiswert mit einfließen zu lassen.

Der CoT-Report wird wöchentlich kurz vor dem Wochenende von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC, große Aufsichtsbehörde für den Futuremarkt der USA) seit 1962 auf deren Website (http://www.cftc.gov/index.htm) veröffentlicht.

 

Warum ist der COT Report wichtig?

Die Intention ist folgende. Man möchte durch diesen Report eine höhere Transparenz an den Börsen schaffen und Marktmanipulationen vorzubeugen. Durch den Report bezieht sich dabei auf die einzelnen Positionen von anzeigepflichtigen Akteuren am Markt.

Der CoT-Report listet hierfür sämtliche offene Future- und Optionskontrakte auf. Dies wird auch Open Interest genannt.

Die Positionen in dem CoT-Report beziehen sich dabei auf alle Positionen der Big Player nach Handelsschluss des vorherigen Dienstag.

Was ist der Open Interest?

Das Open Interest aller Akteure am Markt beträgt immer Null. Hierbei wird das Volumen aller offenen Future- und Optionsgeschäfte ermittelt. Da jedem Verkäufer an den Märkten auch ein Käufer gegenübersteht, kann das Open Interest aller Händler am Markt keinen anderen Wert als Null einnehmen. Wozu also das Ganze?

Auch wenn unter dem Strich immer Null steht, so können Privatanleger trotzdem einiges über die Positionierung der unterschiedlichen Marktteilnehmer erfahren.

Die CFTC differenziert den Report nach drei hauptsächlichen Teilnehmern:

  1. Commercials
  2. Non-Commercials
  3. Non-Reportables

 

Wer sind die drei Teilnehmer im Rahmen der COT Daten?

Commercials („Kommerzielle“)

Unter Commercials versteht man die Teilnehmer am Markt die dort das primäre Ziel verfolgen, die eigenen Positionen abzusichern – die Hedger.

Die Commercials spekulieren nicht am Markt mit dem Ziel der Gewinnmaximierung, sondern bauen häufig Positionen entgegen der eigenen Erwartung vom Markt auf um die eigenen Kosten abzusichern.

Oft sind diese an den Rohstoffmärkten zu finden.

Großbauern, Fluglinien oder Kaffeehäuser können sich so gegen Komplikationen am Markt schützen und die zukünftigen Einkaufspreise für die benötigten Rohstoffe absichern und die zukünftige Produktion schützen.

 

Non-Commercials:

Als Non-Commercials bezeichnet man die Marktteilnehmer, die eine klare Absicht zur Gewinnmaximierung (Spekulation) haben.

Die Teilnehmer wollen keine bestehenden Positionen oder zukünftige Einkäufe absichern, sondern das bereits vorhandene Geld gewinnbringend anlegen.

Zu dieser Gruppe von Händlern zählt man Hedgefonds oder auch Privatinvestoren die auf Grund ihrer Größe die Kriterien für die Meldepflicht der CTFC erfüllen.

 

Non-Reportables

Als Non-Reportables werden kleine Privatanleger, im Gegensatz zu den großen Institutionelle auch als „Dumb-Money“ („Dummes Geld“), bezeichnet.

Das Volumen dieser Positionen ergibt sich aus der Differenz des gesamten Open Interest –minus der anzeigepflichtigen Positionen (Commercials + Non-Commercials).

 

Anwendung des Reports

Nun wissen wir welche Teilnehmer in den Report mit einfließen und was deren Intention am Markt ist.

Wie kann ich nun den COT Report für mich nutzen und mit in meine Überlegungen zur kommenden Handelswoche mit einfließen lassen?

Wie wir eben schon gelernt haben, muss die Summe aller Teilnehmer immer Null ergeben.

Wem folge oder an wem orientiere ich mich also nun am besten?

Wie eben gelernt, werden die Teilenehmer umgangssprachlich nach Smart- und Dumb-Money eingeteilt, also auf der einen Seite haben wie die „intelligenten“ Big Player und auf der anderen Seite die kleinen, auf Grund von weniger Informationen, Recherchen und Quellen, „dummen“ Privatanleger.

Also wäre es doch klug wenn man einsieht, dass man nur ein kleiner Fisch in einem riesigen Meer ist, und sich an den Großen orientiert, diesen folgt oder es zumindest unterlässt, im großen Stil Gegenpositionen aufzubauen.

Das Smart-Money ist auf die eigenen Basiswerte vollkommen spezialisiert und verfügt meistens über eine beachtenswerte Kaufkraft, wodurch Basiswerte letztendlich bewegt werden.

Sollte sich zum Beispiel ein Unternehmen, welches riesige Mengen an Kaffee benötigt (z.B. Starbucks), in großem Umfang gegen sinkende Kurse des Kaffeepreises in der Zukunft absichern, so geht dieses auf den einen Basiswert spezialisierte Unternehmen zukünftig von dort fallenden Preise aus und es wäre i.d.R. klug als Privatanleger sich nicht dort entgegengesetzt zu positionieren.

 

Das „Smart-Money“ als Indikator nutzen

Wir sehen im folgenden Chart nun einmal den CoT-Report dargestellt (Basiswert: Kaffee):

COT Daten
Quelle: https://www.barchart.com/futures

Im Chart sehen wir einmal oben den Verlauf vom Kaffeefuture und unten den Verlauf der Nettopositionen aller drei Marktteilnehmer dargestellt.

Nettopositionen: Wenn der Commercial für Kaffee beispielsweise netto Long ist, so hält dieser unterm Strich mehr Long als Shortpositionen auf den Basiswert.

Primär sollte der Verlauf der Positionen der Commercials (rote Linie) beobachtet werden. Sollte es dort zu starken Veränderungen in den Nettopositionen kommen, so hat dies Aussagekraft für die Privatanleger.

Insgesamt gleichen sich diese drei Linien unterhalb des Charts immer aus und ergeben Null. Normalerweise werden die Gegenpositionen zu den Commercials immer von den Non-Commercials und Non-Reportables gehalten. Wir erinnern uns, die Commercials sind nur zur Absicherung der eigenen Positionen am Markt, sind spezialisiert auf diesen und platzieren sich immer entgegengesetzt der eigenen Erwartungen.

Wir sehen in dem Chart, dass die Commercials von September 2014 bis März 2015 einen Großteil der eigenen Verkaufspositionen abgebaut haben. Auch pendeln alle drei Linien der Teilnehmer um die Nulllinie herum womit das Open Interest auch gleichzeitig weiter abnimmt.

Beides ist ein Indikator dafür, dass die vorher stattgefundene Abwärtsbewegung im Basiswert mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nun zu Ende ist und es in den folgenden Tagen/Wochen/Monaten erst einmal zu einer Seitwärtsphase kommen wird.

Und siehe da, die Verkaufspositionen der Commercials stehen Anfang/Mitte Mai bei fast Null und die Preise für Kaffee fallen kaum noch und wir befinden uns in einer Seitwärtsphase bis März/April 2016.

Von dort aus steigen die Preise bis Anfang November wieder und genau bis zu diesem Zeitpunkt rum bauen die Commercials die eigenen Verkaufspositionen wieder auf bis sich ein ungefährer Wert wie Ende 2014 ergibt.

Von dort aus bauen die Commercials deren Verkaufspositionen wieder ab über die nächsten 6 Monate und auch der Kaffeepreis fällt kontinuierlich in diesem Zeitraum. Im 3. Quartal 2017 nähern sich alle drei Linien wieder der Nulllinie (= abnehmendes Open Interest). Und auch der Kaffeefuture pendelt wieder in Richtung der Tiefs.

Wir können also die Trendlinie und Positionierung der Commercials nutzen um ein bevorstehendes Ende einer Aufwärts- bzw. Abwärtsbewegung genauer vorherzusagen.

Natürlich besteht auch hier, wie immer an der Börse, keine Trefferwahrscheinlichkeit von 100% und man sollte niemals so naiv sein, sich einfach nach einem kurzen Blick in den CoT-Report gleich mit den Commercials zu positionieren.

Der COT Report ist eine gute Hilfe, da er freitags veröffentlicht wird, sich über das Wochenende Gedanken zu den Positionierungen zu machen und über die eigene Portfoliokonstellation nachzudenken. Wohlmöglich wird man auf zukünftige Bewegungen hingewiesen und fängt schon einmal an, das Risiko in dem eigenen Portfolio zu reduzieren, indem man einzelne Positionen abbaut bzw. glattstellt oder ganz schließt.

Natürlich gibt es diese Reports auch zum Forex-Markt und zu Indizes.

Nutze auch unseren Trading Plan, um deine Trading Performance zu verbessern:

 

Der erweiterte COT Report (ab 2009)

Ab dem Jahr 2009 hat die CFTC zusätzlich noch einen weiteren CoT-Report veröffentlicht wodurch nochmals die Transparenz erhöht wurde, was uns Privatanlegern natürlich sehr entgegenkommt und helfen kann.

Dieser Report bezieht sich aber bis heute leider „nur“ auf die 22 Rohstoffmärkte.

In diesem Report/Chart sind die folgenden Akteure dargestellt:

  1. Producer, Merchant, Processor, User (Commercials)
  2. Swap Dealer (Commercials)
  3. Money Manager (Non-Commercials)
  4. Andere Meldepflichtige bzw. Other Reportables (Non-Commercials)
  5. Nicht Meldepflichtige (Non Reportable)

Alles auch noch einmal im folgenden Chart unterhalb der bisher kennengelernten Darstellungen:

 

COT Report
Quelle: https://www.barchart.com/futures

 

Natürlich gibt es die Reports zu den Märkten nicht nur in graphischer Darstellung.

Die CFTC veröffentlicht diesen auch immer in schriftlicher Form.

Hier kann man sich beispielsweise den CoT-Report für den kompletten Rohstoffmarkt durchlesen: http://www.cftc.gov/dea/options/ag_lof.htm

Und hier findest du eine Übersicht zu den CoT-Reports aller Basiswerte:
https://www.barchart.com/futures/commitment-of-traders#/

 

Nach all dem positiven, gibt es auch Nachteile im Rahmen der COT Daten?

Ja, leider hat der CoT-Report auch ein paar (wenige) Nachteile.

Zunächst bezieht sich dieser nur auf die in den USA gehandelten Kontrakte und stellt damit zwar einen nicht allzu kleinen aber halt nicht den kompletten weltweiten Markt dar.

Ein weiterer Nachteil ist, dass durch den Rhythmus der Veröffentlichung sich dieser Report für Daytrader eher weniger eignet. Für Swingtrader und langfristige Investoren kann er aber als eine gute Stütze dienen.

Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Beitrag wieder ein paar zusätzliche und nützliche Infos liefern konnte und du vielleicht schon erkannt hast wie du diese für dein eigenes Trading umsetzen kannst um weiter deine Performance zu optimieren.

Falls du noch irgendwelche Fragen hast, von deinen vielleicht schon gemachten Erfahrungen mit dem Report berichten oder dich zu diesem austauschen möchtest, nutze doch einfach die Kommentarfunktion weiter unten.

 

Grüße und eine gute Handelswoche
Andreas

P:S: Den zum Zeitpunkt des Beitrags aktuellen COT Report findest du hier:
http://www.cftc.gov/MarketReports/CommitmentsofTraders/index.htm

 

Andreas Stark

Andreas ist gelernter Bankkaufmann und Analyst bei Tradingfreaks. Seine mikrooekonomischen und makrooekonomischen Fähigkeiten sind goldwert fuer Trader und Investoren!

 

 

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