Trading Strategie entwickeln – 23 Fragen an Trader

Wer eine Trading Strategie entwickeln will, muss auf einige Parameter achten. Hier bekommst du 23 herausfordernde Fragen gestellt, die du dir beantworten solltest.

In diesem Beitrag geht es um wichtige Rahmenbedingungen für dich als Trader, die zwingend beachtet werden müssen, wenn du eine Trading Strategie entwickeln willst. Diese Themen gehören zum Trading genauso dazu, wie die Berücksichtigung von Trading Setups, Indikatoren und Handelsstilen.

Der Mensch neigt dazu unbequeme Dinge auszublenden oder aufzuschieben. Dies zeigt sich zum Beispiel im Joballag, wenn wir unangenehme Tätigkeiten über Tage und Wochen vor uns herschieben.

Doch irgendwann muss die Prokrastination beendet und diese Aufgaben erledigt werden.

Dem Trader geht es dabei nicht anders als dem klassischen Angestellten. Wir alle wollen natürlich nur über ansehnliche Gewinntrades nachdenken und meiden die eigene Konfrontation mit den unschönen Themen wie Psychologie und Risikomanagement.

Ich erwische mich selbst öfters in der Vernachlässigung der bürokratischen Tätigkeiten eines Traders.

 

Dazu gehören:

  • Konsequente Führung der Trade-Dokumentation
  • Fortführung des Trading-Tagebuchs
  • Regelmäßige Überprüfung des Suchtgedankens
  • Überprüfung der bestehenden Positionen

Trading ist also weitaus mehr als nur Kauf und Verkauf von Positionen. Es ist ein komplexes System aus verschiedensten Bereichen, welches durch die Persönlichkeit des jeweiligen Traders Veränderungen erfahren wird.

Meine persönlichen Eigenschaften, Denkweisen, Lebenserfahrungen und Charakterzüge müssen mit diesem System in Einklang gebracht werden. Das ist der Grund, warum jeder Trader sein eigenes Handelssystem entwickeln muss und niemanden einfach „nachtraden sollte“.

In meinem letzten Urlaub habe ich eine tradingfreie Zeit gehabt und konnte fernab vom Alltagsstress meinen Gedanken freien Lauf lassen. Das führt dann dazu, dass ich mir eine ganze Liste an Fragen zusammengestellt habe, die ich dir nicht vorenthalten möchte.

Hier gibt es auch das entsprechende Video zum Blogbeitrag:

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Gezielt Trading Strategien entwickeln

Wir unterteilen die Fragen in die beiden Kategorien Handelssystem und Organisation. Viele Einsteiger konzentrieren sich nur auf Trading Setups mit den entsprechenden Handelssignalen und vergessen dabei, auf eine sinnvolle Organisationsstruktur und weitere Rahmenbedingungen zu achten.

Diese Fragen an Trader sollte jeder für sich klären und dadurch die Komplexität des Systems im Daytrading wieder ein Stück weiter durchleuchten können:

 

Handelssystem:

    1. In welcher Marktphase funktioniert mein Handelssystem gut (Uhrzeit oder Marktereignisse)?
      Hier musst du dich mit unterschiedlichen Marktphasen auseinandersetzen. Es gibt ruhige und volatile Phasen, in denen deine Strategie besser oder schlechter funktioniert. Ebenso können bestimmte Tageszeiten aufgrund des unterschiedlichen Volumens ausschlaggebend für Erfolg und Misserfolg sein. Im Forexhandel gibt es beispielsweise drei wichtige Sessions mit unterschiedlichem Handelsvolumen (Asien, London, New York).
    2. Wie viele und welche Tradingfehler unterlaufen mir?
      Du musst alle deine Trades analysieren. Versuche nicht nur das Ergebnis sondern auch deine Gedanken vor, während und nachdem Trade zu protokollieren. Mit der Zeit erkennst du dann Auffälligkeiten, die du wiederum zur Optimierung der Trading Strategie verwenden kannst.
    3. Wie eröffne ich meine Positionen?
      Abhängig von deinem Trading Stil macht es Sinn, sich die Art der Positionseröffnung näher anzuschauen. Manche Trader gehen manuell in den Markt, andere wiederum arbeiten nur mit Limits. Besonders beim Scalping in volatilen Zeiten wie Leitzinsentscheiden können Orderarten wie Buystop, Buylimit, Sellstop und Selllimit nützlich sein.
    4. Wann und wie setze ich Stopps und wann ziehe ich Stopps nach?
      Das Wichtigste zuerst. Du solltest immer Stopps setzen! Idealerweise direkt mit Positionseröffnung. Es kann jeder Zeit ein Marktereignis eintreten, was deinen Trade massiv in den Buchverlust treibt (Flashcrash). Denke daran, dass dein erstes Ziel immer der Kapitalerhalt sein muss. Wo genau du den Stop Loss platzierst hängt von deinem Trading Stil ab. Mache dir nur klar, dass viele Retailtrader ihre Stopps an identische Stellen legen, die der Markt gerne abfischt. Hier habe ich einen Beitrag zum SL Fishing geschrieben.
    5. Wann und wie schließe ich meine Positionen? Ganz oder teilweise?
      Es gibt Trader, die sind Non-Stop am Bildschirm und wählen Ihren Ausstieg manuell. Andere wiederum legen ein Take Profit in den Markt und können sich somit eine zeitliche Abwesenheit erlauben, ohne das der Trade gefährdet ist. Ich selbst bin ein Freund von Teilverkäufen. Demnach schließe ich einen Teil der Positionen bei einem erreichten Buchgewinn, den ich nur ungern im Falle eines Trendwechsels wieder abgeben möchte. Hier spielt die Psychologie eine Rolle.
    6. Fühle ich mich bei meinen Trades wohl?
      Hast du bereits gemerkt, dass dein Puls während eines Trades oder bestimmten Marktereignissen schneller wird? Viele Trader werden nervös, wenn der Buchverlust einen bestimmten Wert erreicht hat und treffen dann emotionale Entscheidungen. Hier solltest du noch einmal deine Positionsgröße überprüfen. Für erfolgreiches Trading brauchst du Konzentration und einen ruhigen Herzschlag.
    7. Wie geht es mir bei einem Fehltrade?
      Machen dich Fehltrades traurig oder wütend? Verspürst du nach einem Fehltrade den unbedingten Willen nach „Wiedergutmachung“? Das ist sehr gefährlich. Du solltest diese Rache-Trades zwingend abstellen und nur handeln, wenn du ein klares 5-Sterne-Setup vorfindest. Alles andere ist Zockerei und führt auf Dauer zu herben Verlusten.
    8. Wie geht es mir bei fünf Fehltrades?
      Na, verlierst du den Glauben an deine Strategie? Trader leiden unter dem Phänomen der Recency Bias. Demnach vergessen sie die Trades, die schon länger zurückliegen und stützen sich vehement auf den Verlauf der letzten Trades. Versuche anhand von Tagebüchern oder anderen Formen der Dokumentation den Blick für das große Ganze zu behalten. Und glaube mir: Der Tag wird kommen…
    9. Behalte ich übergeordnete Zeiteinheiten im Blick?
      Egal welchen Trading Stil du nutzt. Sowohl im Scalping, als auch im Daytrading und Swingtrading musst du mehrere Zeiteinheiten abgleichen, um sinnvoll Stop Loss und Take Profit festlegen zu können. Wenn du generell aus dem M15 heraus handelst, solltest du auch M5 und H1, H4 analysieren. Idealerweise ist der Trend in den maßgeblichen Zeiteinheiten identisch.
    10. Kann ich abends abschalten oder verfolgt mich der Markt bis in den Schlaf?
      Trading ist Hochleistungssport. Es erfordert permanente Konzentration und Disziplin. Am Ende eines Handelstages solltest du zwingend abschalten können. Versuche einen Weg zu finden, der dich ab einer bestimmten Zeit von den Märkten gedanklich fernhält. Sport und insbesondere Ausdauersport sind eine gute Erholungsmöglichkeit.
    11. Wie oft checke ich Positionen noch via Smartphone?
      Trading Apps auf dem Smartphone sind eher Fluch als Segen, denn sie verleiten dazu, doch noch einmal um 21:30 die Positionen checken zu wollen. Wer von Anfang an SL und TP gesetzt hat, kann sich das eigentlich sparen. Der Markt braucht deine Anwesenheit nicht. Du verpasst auch nichts, denn jeder Handelstag bietet neue Chancen.

     

  1. Organisation:
      1. Wie kann ich Trading innerhalb meiner Familie ausleben?
        Auch wenn es sich etwas weit hergeholt anhört. Du wirst ab einer gewissen Intensität den Rückhalt deiner Familie brauchen. Vielen ist nicht klar, was du da machst und haben eher Angst um dich, denn du könntest ja süchtig sein. Anmerkung: Das könnte tatsächlich sein!
      2. Habe ich „Rückendeckung“ von Frau/Mann und Kindern?
        Der Punkt schließt sich an den vorherigen an. Besonders Ehepartner aber auch Kinder sollten weiterhin deine Aufmerksamkeit bekommen. Achte auch darauf, wie du dich Ihnen gegenüber an schlechten Handelstagen verhältst. Trading sollte deine Stimmungslage auf lange Sicht nicht mehr beeinflussen. Du benötigst eine professionelle Distanz, aber das braucht Zeit.
      3. Wann bin ich konzentrierter? Morgens oder Abends?
        Je nach Arbeitstag und sonstige Tätigkeiten bist du zu bestimmten Tageszeiten leistungsfähiger. Wenn es dein Trading Setup zulässt, nutze die „starken“ Tageszeiten für dein Trading. Alternativ musst du eine Strategie entwickeln, die dein manuelles Eingreifen nur selten erfordert.
      4. Reichen nicht auch 4 Stunden vor dem Trading Desk aus?
        Die Länge der Zeit vor den Charts lässt keine Schlüsse auf Erfolg oder Misserfolg zu. Wenn du vor dem Bildschirm sitzt, solltest du die Zeit effizient nutzen. Du solltest nicht jedem Tick hinterherfiebern sondern Recherchieren, neue Trading Ideen entwickeln und gute Setups finden.
      5. Wie verhalte ich mich vor dem Bildschirm?
        Wirst du schnell nervös oder bist du aufgeregt? Dann stimmt etwas nicht. Trading muss möglichst unemotional sein. Dieser Punkt braucht Zeit, denn die Anfangseuphorie und das tägliche Mitfiebern ist ganz normal. Über angepasste Positionsgrößen kannst du schneller an diesen an Punkt kommen, an dem Trading einfach nur Trading ist … und nicht das Finale der Fußball WM.
      6. Trinke ich mindestens 1,5 Liter Wasser täglich?
        Auch das Thema Ernährung und insbesondere die Flüssigkeitsversorgung spielt im Trading eine wichtige Rolle. Um Höchstleistungen vollbringen zu können, muss ein gesunder Lebensstil gegeben sein.
      7. Wie verfahre ich mit offenen Positionen bei plötzlicher Abwesenheit?
        Besonders Berufstätige, die zwischendurch oder nebenbei traden, werden schnell abgelenkt und verlieren den Trade aus den Augen. Hier muss zwingend ein Stop Loss von Anfang an gesetzt werden.

    Hier bekommst du 56 geniale Trading Tipps um dein Trading zu verbessern [Fortgeschrittene]  
     

    1. Lese ich zwischendurch Bücher? Fachliteratur oder Romane?
      Zugegeben, ab einem gewissen Zeitpunkt benötigen Trader kein neues Fachwissen mehr, um erfolgreich zu traden. Bücher wie „One Good Trade“ von Mike Bellafiore helfen mir aber immer wieder, meine Verhaltensweisen zu überprüfen und den Fokus auf die „Good Trades“ zu lenken.
    2. Wie viele Pausen mache ich am Tag?
      Als Daytrader richtest du deine Tradingzeiten hoffentlich nach der zu erwartenden Volatilität aus. Es gibt bestimmte Events oder Tageszeitpunkte, an denen es sich lohnt, am Schreibtisch zu sitzen. Ebenso gibt es Zeiten, wo nichts los ist und die sich gut für Pausen eignen. Wenn du deine Trading Strategie entwickeln willst, musst du diese Zeiten kennen.
    3. Was mache ich wenn mein DSL/Internet ausfällt?
      Täglich kann es passieren, dass deine Internetverbindung ausfällt. Ob nun eine Minute oder eine Woche keine Verbindung möglich ist, spielt fast keine Rolle, denn wenn du kurz vor dem Ausfall eine ungesicherte Position geöffnet hast, reichen theoretisch wenige Sekunden aus, um dein Konto zu vernichten. Du benötigst also alternative Kontaktwege zu deinem Broker.
    4. Habe ich die Telefonnummer des Brokers sichtbar ausgedruckt vorliegen?
      Für den Fall eines Systemausfalls oder die fehlende Internetverbindung solltest du die Hotline deines Brokers sichtbar vorliegen haben. Idealerweise kennst du deine Kontonummer auswendig oder hast sie ebenfalls griffbereit, damit der Broker deine Positionen zeitnah managen kann.
    5. Wie sind Luft- und Lichtverhältnisse im Raum?
      Abschließend noch ein Hinweis zu deiner täglichen Umgebung. Achte auf natürliche Lichtverhältnisse und frische Raumluft. Auch hier geht es wieder darum, bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit du den Kopf klar hast und die richtigen Entscheidungen treffen kannst.

     

    Diese 23 Fragen haben mir geholfen, festgefahrene Strukturen, die mich insgeheim beim Trading belastet haben, wieder lösen und meine Trading Strategie entwickeln zu können. Es sind vielfach Rahmenbedingungen, die Trader missachten, weil sie nicht sichtbar sind und nur indirekt zum Erfolg im Trading führen.

    Nutze diesen Beitrag als Checkliste und beantworte dir diese Fragen auf ehrliche Art und Weise. Es wird dir helfen, das komplexe System zu strukturieren und schafft eine gesunde Basis für dein Trading.

    Viel Erfolg dabei!
    Tim

    Tim Grueger

    Tim ist sowohl Gruender von tradingfreaks.com als auch Trader. Er ist Bachelor of Science (Finance) und hat bereits fuer mehrere Banken gearbeitet. Tim handelt mit CFDs, FX sowie ETFs und betreut ebenso Depots privater Investoren.

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