Gleitende Durchschnitte: EMA oder SMA im Trading?

Sowohl institutionelle Trader als auch Retail Trader nutzen gleitende Durchschnitte im Trading. Doch was sind EMA und SMA? Wie setzt man sie erfolgreich ein?

 

In dem folgenden Artikel geht es um die wohl bekanntesten aber gleichzeitig auch wichtigsten Indikatoren im Trading mit gleitenden Durchschnitten: Den Simple Moving Average (kurz SMA) und den Exponential Moving Average (kurz EMA).

Natürlich gibt es auch noch viele weitere gleitende Durchschnitte wie zum Beispiel den WMA (Weighted Moving Average), DMA (Displaced Moving Average) oder auch TMA (Triangular Moving Average).

Konzentrieren möchte ich mich aber besonders auf die am häufigsten verwendeten gleitenden Durchschnitte: SMA und EMA.

Bei diesen Indikatoren, auch gleitende Durchschnitte genannt, handelt es sich um Trendfolger, welche eine bestimmte, vom Trader ausgewählte Zeitdatenreihe glätten.

Ich muss also zusätzlich zu dem zu verwendenden Moving Average auch noch die Zeiteinheit auswählen für diese die Trendlinie berechnet und angezeigt werden soll.

Dabei gilt, umso höher die Zeiteinheit und Kerzenanzahl ist, umso genauer und nachhaltiger sind die sich daraus ergebenen Signale.

Das tolle an diesen Trendlinien ist, dass du sie für alle Basiswerte nutzen kannst. Es ist egal ob es sich dabei um einen bestimmten Index, ein Währungspaar (FX) oder einzelne Aktien handelt.

Du wirst auch gleich sehen, dass man mit einem Blick in die Zukunft gut sehen kann, ob die gewählte Trendlinie mit der gewählten Zeiteinheit als Signalgeber nützlich sein kann.

Der wohl am häufigsten verwendete Moving Average ist wohl der SMA 200. Dieser ist auch häufig schon vorab in einen Chart eingezeichnet, um dem Anleger bzw. Trader mit einem Blick die Lage des Basiswertes zu zeigen.

 

Gleitende Durchschnitte: Berechnung des SMA

Bei dem SMA 200 werden die letzten 200 Schlusskurse addiert und durch 200 geteilt. Dadurch erhalte ich einen Durchschnittswert der Kurse an den letzten 200 Börsentagen und an diesem Wert verläuft dann der SMA 200.

Somit ist auch klar, für jede neue Kerze einer Zeiteinheit fällt bei der Berechnung der Trendlinie die letzte raus, damit immer gewährleistet ist, dass nur die aktuellsten 200 Kerzen zur Berechnung verwendet werden.

Zur Vereinfachung hier einmal der DAX Tageschart mit dem SMA 200 als Trendlinie eingezeichnet (lila Linie).

Gleitender Durchschnitt Trading Chart SMA

Für den Stand der Trendlinie von heute wurden dafür alle Schlusskurse der letzten 200 Börsentage addiert und durch 200 geteilt.

Natürlich kann ich die Zahl anpassen, mit dem SMA 200 lässt man sich im Tageschart gerne den langfristigen Trend anzeigen. Möchte ich lieber schauen wie der Basiswert mittelfristig gelaufen ist, setze ich die Anzahl der zu berechnenden Kerzen auf 100 bzw. 50 herunter.

Für den kurzfristigen Trend nehme ich dann Zahlen unter 50, sogar eher in der Region von 20-30.
Hier zum Vergleich der gleiche DAX Tageschart mit dem SMA 100 und SMA 30:

SMA 100 DAX Tageschart

Gleitender Durchschnitt SMA Chart Trading DAX

SMA 30 DAX Tageschart

Forex einfach gleitender Durchschnitt

Was sofort auffällt, umso geringer die zu berechnende Kerzen sind und in der Vergangenheit zurückliegen, umso näher verläuft die Trendlinie am Chart entlang.

Dies ist natürlich vollkommen logisch, da immer weniger Kerzen berechnet und damit auch weniger Möglichkeiten für extreme Kursverläufe mit einkalkuliert werden. Würde man den SMA 1 auswählen, dann verläuft die Linie genau mit dem Chart.

Ich konnte keine genauen Zahlen dazu finden, würde aber vermuten, dass der SMA 200 die am häufigsten verwendete Trendlinie ist.

Dadurch ist dieser auch ein wenig wie eine ‚self-fulfilling prophecy‘ (Selbsterfüllende Prophezeiung).
Man sagt von den Trendlinien, dass wenn die von oben nach unten bzw. unten nach oben durchkreuzt werden, Kauf- bzw. Verkaufssignale entstehen.

Da diese Trendlinien häufig auch als Unterstützung bzw. Widerstand gesehen werden, erfolgt, sobald eine der Linien nicht hält, ein Trendwechsel, durch diesen dann das Signal entsteht.

Dazu schauen wir uns noch einmal den aktuellen DAX Tageschart mit eingezeichneter SMA 200 an.
Hier kann man schön an den orange markierten Stellen die Funktion als Unterstützung erkennen.

SMA Trendlinie Chart

Auch wenn die Linie einmal intraday durchkreuzt wurde (zweiter orangene Kreis) so hat der Kurs nicht unterhalb der Linie geschlossen und der Trend blieb weiterhin in Takt.

Ich warte für die Signale immer auf einen Schlusskurs in der verwendeten Zeiteinheit um eine zusätzliche Bestätigung zu bekommen.

Da ein Großteil der Investoren und Trader den SMA 200 nutzen, werden dort gerne Kaufaufträge platziert (sollte man sich aktuell oberhalb der Linie befinden) bzw. Verkaufsaufträge (sollte der aktuelle Kurs unterhalb der Linie sein) um die Funktion als Unterstützung bzw. Widerstand nutzen zu können.

Durch die allgemeine Verwendung dieser Linie werden dort häufig große Mengen an Aufträgen platziert, wodurch, wie auch im oberen Chart zu sehen, es an dieser Linie zu einem Abprall kommt.

Schauen wir uns noch einmal dazu den DAX in einer anderen Zeiteinheit an, dem 4-Stunden-Chart:

SMA Trading Aktien

Auch hier ist schön zu erkennen, wie der Kurs zunächst über einen längeren Zeitraum an dem SMA 200 wieder nach unten abprallt und nicht darüber schließen kann (orangene Kreise).

Mit dem Schließen oberhalb des SMA 200 (grüner Kreis) wurde der Widerstand durchbrochen und damit ein Kaufsignal erzeugt. Nun wird der SMA 200 zukünftig nicht mehr als Widerstand gehandelt, sondern als Unterstützung dienen.

 

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Gleitende Durchschnitte: Ein Blick auf den EMA

Beim EMA werden alle vorhandenen Datensätze mitberücksichtigt, jedoch kann ich mit der von mir gewählten Zeiteinheit diesen Daten ein höheres Gewicht einräumen (u.a. durch Multiplikation mit einem Exponenten).

Auch hier gelten wie beim SMA, für längerfristige Trends gewichte ich die letzten 200 Einheiten höher, bei mittelfristigen die letzten 50 und bei kurzfristigen eher die letzten 30, wenn nicht sogar noch weniger.

Aber auch hier gilt, je länger der Zeitraum und je höher die gewählte Zeiteinheit der Kerzen, umso nachhaltiger ist das erzeugte Signal. Durch die höhere Gewichtung der letzten Daten, reagiert der EMA sensibler und schneller auf Kursänderungen als der SMA.

Dazu zum Vergleich der gleiche DAX Chart wie oben beim SMA, nur diesmal mit dem EMA 200 und EMA 100.

EMA 200 DAX Tageschart

EMA Forex Chart

EMA 100 DAX Tageschart

EMA200 DAX Chart

Wie schon beschrieben, fällt sofort der engere Verlauf des EMA am Chart auf, da die aktuellsten Kurse höher ins Gewicht fallen.

Zum Vergleich auch einmal der DAX Tageschart mit gleichzeitig eingezeichnetem SMA 200 (lila) und EMA 200 (orange):

EMA gleitender Durchschnitt Trading

Eine solche Kombination von EMA und SMA in gleicher Zeiteinheit kann natürlich auch, je nach Verlauf als doppelter Widerstand bzw. doppelte Unterstützung dienen.

In Kombination mit einem möglicherweise dort verlaufenden Fibonacci Retracement wäre eine gute Position für eine Orderplatzierung.

Auch ist es möglich, die gleiche Trendlinie einzuzeichnen, jedoch mit unterschiedlichen, zu berücksichtigenden Zeiteinheiten zu verwenden.

Verwende ich z.B. gleichzeitig den EMA 50 und EMA 200, kann diese Kombination mir auch Signale für mein Trading liefern.

Man sagt, dass wenn die kurzfristigere Trendlinie die längerfristige kreuzt auch Kauf- bzw. Verkaufssignale entstehen können. Sollte der EMA 50 den EMA 200 von unten nach oben durchkreuzen, so hätte man ein potentielles Kaufsignal vorliegen.

Das liegt daran, dass dieses durchkreuzen so interpretiert wird, dass der kurzfristige Trend aktuell stärker ist als der längerfristige und somit in der nahen Vergangenheit etwas gewesen ist, dass diesen Trend ausgelöst hat auf dem es jetzt nun aufzubauen gilt.

Dies gilt natürlich genau anders herum bei einem durchkreuzen des EMA 50 durch den Ema 200 von oben nach unten.

Natürlich gilt auch für die Trendlinien, wie bei allen anderen Indikatoren, dass es keine hundertprozentige Trefferquote gibt und es auch hier immer mal wieder zu Fehlsignalen kommt.

Für eine Trendeinschätzung bzw. für den Handel als Unterstützung/Widerstand, haben sich diese meiner Meinung nach sehr gut bewährt.

 

Welche Erfahrungen hast du mit gleitenden Durchschnitten wie EMA und SMA gemacht? Nutze gerne das Kommentarfeld für Ergänzungen.

 

Andreas Stark

Andreas ist gelernter Bankkaufmann und Analyst bei Tradingfreaks. Seine mikrooekonomischen und makrooekonomischen Fähigkeiten sind goldwert fuer Trader und Investoren!

 

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