Daytrading Sentiment gezielt im Forexmarkt handeln

Im Forex Newstrading spielt das Sentiment für Daytrader eine wichtige Rolle. Wie du es bestimmst und deine Trades aufbaust, erfährst du hier.

Das Sentiment beschreibt die Stimmungslage in einer Währung. Wie bei jedem von uns, kann die Laune mal gut, schlecht oder neutral sein. Die Stimmung orientiert sich an den nächsten Maßnahmen der Zentralbank des Landes oder der politischen Lage.

In der letzten Woche habe ich den Beitrag „Forex Fundamentalanalyse“ geschrieben, der die Grundlage für diesen Beitrag hier liefert.

Das Sentiment und die fundamentale Lage einer Währung bestimmen maßgeblich den Preis einer Währung (und nicht die Charttechnik, was die deutschsprachige Traderszene aber lieber hätte…).

Die nachfolgende Grafik verdeutlicht noch einmal die Abgrenzung der beiden Begriffe:

 

Daytrading Sentiment Forex Tabelle

Zum Verständnis: Ein dauerhaft schlechtes Sentiment beeinflusst irgendwann auch die fundamentale Lage.

Wenn die Wirtschaftsdaten wie Inflation, Arbeitsmarkt, etc. und Stimmen von Zentralbankmitgliedern über einen längeren Zeitraum konstant negativ ausfallen, dann wird die fundamentale Lage düster und der Kurs der Währung wertet ab. Warum? Weil die Zentralbank über Maßnahmen wie Zinssenkungen nachdenken muss.

Das Sentiment spiegelt aber nicht zwingend den Kursverlauf wieder! Das Sentiment kann schlecht sein und trotzdem steigt eine Währung als kurze Korrektur zu einem bestehenden Abwärtstrend (keine Währung steigt oder fällt dauerhaft).

 

Um den Zusammenhang besser verstehen zu können, gehe ich in Kurzfassung noch einmal auf die Rolle der Zentralbanken ein.

Eine Zentralbank (oder Notenbank) ist für die Geldpolitik verantwortlich und beeinflusst damit die wirtschaftliche Entwicklung. Beispiel: Die EZB hat in der Finanzkrise die Zinsen konstant gesenkt, um die Investitionsbereitschaft der Unternehmen (günstige Kreditaufnahme) zu stärken. Der EUR ist daraufhin sukzessive gefallen.

Neben den Kreditnehmern gibt es aber auch (ausländische) Investoren in einem Land, die sich z.B. für Staatsanleihen interessieren. Große, institutionelle Anleger wie Staats- und Pensionsfonds müssen überwiegend in „sichere“ Anleihen investieren, da diese risikoärmer als Aktien sind.

Für diese Investoren wird durch eine Zinssenkung die Anlage in Staatsanleihen unattraktiver, da die Rendite fällt. Also wird Geld (hier aus dem EUR) abgezogen und in ein anderes Land mit attraktiverem Zinsniveau, transferiert (zb Australien). Für diese Transaktion müssen EUR am Devisenmarkt verkauft werden und AUD gekauft werden (wir handeln ja immer Paare).

Das ist die Theorie bzw. das Grundkonzept!

 

Wer oder was beeinflusst das Forex Sentiment?

Der Preis eines Assets wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt.

Nun wissen wir, dass an der Börse Zukunftserwartungen gehandelt werden. Ein Aktienkurs steigt, weil die Investoren von zukünftigen Gewinnen ausgehen und darauf spekulieren. Eine Währung steigt, weil ein für den Markt attraktiver Spitzenkandidat in Wahlumfragen vorne liegt oder weil ein wichtiger Datensatz für die Geldpolitik (Zentralbank) besser ausgefallen ist, als erwartet.

Zwischenfazit: Ich kann anhand von „frischen“ politischen Themen oder geldpolitischen Themen das Sentiment bestimmen.

Das Non-Plus-Ultra zur Bestimmung des Sentiments im FX Markt sind Leitzinsentscheide.

Anbei Beispiele für weitere Themen, die das Sentiment einer Währung prägen:

 

Politik

  • Konflikte national
  • Konflikte international
  • Wahlen
  • Entscheidungen gg Demokratie (Bsp Erdogan)

 

Geldpolitik:

  • Inflation (z.B. CPI Daten)
  • Arbeitsmarkt (z.B: Arbeitslosenquote, neue Stellen,..)
  • Wirtschaftswachstum (z.B. BIP, Retail Sales)
  • Meeting Minutes und Reden von Zentralbankmitgl.

 

Diese Daten werden für jede G10 Währung monatlich veröffentlicht und bieten gute Handelschancen, wenn es zu Überraschungen kommt. Man sollte sich auf diese fundamentalen Aspekte konzentrieren, wenn man einen Trade im FX Markt platziert. Dazu muss man sich täglich mit einem Wirtschaftskalender vorbereiten.

Die Indikatoren Inflation, Arbeitsmarkt, Wirtschaftswachstum sind die Entscheidungskriterien für die Zentralbankmitglieder. Jede Zentralbank hat Ziele, zum Beispiel Inflation von 2% pro Jahr.
Wenn dieses Ziel dauerhaft unterschritten wird, wird sie die Zinsen senken. Wenn es überschritten wird, wird sie Zinsen anheben.

Ist jetzt klar, warum die Veröffentlichung von Inflationsdaten so starke Kursschwankungen auslöst?

Wenn der Markt sieht, dass das Ergebnis der CPI Daten die eigentliche Prognose und/oder das Ziel massiv verfehlt hat, dann ist in nächster Zeit wohl kaum mit Leitzinsanstiegen zu rechnen. Also nimmt der Markt das vorweg und geht in der entsprechenden Währung short. Umgekehrt im positiven Fall (Long).

Ein anderes Beispiel sind Arbeitsmarktdaten. Der Arbeitsmarkt repräsentiert den Zustand der Wirtschaft. Sind viele Menschen beschäftigt, ist mit steigendem Einkommen, steigenden Steuereinnahmen und steigenden Konsumausgaben zu rechnen.

Was die Veröffentlichung relevanter Arbeitsmarktdaten bewirken kann, sehen wir fast wöchentlich. Das nachfolgende Bild zeigt den H1 Chart im USDCAD vom 01.12.2017 -05.12.17. Die kanadischen Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr CET veröffentlicht. Erwartet wurden neu geschaffene Stellen in Höhe von 10k, Ergebnis waren dann überragende 79k. Das Sentiment im CAD ist impulsiv nach oben geschossen und mit ihm der Preis.

CAD Chart Arbeitsmarktdaten

Man sieht, dass die Veröffentlichung des Ergebnisses aufgrund der starken Abweichung zur Prognose für einen enormen Abwärtsschub im USDCAD gesorgt hat. Selbst die Tage danach war das Sentiment im CAD noch prägend und sorgte für einen weiter steigenden CAD (siehe Trendkanal). Ganz einfach deshalb, weil der überraschend starke Arbeitsmarkt dafür sorgen kann, dass die Bank of Canada die Leitzinsen in Kürze noch einmal anheben könnte.

So kann ich eine starke und eine schwache Währung finden und handeln. Dazu eine Faustformel: Je frischer das Sentiment, desto besser. Nach einigen Tagen oder Stunden lässt es nach bzw. neue News sorgen schon wieder für eine Auffrischung oder Veränderung.

Nun ist es aber auch so, dass es immer wieder Phasen gibt, in denen keine Entscheidungen oder News zu Themen aus der o.G. Tabelle anstehen. Trotzdem bewegt sich die Währung. Warum?

Es gibt natürlich auch andere Parameter, die eine Währung beeinflussen. So werden Währungen ja nicht nur aus Spekulationsgründen gehandelt, sondern auch im internationalen Handel zwecks Import und Export.

Wenn ein deutscher Maschinenbauer eine Maschine nach Kanada verkauft, muss der kanadische Käufer ja CAD verkaufen und EUR einkaufen, um die Rechnung bezahlen zu können. Nehmen wir an die Maschine kostet 100 Millionen EUR. Dann muss seine Bank für dieses Devisengeschäft dafür sorgen, dass der Käufer den besten Wechselkurs bekommt.

Also schaut der Trader der Bank im Orderbuch, Chart, etc. nach Zonen, wo eine hohe Liquidität zu erwarten ist um möglichst unauffällig und günstig seine Transaktion abwickeln zu können.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Bankenhändler das während den Non Farm Payrolls oder ähnlichen Entscheidungen riskieren möchte, auch wenn dann natürlich Liquidität da ist.
So kann es also immer wieder zu Schüben im EURCAD kommen, obwohl das Sentiment in die andere Richtung zeigt. Hier habe ich einen Beitrag zu den „liquiden Zonen“, die sich mit dem Mythos „SL-Fishing“ decken.

Abschließend noch der Hinweis, dass auch andere Assetklassen für Sprünge im FX Markt verantwortlich sein können. Nach dem FX Markt ist auch der Anleihemarkt sehr liquide. Durch Angebot und Nachfrage werden Anleihekurse und Zinsen/Renditen beeinflusst.

Am nachhaltigsten ist und bleibt aber m.E. das Sentiment aus den in der Tabelle dargestellten Indikatoren.

Wenn du das Konzept des Forex Newstradings und das Traden mit Sentiment besser verstehen möchtest, schaue dir unbedingt mein kostenloses Webinar an. Dort lernst du, wie du täglich saubere Trading Setups findest und diese umsetzen kannst.

 

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Diese Strategie ist übrigens nicht neu!

Viele Hedgefonds und Investmentbanken handeln auf Basis von fundamentalen Parametern und dem Sentiment im Forexmarkt. Es lässt sich mit allen relevanten Tradingstilen (Scalping, Daytrading und Swingtrading) umsetzen. Schau es dir im Webinar an und du wirst schnell merken, wie es geht!

Viel Erfolg!

Tim

 

Tim Grueger

Tim ist sowohl Gruender von tradingfreaks.com als auch Trader. Er ist Bachelor of Science (Finance) und hat bereits fuer mehrere Banken gearbeitet. Tim handelt mit CFDs, FX sowie ETFs und betreut ebenso Depots privater Investoren.

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1 thought on “Daytrading Sentiment gezielt im Forexmarkt handeln”

  • Dieser Artikel schließt in Qualität und logischer Grundlagensetzung wirklich nahtlos an den zur „Forex Fundamentalanalyse“ an! Es zeigt sich wieder einmal wie wichtig es ist von den richtigen Leuten unterstützt zu werden und man erkennt beim Vergleich mit anderen diesem Thema zuzuordnenden Inhalten, daß die Informationen übereinstimmen. Das ist ein absolutes Qualitätsmerkmal.
    Allerdings ist das Lied noch nicht gesungen, wenn man nur den Text kennt. Zum Erfolg gehört zwingend auch die Melodie und mir fällt dazu passend Sokrates ein „Ich weiß, daß ich nichts weiß…“
    Danke Axel

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