Charttechnik lernen: Die 6 beliebtesten Formationen

Wer Charttechnik lernen will findet hier eine Anleitung und zeitgleich die 6 beliebtesten Formationen der Chartanalyse.

Die Chartanalyse ist ein beliebtes Mittel unter Tradern und Investoren, um den Handel mit Wertpapieren oder Derivaten zu optimieren. Ziel ist es, auf Basis von Charttechnik die Kursentwicklung zu prognostizieren.

Leider gibt es dabei aber auch große Missverständnisse, die ich dir hier ebenfalls vorstellen werde.

Die Charttechnik besteht sowohl aus einzelnen Indikatoren, aber auch aus bestimmten Chartmustern oder Kerzenformationen. In allen Fällen handelt es sich um die grafische Darstellung des Preises eines Basiswertes und den diversen Hilfsmitteln.

Wer Charttechnik lernen will, muss ebenso die Konstruktion und Abarbeitung eines Orderbuchs verstehen. Wie kommt ein Preis zustande? Was bedeuten Angebot und Nachfrage?

Es fängt schon damit an, dass viele Trader nicht begreifen, dass ein Chart die grafische Darstellung des historischen Orderbuchs ist, also das Ergebnis vergangener Kurse. Doch wenn es sich um historische Kurse handelt, wie soll es mir dann im Trading helfen?

Mach dir bitte direkt zu Beginn des Artikels klar, dass die Charttechnik kein Wundermittel ist, sondern ein Mittel zum Zweck. Es gibt hier keine Pauschalaussage, wie: „Charttechnik ist zwingend notwendig“ oder umgekehrt: „Charttechnik… alles Quatsch.“

Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte. Damit du die Charttechnik lernen kannst, zeige ich dir nun 6 beliebte Formationen und Tools, die dir helfen sollen, eine funktionierende Trading Strategie zu entwickeln.

 

Charttechnik lernen: Der Trendkanal

Ein Trend gibt einem die Richtung vor. Sowohl in der Mode, als auch im Trading, wo er allgemein „Long“ oder „Short“ sein kann . Ein Trendkanal verdeutlicht eine Zone, in der sich der Kurs bewegt. Trader versuchen einen Trend so schnell wie möglich zu erkennen, um sich entsprechend positionieren zu können.

Im nachfolgenden Bild erkennt man anhand der roten Linien den Trendkanal. Der Kurs bewegt sich für eine Zeit in diesem Kanal. Doch es ist natürlich nie klar, wie lange der Kurs in dieser Formation verharrt. Wichtig ist, dass die Linien symmetrisch zueinander verlaufen. Ich benötige mindestens drei Punkte (2 oben, 1 unten oder umgekehrt), um einen Kanal einzeichnen zu können.

Trading Trend Chart Aktie

Ein Trend wird in Aufwärtstrend und Abwärtstrend unterteilt. Dabei müssen auch die Zeiteinheiten beachtet werden. Im 5 Minuten Chart kann beispielsweise ein Abwärtstrend vorliegen, im 4 Stundenchart aber ein Aufwärtstrend. Welcher Trend ist nun maßgeblich? Das hängt wieder vom Trading Stil ab, aber allgemein gilt: Die übergeordneten Zeiteinheiten sind höherwertiger.

Was bringt mir das Erkennen eines Trendkanals?

Zum einen kann ich einen geplanten Einstieg in eine Aktie, ein Währungspaar, etc. optimieren, zum anderen aus einem bestehenden Trade einen guten Ausstieg planen. Im roten Trendkanal könnte ich einen Short an die Trendkanaloberseite legen und einen Ausstieg an der Trendkanalunterseite platzieren.

Es gibt auch Trader, die sich in einem bestehenden Trend entgegengesetzt positionieren. Im obigen Beispiel wäre das ein Longeinstieg in einem Abwärtstrend. Empfehlen kann ich das allerdings nicht. Es macht auch Sinn, nur zu handeln, wenn der Trend in über- und untergeordneten Zeiteinheiten übereinstimmt.

Mache dir auch klar, dass ein Trend irgendwann beendet wird.

 

Charttechnik lernen: Widerstände und Unterstützungen

Ähnlich wie beim Trendkanal sind Widerstände und Unterstützungen visuelle Hilfen, um bestimmte Zonen im Chart zu erkennen. Es handelt sich dabei um Bereiche, an denen der Kurs in der Vergangenheit nicht so einfach weitergekommen ist. Ist dieser Bereich oberhalb des aktuell gehandelten Kurses, dann ist es ein Widerstand, ist der Bereich unterhalb des aktuellen Kurses, dann ist es eine Unterstützung.

Die Namen verraten schon ein wenig den Sinn dieser Linien. Ein Widerstand blockiert die aktuelle Aufwärtsbewegung, eine Unterstützung „stützt“ den Kurs in einem Abwärtstrend.

Man geht davon aus, dass der Kurs seinen aktuellen Trend an diesen Linien nicht so einfach fortführt. Im nachfolgenden Bild erkennt man anhand der roten Linie, dass dieser Bereich sowohl den Aufwärtstrend (ganz links) für ein paar Perioden blockierte und dann nach dem Durchbruch den selbigen stützte.

Diese Besonderheit solltest du dir merken: Hat der Kurs einen Widerstandsbereich nachhaltig überwunden, dient er ab sofort als Unterstützung für den intakten Aufwärtstrend. Umgekehrt wird eine nach unten durchbrochene Unterstützung in einem Abwärtstrend zu einem Widerstand.

Widerstandslinie Charttechnik lernen

Ich selbst nutze Unterstützungs- und Widerstandslinien um Ein- und Ausstieg meiner Trades im Forexhandel zu optimieren. Wenn ich sehe, dass ein Widerstand voraus ist, dann lege ich mein Take Profit je nach Chance-Risiko-Verhältnis ein paar Pips vor diese Zone. Ebenso kann ich auch meinen Stop Loss anhand dieser Bereiche ausrichten.

Der Grundgedanke dieser Linien ist, dass viele Marktteilnehmer diese Zone erkennen und dort Ihre Orders hinlegen. Es soll folglich zu einem Rebound kommen.

 

Charttechnik lernen: Gleitende Durchschnitte

Ähnlich beliebt wie Trends und Widerstands-/ Unterstützungslinien sind gleitenden Durchschnitte. Dabei handelt es sich um Mittelwerte historischer Kurse. Es wird also ein Durchschnitt aus einer Historie von Kursen gebildet. Dieser Durchschnitt wird als „gleitende“ Linie im Chart dargestellt.

Einer der beliebtesten gleitenden Durchschnitte ist der Exponential Moving Average (kurz: EMA). Über verschiedenste Skalierungsoptionen kann ich mir diesen Indikator zusammenbasteln. Doch wenn wir über das Thema Chartanalyse sprechen, müssen wir stets daran denken, dass uns nur solche Tools weiterbringen, die vom Markt beachtet werden. Die größte Beachtung findet sowohl auf institutioneller, als auch auf privater Trader-Ebene, der EMA200.

Der EMA200 zeigt mir den Durchschnitt der letzten 200 Schlusskurse in einer gewählten Zeiteinheit. Das heißt, es gibt einen Unterschied zwischen den einzelnen Zeiteinheiten, denn der EMA200 im 5Min-Chart zeigt mir den Durchschnitt der 200 letzten 5Min-Kerzen, der EMA200 im 4h-Chart die letzten 200 Kerzen aus dem 4-Stundenchart. Da es sich um einen exponentiell gleitenden Durchschnitt handelt, wird im Gegensatz zum Simple Moving Average eine stärkere Gewichtung der zuletzt gehandelten Kurse vorgenommen. Beim SMA wird jede der 200 Kerzen hingegen gleichgewichtet.

EMA200 Strategie

Du siehst, dass der Kurs immer wieder von der EMA200 wegläuft, aber ebenso zurückkommt. Ähnlich wie bei Unterstützungen und Widerständen setzen Trader dabei auf einen Rebound. Besonders beim ersten Kontakt nach längerer Abwesenheit wird die EMA als Ausstieg für bestehende Trades und Einstieg für Rebound-Trades benutzt.

Neben den Tradern nutzen aber auch Investoren, die Inder Regel einen längeren Zeithorizont für ihr Investment haben, die gleitenden Durchschnitte zur Standortbestimmung. Grundlegende Faustformel: Notiert der Kurs ober dem Durchschnitt – Aufwärtstrend, notiert er unter dem Durschnitt – Abwärtstrend.

Entscheide für dich, ob du den EMA oder einen anderen Durchschnitt in dein Positionsmanagement mit einbeziehst, oder vielleicht nur als Standortbestimmung siehst.

 

Charttechnik lernen: Bollinger Bänder

Nachdem wir gleitenden Durchschnitte und Trendkanäle kennen gelernt haben, möchte ich dir die Bollinger Bänder vorstellen. Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus Simple Moving Average und Standardabweichung. Du siehst den gleitenden Durchschnitt (rot) in Begleitung zweier Außenbänder (grün).

Die Skalierung ist wieder frei wählbar. Oft wird auch hier der SMA in der Skalierung 200 gewählt und für die beiden äußeren Bänder die Abweichung 2.

Bollinger Bänder Charttechnik lernen

Die Bollinger Bänder können dir dabei helfen, herauszufinden, wie weit eine Bewegung laufen wird. Da sich Assets immer zwischen volatilen und ruhigen, trendigen Phasen abwechseln, werden die Bollinger Bänder sich mal zusammenziehen (ruhige Phase) und mal stark ausdehnen.

Im Chart sehen wir einen Abwärtstrend. Der Kurs hat sich vom SMA entfernt und läuft langsam wieder an ihn heran. Das untere Bollinger Band diente dabei als Stütze gegen weitere Kursverluste und konnte gegebenenfalls zum Ausstieg aus einem Short oder Einstieg in einen Long Trade genutzt werden.

Wie zuvor erwähnt gilt auch hier: Wenn dich das Tool überzeugt, teste es in vielen Zeiteinheiten und mit diversen Parametern, bis du das gewünschte Ergebnis erzielst.

 

Charttechnik lernen: Fibonacci Retracements

Die Fibonacci Retracements haben Ihren Namen von einem berühmten Mathematiker (Fibonacci) erhalten. Kurioserweise finden wir die Zahlenfolgen von Fibonacci nicht nur im Trading, sondern auch in Natur, Architektur, usw. wieder. Mit dem englischen Begriff „Retracement“ wird ein Rücksetzer beschrieben. Wir nutzen dieses Tool also, um einen Rebound im Markt zu antizipieren.

Dabei suchen wir uns einen Chart, in dem ein relevanter, impulsiver Aufwärts- oder Abwärtstrend zusehen ist und wo es bereits zu einer kleinen Erholung/Korrektur gekommen ist. Wir wollen nun wissen, wie weit diese Korrektur wohl laufen wird und wollen dann den „perfekten“ Trade Einstieg finden. Nein, wir streichen „perfekt“ und ergänzen es durch „gut“. Perfektionismus wird im Trading schnell bestraft…

Um zu erahnen, wie weit die Korrektur wohl laufen wird, zeichnen wir uns verschiedene Level in den Chart. Jede moderne Chartsoftware, wie der Metatrader, machen das automatisch. Alles was du tuen musst, ist die Hoch- und Tiefpunkte mit dem Tool zu verbinden.

Charttechnik lernen Fibonacci Retracements

In diesem Stundenchart des EURJPY sehen wir den Abwärtstrend klar und deutlich. Wir ziehen das Fibonacci Retracement vom Hochpunkt zum Tiefpunkt. Die Rücksetzungsebenen 23,6, 38,2, 50,0 und 61,8 werden automatisch eingefügt.

Du erkennst beim Erstkontakt mit dem jeweiligen Level einen Abpraller. Hier bietet es sich an, Longs zu verkaufen oder Shorts aufzubauen (abhängig vom eigenen Setup).

 

Charttechnik lernen: Trading Kerzen

Kerzencharts haben gegenüber Liniencharts viele Vorteile. So kann ich anhand der Kerzenformation Informationen über Trends und Volumen ablesen. Das wiederum kann mir bei meiner Entscheidung für oder gegen einen Trade helfen.

Ich habe hier einen eigenen Blogbeitrag über die 7 wichtigsten Kerzenmuster geschrieben. In diesem Artikel hier gehe ich auf die meiner Meinung nach interessanteste Kerze, den „Hammer“, ein.

Bevor ich dir die Bedeutung des Hammers erkläre, gehen wir kurz darauf ein, was eine Tradingkerze überhaupt darstellt und wie sie zu interpretieren ist.

Trading Kerzen

Du siehst, dass eine Kerze dir sowohl die Hoch- und Tiefpunkte und damit die Handelsspanne der betrachteten Periode, als auch den Eröffnungs- und Schlusskurs anzeigt. Anhand der Farben erkenne ich, ob die Periode positiv oder negativ war.

Jetzt, wo die Basics klar sind, schauen wir uns den Hammer an.


Inverted Hammer Trading Kerze

Der Hammer zeichnet sich durch einen langen Docht und einen kleinen Kerzenkörper aus. Er zeigt an, dass es innerhalb der betrachteten Periode zu einer Bewegung kam, die zum Ende hin komplett egalisiert wurde.

Viele Trader schauen zum Ende einer volatilen Aufwärts- oder Abwärtsbewegung nach diesem Muster, um einen Trendwechsel in höheren Zeiteinheiten zu ermitteln. Dieses Muster markiert also das Ende eines Aufwärts- oder Abwärtstrends.

Aber auch hier gilt: Eine Kerzenformation alleine bildet kein Handelssignal mit gutem Chance-Risiko-Verhältnis. Es ist eine Orientierung und kann einer von mehreren Parametern sein.

Charttechnik lernen: Average Daily Range

Die Average Daily Range gibt an, wie hoch die durchschnittliche Volatilität in einer bestimmten Periode war. Übersetzt ist es die durchschnittliche Handelsspanne eines Tages. Ich kann aber natürlich auch andere Perioden wählen.

Nehmen wir an, das eine Assetklasse wie das FX Paar EURUSD eine durchschnittliche Handelsspanne von 40 Pips auf Tagesbasis hat, dann kann ich diese Information in mein Trading Setup mit einbeziehen.

Wenn ich als Daytrader aktiv bin und meine Position zum Ende des Handelstages schließen will, kann ich über die ADR antizipieren, ob an diesem Handelstag noch ein großer Move kommen wird oder nicht.

Bin ich hingegen noch nicht positioniert und möchte gegen Ende einer Trading Session noch einen Trade machen, kann ich unter Beachtung der ADR prüfen, ob die durchschnittliche Handelsspanne für diese Session schon erreicht ist oder nicht. Kommt dann kein volatiles Ereignis mehr, wird der Kurs tendenziell in einer Seitwärtsphase pendeln.

Aber Achtung: Es ist kein Indikator zur Begründung eines Trades bzw. Trade Einstiegs. Die ADR gibt mir nur an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass in der betrachteten Periode noch eine Bewegung zu meinen Gunsten kommt, oder nicht. Es heißt nicht, dass nach Erreichen der ADR keine große Bewegung mehr kommen kann. Maßgeblich ist das Marktsentiment und damit verbunden die Lage im Orderbuch.

Dabei muss man auch berücksichtigen, dass es Tage mit geringer und hoher Volatilität gibt. Mit dem Blick in den Wirtschaftskalender kann ich die volatilen Phasen einplanen (zum Beispiel bei Leitzinsentscheiden).
Ich kann mir die Average Daily Range selbst errechnen, in dem ich die Pip-Spanne der einzelnen Tageskerzen nehme und durch die Anzahl der betrachteten Tage teile.
 

Hier bekommst du 56 geniale Trading Tipps um dein Trading zu verbessern [Fortgeschrittene]  
 

Wichtig:

Du hast nun sechs Chartformationen gesehen, die du weiter verfolgen kannst, wenn du Charttechnik lernen willst. Teste diese Formationen, in dem du auf Demokonten risikolos Ein- und Ausstiege an den einzelnen Punkten platzierst. Auch Papertrading und Backtesting helfen dir dabei weiter.

Du solltest dein Trading Setup nicht nur auf Basis der Charttechnik aufbauen. Je nachdem welches Asset du handelst, welchen Trading Stil du pflegst und wie du dein Risikomanagement festlegst, musst du den Stellenwert der Charttechnik herauf- oder herabsetzen.

Tim Grueger

Tim ist sowohl Gruender von tradingfreaks.com als auch Trader. Er ist Bachelor of Science (Finance) und hat bereits fuer mehrere Banken gearbeitet. Tim handelt mit CFDs, FX sowie ETFs und betreut ebenso Depots privater Investoren.

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